01.08.2021 - 09:33 Uhr
TrabitzOberpfalz

Bundestagswahl: Fünfter Anlauf von Konrad Dippel für Direktmandat im Wahlkreis Weiden

"Ich bin bereit", sagt Konrad Dippel selbstbewusst. Der Trabitzer hat sich eine Lebensaufgabe gestellt: Er möchte als Direktkandidat in den Bundestag. Deshalb tritt er am 26. September wieder an – und das bestimmt nicht zum letzten Mal.

Der Trabitzer Konrad Dippel tritt im Wahlkreis Weiden zum fünften Mal als parteiloser Direktkandidat bei der Bundestagswahl an.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Vor Kurzem hat Konrad Dippel seine Wahlbewerbung beim Kreiswahlleiter in Weiden abgegeben. Wegen der Coronapandemie wären nur 50 Unterstützer statt der bisherigen 200 nötig gewesen. Auf seiner Liste standen rund 350 Unterschriften. Für die Bundestagswahl am Sonntag, 26. September, geht er als mit dem Slogan "#parteifrei #Gemeinsam gewinnen! #Gemeinsam verändern! Einfach mal anders: Erststimme Dippel!" im Wahlkreis 235 Weiden ins Rennen.

"Jede einzelne Stimme ist wichtig"

Der 50-Jährige tritt damit zum fünften Mal an, und "bis ich 100 bin, bringe ich schon noch ein paar zusammen". Sein Engagement sieht er als Lebensaufgabe, er könne gar nicht damit aufhören. Dippel motiviere die Tatsache, dass auch ein parteiloser Direktkandidat mit nur einer Erststimme mehr als andere Bewerber in den Bundestag kommen könne. Daher ruft er alle Stimmberechtigten auf, unbedingt zur Wahl zu gehen, denn "jede einzelne Stimme ist wichtig, siehe den Schulentscheid in Windischeschenbach". Ihn zu wählen, könne auch eine Art "freundlicher Protest" sein, denn er selbst sieht sich als "freundliche Wahlalternative". Sollte er es schaffen, dann wäre "manches Direktmandat, das bisher in Beton gegossen war, nicht mehr sicher".

"Gutes Gefühl"

Seit 2005 erzielte er im Wahlkreis jeweils das drittbeste Erststimmenergebnis. Sein bisher bestes Resultat holte er vor zwölf Jahren mit 14,1 Prozent der Erststimmen. Heuer hat er "ein gutes Gefühl", die benötigten 30 bis 35 Prozent zu schaffen. Als "Deutschland erfolgreichster Einzelbewerber" geht er allerdings immer von einem Sieg aus. Wie immer wird er aber wieder ganz unten auf dem Stimmzettel stehen. Dies sei "eine Gemeinheit im Wahlgesetz, weil Parteien Vorrang haben". Allerdings sei dieser Platz auch nicht der schlechteste, die Wähler müssten einfach nur den Zettel umdrehen. "Wenn ich das System auf den Kopf stellen will, muss ich auch den Stimmzettel auf den Kopf stellen."

Der Wahlkampf werde mindestens so viel kosten wie vor vier Jahren, damals waren es 30.000 Euro. Der Trabitzer profitiere heuer vom Verkauf seiner Firma 2018. Die drei ersten Kampagnen hätten zusammen etwa 145.000 Euro gekostet. "Jedes mal habe ich mehr ausgegeben als erstattet bekommen", betont der 50-Jährige. Jedenfalls könne er sich das leisten, dafür fahre er "nicht drei Mal im Jahr in Urlaub" und gönne sich auch kein anderes kostspieliges Hobby.

"Natur ihren Raum geben"

Als Ziele hat sich der Trabitzer neben der Belebung und Verbesserung der Demokratie eine nachhaltige Zukunft, ein friedfertiges und gerechtes Zusammenleben sowie eine "damit gesund und glücklich lebende Gesellschaft" gesteckt. In Sachen Klimaschutz ist der Holzkaufmann und Biobauer nach eigenen Angaben "schon immer ein Aktivist". Privates Profitstreben zerstöre viel, "hier müssten die Leute kürzertreten". Ein Politiker solle "die Werte für die Gesellschaft auch vorleben". Sein Hof sei "vollkommen beschattet von Laubbäumen", der Boden nicht unnötig versiegelt, so dass er die "wertvolle Ressource Wasser" aufnehmen könne. Die Menschen müssten "der Natur ihren Raum geben, weniger aber bewusster konsumieren und langsamer leben", ist Dippel überzeugt. Daher kämpfe er um jeden einzelnen Baum, selbst um die tote Eiche, die vor seinem Haus auf Gemeindegrund stehe und für Insekten so wichtig sei.

Coronapolitik auf dünnem Eis

In Sachen Gesundheit ist natürlich Corona das große Thema im Bundestagswahlkampf. Der Trabitzer sieht hier jedoch "das Wissen nicht in den Händen der Politiker". Die Menschen sollten sich vielmehr von Ärzten oder Apothekern beraten lassen und dann eine Entscheidung treffen. Dippel findet es schlimm, wie die Politik die Art und Weise, "wie mit der Gesundheit umzugehen ist, an sich gerissen hat". Die Verantwortlichen beträten hier "dünnes Eis". Daher müssten sie in Zukunft den Mut haben, bei anderen Krankheiten genauso vorzugehen oder gesundheitsgefährdende Stoffe zu verbieten, folgert er. Als Beispiel führt er Krebs an: Wenn die Politik hier die Entscheidung für oder gegen eine Chemotherapie vorschreiben würde, müsste sie auch die Konsequenzen verantworten – im schlimmsten Fall sogar den Tod von Patienten.

Was Dippel am 26. September machen werde, wisse er noch nicht. Normalerweise würde er ins Wahllokal gehen, um die Auszählung der Stimmen zu verfolgen und das Resultat zu erfahren. "Aber wenn ich das Wunder schaffe, dann werde ich im Weidener Rathaus bei der Bekanntgabe des Ergebnisses sein."

Konrad Dippels Wahlprüfungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht

Trabitz
Zur Person:

Konrad Dippel

  • Partei/Wählergruppierung: parteilos
  • Alter: 50
  • Familienstand: ledig
  • Kinder: zwei Söhne
  • Beruf: Holzkaufmann und Biobauer
  • Bisherige Wahlergebnisse: seit 2005 jeweils das drittbeste Erststimmenergebnis im Wahlkreis Weiden, bisher bestes Resultat 2009 mit 14,1 Prozent der Erststimmen
  • Drei politische Kernziele: parteifrei in Bundestag kommen, Demokratie beleben und verbessern, eine Person risikofrei wählen

"Wenn ich das System auf den Kopf stellen will, muss ich auch den Stimmzettel auf den Kopf stellen."

Konrad Dippel über seine Position ganz unten auf dem Stimmzettel

 

 

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