19.11.2019 - 15:13 Uhr
TrabitzOberpfalz

Fall Shafi Husseini: Auch zweite Geburtsurkunde nicht anerkannt

Die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer sind verzweifelt. Auch die zweite Geburtsurkunde des jungen Fußballers Shafi Husseini von der SpVgg Trabitz soll gefälscht sein. Neben der Abschiebung drohen nun strafrechtliche Konsequenzen.

Shafi Husseini (hinten, Dritter von links) und seine Mannschaftskameraden von der SpVgg Trabitz.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Dem Trabitzer Fußballer Shafi Husseini droht weiterhin die Abschiebung. Die Situation spitzt sich nun sogar noch zu, denn auch seine zweite Geburtsurkunde wird nicht anerkannt. „Wir konnten es nicht fassen. Nach 14 Wochen haben wir nun die Nachricht bekommen, dass die Urkunde nicht anerkannt wird“, sagt eine Nachbarin, die den jungen Flüchtling aus Afghanistan unterstützt.

Shafi Husseini (links) spielt Fußball bei der SpVgg Trabitz. Dem Mittelfeldspieler droht die Abschiebung.

Shafi wird nun Urkundenfälschung vorgeworfen. Er wurde bei der Kriminalpolizei Weiden vorgeladen. „Er kann das Dokument nicht gefälscht haben, weil er es nie alleine in der Hand hatte. Durch diesen Vorgang wird er kriminalisiert“, erklärt die Nachbarin, die gemeinsam mit ihrem Mann dem jungen Fußballer der SpVgg Trabitz bei der Angelegenheit hilft. Angeblich sei das Lichtbild aus der Urkunde entfernt und neu hinzugefügt worden. Die ehrenamtliche Helferin vermutet, dass bereits in Afghanistan jemand das Bild neu angebracht habe, vielleicht weil es schief war. Der Vorgang wird nun an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Für Shafi und seine Unterstützer sind die Vorwürfe nicht nachvollziehbar. „Das Dokument kommt aus Afghanistan, dort herrschen schwierige Verhältnisse. Der staatliche Bevollmächtigte in Kabul ist bereits stinksauer, dass es in Deutschland wieder Probleme damit gibt“, sagt die Nachbarin.

Trabitz

Auch Shafi selbst belastet dieser Vorgang. „Es geht mir nicht gut wegen der Geburtsurkunde“, gibt der 22-Jährige zu. „Wir sind verzweifelt und enttäuscht. Wir haben alles versucht. Wir werden nun einen Anwalt einschalten“, erklärt die ehrenamtliche Helferin. Sollte es zum Schlimmsten kommen, wäre der Petitionsausschuss in München die letzte Chance für Shafi, um eine Abschiebung zu verhindern. Geflüchtet ist Shafi laut eigenen Aussagen, weil er zur Minderheit der Hazara gehört und fürchtete von den Taliban getötet zu werden. „Ich kann es nicht verstehen. Shafi lebt Integration so wie die Deutschen es sich wünschen. Wenn er abgeschoben wird, dann schicken sie ihn womöglich in den Tod“, sagt die Nachbarin.

Shafi Husseini im Trikot der SpVgg Trabitz.

Erneut wird sie sich an Politiker wenden, um dem jungen Flüchtling zu helfen. Auch seine Mannschaftskameraden von der SpVgg Trabitz stehen hinter ihm. „Wir finden es großartig, dass es in der Mannschaft einen solchen Zusammenhalt gibt. Auch von anderen Vereinen bekommen wir viel Zuspruch. Dafür sind wir sehr dankbar“, bedanken sich die ehrenamtlichen Helfer. Viele Freunde und Mannschaftskameraden hätten schon zugesagt Shafi, falls nötig, bis nach München zu begleiten.

Die SpVgg Trabitz integriert erfolgreich Flüchtlinge

Info:

Prüfung der Dokumente durch das Bundesamt für Migration

Das Bundesamt für Migration und Flüchtling (BAMF) ist zuständig für die Prüfung der Personaldokumente von Asylbewerbern.Sprecherin Natalie Bußenius erklärt: „Grundsätzlich sind Asylbewerber verpflichtet ihre Identität nachzuweisen, sofern ihnen dies möglich ist. Dabei berücksichtigt das Bundesamt neben dem Nationalpass auch andere Personaldokumente wie zum Beispiel Geburtsurkunden, Führerscheine oder Zeugnisse.“

Die Originaldokumente werden vom Bundesamt mittels physikalisch-technischer Urkundenuntersuchungen (PTU) auf Echtheit überprüft. Die Prüfung ist dabei in drei Ebenen unterteilt, teilt das BAMF mit:

(1) In den Außenstellen und Ankunftszentren findet durch geschultes Personal des Asylverfahrenssekretariats eine Vorprüfung vorgelegter Dokumente statt. Diese umfasst sowohl die bloße Inaugenscheinnahme und den Vergleich mit echten Vergleichsdokumenten als auch die Prüfung unter dem Mikroskop und einem UV-Prüfgerät.

(2) Ergibt sich ein Manipulationsverdacht, werden diese Dokumente an die Zentrale weitergeleitet. Dort erfolgt eine eingehende Überprüfung der Dokumente mit Manipulationsverdacht.

(3) Bei festgestelltem Manipulationsverdacht erfolgt die abschließende und gerichtsverwertbare Urkundenuntersuchung durch Urkundensachverständige in der BAMF-Zentrale, die in einer mehrjährigen Ausbildung durch das BKA geschult wurden und ausgewiesene Experten der Dokumentenprüfung sind.

„Wird bei der Prüfung eine Manipulation festgestellt, dann werden diese Dokumente beim Bundesamt aufbewahrt und das Untersuchungsergebnis an die Polizeibehörden weitergeleitet“, erläutert Bußenius. Damit werden die Dokumente Gegenstand eines polizeilichen Ermittlungsverfahrens, wie nun im Fall von Shafi Husseini.

Info:

Keine oder gefälschte Dokumente

Wenn ein Flüchtling keine oder gefälschte Papiere vorlegt, hat das nicht automatisch eine Ausweisung zur Folge. Natalie Bußenius von der Pressestelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erklärt: „Der Umstand, dass jemand keine Personalpapiere vorlegen kann, führt nicht zum Ausschluss aus dem Asylverfahren. Im Asylverfahren wird geprüft, ob individuelle Fluchtursachen vorliegen und ob Schutz gewährt werden kann. Die etwaige Schutzgewährung ergibt sich aus der Würdigung aller Erkenntnisse, die vom Bundesamt ermittelt werden. Legt ein Antragsteller gefälschte (Personal-)Dokumente innerhalb des Verfahrens vor, wird dies immer in der Gesamtbewertung, etwa als Anhaltspunkt für die Glaubwürdigkeit der geschilderten Fluchtgründe, berücksichtigt. Gefälschte Personaldokumente müssen jedoch nicht automatisch zu einer negativen Entscheidung führen, da das Bundesamt dazu verpflichtet ist, die individuelle Gefährdung im Herkunftsland zu berücksichtigen.“

Weiden in der Oberpfalz
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