28.08.2020 - 14:16 Uhr
TrabitzOberpfalz

Trotz Personalmangels in der Pflege: Adama darf nicht arbeiten

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Adama Coulibaly ist Flüchtling. Er macht in Deutschland seinen Abschluss und eine Ausbildung zum Altenpfleger. Doch ihm droht die Abschiebung. Corona und der Militär-Putsch in Mali erschweren die Arbeit der Ehrenamtlichen ihm zu helfen.

Adama Coulibaly hat seine Ausbildung zum Altenpfleger abgeschlossen, darf nun aber wegen seines abgelehnten Asylantrags nicht arbeiten.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

In Deutschland fehlen die Fachkräfte in der Pflege. Deswegen hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Sommer 2019 eine Initiative gestartet, um entsprechende Arbeitskräfte im Ausland anzuwerben. Aus Mexiko, dem Kosovo und von den Philippinen sollten die Pflegekräfte kommen, um die Lücke in Deutschland zu füllen. Wegen der Corona-Pandemie stockt nun vor allem die Anwerbung aus dem nicht-europäischen Ausland.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Situation von Adama Coulibaly absurd. Er ist 2015 aus Mali nach Deutschland gekommen. Seit Ende 2017 lebt er mit anderen Flüchtlingen in Trabitz. In dieser Zeit hat er Deutsch gelernt, seinen Abschluss an der Wirtschaftsschule Weiden gemacht, ein Praktikum bei der AWO Pressath absolviert und eine dreijährige Ausbildung zum Altenpfleger an der Berufsfachschule für Altenpflege in Neustadt/WN erfolgreich abgeschlossen.

Anwerbung ausländischer Pflegekräfte stockt wegen Corona

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Lob vom Arbeitgeber

Ab dem 1. September hätte er eine Stelle im Caritas Alten- und Pflegeheim St. Josef in Pressath antreten sollen. Dort hat er bereits während seiner Ausbildung gearbeitet. „Es funktioniert nicht mit allen, die hier arbeiten, aber Adama ist wirklich eine Ausnahme. Er geht super mit den alten Menschen um und hat unheimlichen Respekt vor ihnen. Er ist ein feiner Kerl und ich hätte ihn gerne ab September hier. Aber es werden ihm Steine in den Weg gelegt“, sagt Pflegedienstleiter Christian Fuchs. Der Bedarf an Pflegekräften sei auf jeden Fall da.

Das Problem ist, dass Adamas Asylantrag abgelehnt worden ist. Er ist in Deutschland nur noch geduldet und könnte daher abgeschoben werden. Da er damals ohne Papiere geflüchtet ist, muss zunächst die Identität geklärt werden. Dabei unterstützen ihn ehrenamtliche Helfer aus Trabitz. Doch auch sie verzweifeln inzwischen an den deutschen Behörden. Sie haben sich seit 2019 bereits an die malische Botschaft in Berlin, das Ausländeramt sowie einige Politiker gewandt.

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Botschaft schließt wegen Corona

„Adama war bereits zwei Mal selbst in Berlin, um bei der Botschaft einen Passantrag zu stellen, aber ohne Erfolg. Im März ist die Botschaft aufgrund der Corona-Krise dann geschlossen worden“, berichten sie. Im Juli 2020 sagte der deutsche Honorarkonsul der Republik Mali Helmut Schmidt seine Unterstützung zu. Schließlich erhalten die Helfer vom Ausländeramt eine Liste mit Anwälten in Mali, bei denen Adama seine Geburtsurkunde legalisieren lassen könne.

Der 22-Jährige reiste dann erneut nach Berlin, um bei der Botschaft einen „Carte Consulaire“ zu bekommen. Diese kommt im August auch in Trabitz an. „Aber die war unbrauchbar, denn sie war falsch ausgefüllt. Sie hatte eine Gültigkeit bis 10. August 2020 und war damit bereits abgelaufen. Und das, obwohl als Ausstellungsdatum der 11. August 2020 angegeben war“, ärgern sich die Helfer.

Militärputsch in Mali

Da Adama selbst aufgrund seines Aufenthaltsstatus nicht nach Mali reisen kann, bat er seine Schwester in die Hauptstadt Bamako zu fahren und bei einer Anwältin vorzusprechen. Die junge Frau reiste 400 Kilometer durch das afrikanische Land und zahlte bei der Anwältin umgerechnet 150 Euro. Doch erneut geschah etwas Unvorhersehbares: ein Militärputsch in Mali. Plötzlich bangte Adama um die Sicherheit seine Schwester. Doch ihr gehe es gut. Sie sei inzwischen wieder nach Hause zurückgekehrt.

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Die Anwältin schickte die Anzahlung zurück. Aufgrund des Umsturzes könnten nun längere Zeit keine Legalisierungen von Geburtsurkunden durchgeführt werden. Es sei davon auszugehen, dass nun die gesamte Beamtenschaft in Mali ausgetauscht werde. Wenige Tage später zerschlagen sich schließlich wohl alle Chancen für Adama Papiere aus seinem Heimatland zu bekommen. In einem Schreiben wird ihm mitgeteilt, dass er für eine Ausstellung von Dokumenten persönlich nach Bamako kommen müsse.

Das ist für den 22-Jährigen aber keine Option. Er würde dadurch alles verlieren, was er sich hier in Deutschland erarbeitet hat. „Ich arbeite gerne mit den alten Leuten in Pressath. Bei uns in Mali gibt es solche Heime nicht. Da pflegen wir die älteren Menschen zuhause“, sagt er. Geflüchtet sei er damals wegen eines Zwischenfalls mit einem Offizier. Bei seinem damaligen Job als Autowäscher in seinem Heimatort, habe er eine Dummheit begangen und einen Unfall mit dem neuen Auto eines hohen Offiziers der Armee gebaut. Da weder er noch sein Chef den Schaden bezahlen konnten, sei er anschließend von Soldaten mit dem Tod bedroht worden.

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Angst vor Rückkehr

Er sah keinen anderen Ausweg als die Flucht – zunächst nach Nordafrika. Dort wurde er allerdings ausgebeutet und musste teilweise ohne Lohn arbeiten. „Ich weiß nicht genau, ob ich damals auch weiterverkauft worden bin“, erzählt er. Schließlich flüchtet er zusammen mit vielen anderen über das Mittelmeer nach Europa. Vor einer Rückkehr nach Mali hat er Angst, da das Militär nun noch mehr Macht habe als zuvor. Von zu Hause wisse er, dass Soldaten noch immer nach ihm fragen.

Die ehrenamtlichen Helfer sind verzweifelt: „Er darf nicht arbeiten, will aber gerne, hat eine Ausbildung gemacht und macht seine Arbeit gut. Einem wie Adama werden Steine in den Weg gelegt. Das ist für uns nicht nachvollziehbar.“ Wenn er seine Stelle am 1. September nicht antreten darf, verliere er ein Jahr. „Das ist doch unsinnig. Er hat doch die Ausbildung gemacht, um zu arbeiten“, argumentieren sie. Sie werden aber weiter alles versuchen, damit Adama bleiben darf.

Info:

So entscheiden die Behörden über Abschiebungen

Für die Durchführung von Abschiebungen sind in Deutschland – ebenso wie für die Erteilung von Aufenthaltstiteln – Behörden der Bundesländer zuständig. Der Vollzug obliegt in den meisten Bundesländern den örtlichen Ausländerbehörden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist für das Asylverfahren zuständig.

Abschiebungen nach Mali sind nach derzeitigem Stand (25.08.2020) möglich. Die Beurteilung der humanitären Situation in den einzelnen Herkunftsländern obliegt in jedem Einzelfall ausschließlich dem BAMF.

Die Einzelfallprüfung erfolgt auf Grundlage einer detaillierten Analyse der Verfolgungssituation in den jeweiligen Herkunftsländern, teilt das Bundesamt für Migration mit. Hierfür stehen fundierte Herkunftsländer-Leitsätze zur Verfügung, die immer aktualisiert werden. Die Leitsätze sind als Verschlusssache eingestuft.

Dazu gehören mindestens die Informationen des Auswärtigen Amtes, des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR und des Europäischen Asylunterstützungsbüros EASO. Außerdem werden die Medien bzw. das Internet ausgewertet und die Erkenntnisse von Partnerbehörden vor allem im europäischen Ausland berücksichtigt. Bei der Bewertung wird auch die Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte und der europäischen Gerichtshöfe einbezogen. Diese Informationen zu den Herkunftsländern hält das Bundesamt für die Entscheider in einer Datenbank vor und erstellt auch eigene Ausarbeitungen.

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