26.06.2020 - 14:05 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Eine Zwickmühle mit Zeitdruck

Die Sanierung der alten Kanäle in Tirschenreuth steht außer Frage. Allein hinter der Finanzierung steht ein großes Fragezeichen.

Im Juli vergangenen Jahres hatten starke Regenfälle den Kanal an der Einmündung der Kleinklenauer Straße in die St.-Peter-Straße überlaufen lassen.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Viele Jahrzehnte hat das Wasser- und Abwassernetz der Stadt auf dem Buckel. Und die lange Zeit hat in den Rohren und Leitungen Spuren hinterlassen. Wie groß die Schäden sind, haben zurückliegende Untersuchungen gezeigt. In einem Kanalsanierungskonzept, das bis Ende 2021 für das Stadtgebiet erarbeitet wird, werden Zustand und Maßnahmen dargestellt. Neben den Kosten in Millionenhöhe spielt auch der Zeitfaktor eine Rolle, erfuhren die Stadträte bei der Sitzung am Donnerstag im Kettelerhaussaal.

Kosten in Millionenhöhe

So stellte Diplom-Ingenieur Stephan Endres vom Ingenieurbüro Miller aus Nürnberg die Ergebnisse für den ersten Teilbereich Tirschenreuth Nord-Ost vor. Anhand von Bildern verdeutlichte der Fachmann die teils umfangreichen Schäden an den Kanalleitungen. Der Zustand des Leitungsnetzes zeigt sich auch in farblichen Abstufungen und Bewertungen in einem Plan. In manchen Straßen sei dabei schnelles Handeln erforderlich, so in der Kleinklenauer Straße und im Angerweg, verdeutlichte der Fachmann. Nachdem die wasserrechtliche Erlaubnis nur bis Ende 2023 reiche, werde die Stadt vor allem bei den dringenden Maßnahmen gefordert. Allein für den Bereich Kleinklenauer Straße (bis Einmündung Planer Straße)/Angerweg werden für die Kanalsanierung rund 1,9 Millionen Euro und für die Wasserleitung rund 830 000 Euro an Kosten anfallen. Für alle Maßnahmen im ersten Abschnitt Tirschenreuth Nord-Ost wurden insgesamt gut vier Millionen Euro bei den Kanälen errechnet. Dabei müsste nicht immer eine komplette Erneuerung der Leitungen erfolgen.

Die Bedeutung der Maßnahme in der Kleinklenauer Straße verdeutlichte Endres auch mit den Vorfällen nach Starkregenereignissen, bei denen etwa der Kanal in der St.-Peter-Straße die Wassermassen nicht mehr ableiten konnte. Dadurch sei es auch in tieferen Bereichen, etwa der Mühlbühlstraße, zu Überschwemmungen gekommen.

"Unübersichtliche Haushaltslage"

In seinen Ausführungen hatte der Vertreter des Ingenieurbüros bei der Finanzierung zunächst eine gute Nachricht. So würde der Staat die Kosten für diese "Härtefälle" mit mindestens 80 Prozent bezuschussen. Auflage sei, dass die Maßnahmen bis Ende kommenden Jahres abgeschlossen sind. Ein erster Abschnitt in der Kleinklenauer Straße und im Angerweg sei bis dahin diese durchaus realisierbar, schilderte Endres. Doch wusste der Ingenieur von einem "Pferdefuß" durch die Coronakrise. So wäre vor zwei Wochen vom Wasserwirtschaftsamt ein Schreiben eingegangen: "Mit Blick auf die unübersichtliche Haushaltslage werden die Zuwendungsbescheide vorübergehend ausgesetzt". Und Leistungen dürften eben erst ausgeschrieben werden, wenn die Zuwendungsbescheide vorliegen.

"Wir müssen etwas tun", fasste Bürgermeister Franz Stahl die Situation zusammen, ganz im Sinne des Stadtrates. Doch würde gerade die jüngste Aussage des Amtes zu den Zuwendungsbescheiden die Stadt in eine unglückliche Situation bringen. Um eine mögliche Härtefall-Förderung zu erhalten, müsste die Stadt eine Ausschreibung jetzt vornehmen, um die Maßnahme termingerecht fertigzustellen. Dann aber, aufgrund des aktuellen Schreibens, würde sich die Stadt wohl "förderschädlich" verhalten, weil eben die Ausschreibungen untersagt seien. "Wir arbeiten im luftleeren Raum", beschrieb Stahl die veränderte Fördersituation. Doch die Stadt hätte ihre Hausaufgaben gemacht.

In der Kleinklenauer Straße (Bild) und im Angerweg soll der erste Bauabschnitt der Sanierung des Tirschenreuther Kanalnetzes beginnen.

Keine Kosten für Anlieger

CSU-Fraktionssprecher Huberth Rosner fragte nach, ob Kosten für die Anlieger entstehen würden. Nein, antwortete Franz Stahl und erläuterte, dass sich die Sanierungskosten nur auf die Verbrauchsgebühren auswirken würden. FW-Sprecher Manfred Zandt bestätigte die "verzwickte Situation", aber wusste auch von der Notwendigkeit der Sanierung. Franz Heinrich (Grüne) sprach sich dafür aus, dass bei Neubauten stets Zisternen mit eingeplant werden sollten. Das unterstützte auch Stephan Endres. Doch würde das bei Starkregensituation nicht unbedingt helfen, weil dann auch die Zisternen voll sein könnten.

Gespräche wegen Förderung

Am Ende beschloss das Gremium, dass Kanalsanierungskonzept abschnittsweise durchzuführen. Erster Bauabschnitt wären die Kleinklenauer Straße (bis Einmündung Planer Straße) und der Angerweg. Für den Kanal werden mit 1,9 Millionen Euro, für die Wasserleitung mit 830 000 Euro gerechnet. Nach Abschluss der Maßnahme sollte der Ausbau der Straße folgen. Vor einer Ausschreibung will Stahl aber Gespräche mit den zuständigen Stellen über die Förderung führen.

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