31.05.2021 - 18:22 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Dieses Feuerwehrauto ist ein Trafohäuschen

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Die Ursensollener Feuerwehr hat ein weiteres Fahrzeug bekommen. Ausrücken kann sie damit nicht. Soll sie auch nicht. Denn dieses "Löschfahrzeug" ist ein Kunstwerk. Und ein absoluter Hingucker.

Aufschriften, Fahrerkabine mit Lenkrad und Funktionsweste überm Sitz, Martinshorn und sogar das echte Kennzeichen – es ist alles da, was das echte HLF der Feuerwehr Ursensollen auch hat. Nur dieses Exemplar ist ein Fassaden-Kunstwerk auf einem Trafohäuschen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Drinnen in der Fahrzeughalle steht das echte HLF 20 der Feuerwehr Ursensollen. Die drei Buchstaben sind eine Abkürzung für „Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug“. Draußen, vor dem Feuerwehrhaus, steht eine ziemlich exakte Kopie des HLF. Nur die trägt einen Warnhinweis in einem gelben Dreieck: „Hochspannung, Lebensgefahr“ steht da – denn dieses „Feuerwehrauto“ ist eine Trafostation. Künstler der Firma „art-efx“ aus Babelsberg nahe Potsdam, spezialisiert auf künstlerische Fassadengestaltung und Auftrags-Graffiti, haben aus dem Strom-Häuschen ein Feuerwehrauto gemacht.

Ursprünglich gab es eine andere, kleinere Umspannstation beim Feuerwehrhaus am Rängberg. Als die noch in Betrieb war, war sie oft Grund für Scherze: „Da hieß es immer: Das ist wohl euer Schlauchturm?“, erinnert sich Kreisbrandmeister Alexander Graf von der Feuerwehr Ursensollen. Heute lacht er darüber. Damals war das nicht wirklich lustig, sondern anstrengend. Denn tatsächlich musste die Ursensollener Wehr mangels Turm ihre Schläuche zum Trocknen schräg in ihrer Fahrzeughalle aufspannen. Und dort geht es auch ohne Schläuche schon recht eng zu.

Trafohaus wird Schlauchturm

Eine Lösung kam, als die alte Trafostation durch den Neubau der nahe gelegenen Grammer-Zentrale im Ursensollener Gewerbegebiet nicht mehr ausreichte und durch eine größere ersetzt wurde: Die Gemeinde stockte das kleine, ausgemusterte Bauwerk um zwei Meter auf und machte daraus einen echten Schlauchturm für die Feuerwehr, erzählt Graf.

Auch den schon lang gewünschten Florian bekam die Truppe – ein Bild des Schutzpatrons der Feuerwehren ziert den Schlauchturm. Doch der hat auch noch eine ganz andere Seite. Die Künstler aus Babelsberg haben hier eine offene Tür „aufgemalt“, die den Blick ins Innere freigibt: Wie es tatsächlich hinter der Mauer der Fall ist, baumeln die gelben Ursensollener Feuerwehrschläuche von der Decke. Und daneben steht ein Jugendfeuerwehrler mit Helm, der typischen blauen Uniform mit den orangefarbenen Schultereinsätzen und einem aufgerollten Schlauch in den Armen – alles gemalt: Fassadenkunst. Öffnet man die echte Tür zum Schlauchturm, sieht man genau das, was vorne aufgemalt ist.

Überraschung gelungen

Dass Gemeinde und Bayernwerk noch mehr ausgeheckt hatten, war laut Graf eine Überraschung. Tatsächlich wussten nur wenige, dass sich zur Schlauchturm-Kunst nun auch noch ein „Feuerwehrauto“ gesellen sollte. Die Überraschung ist gelungen: Auf dem neuen Trafohäuschen neben dem Schlauchturm haben die Babelsberger als Graffiti-Kunstwerk eine ziemlich originalgetreue Kopie des echten Ursensollener HLF 20 geschaffen.

Gemeindewappen, Notruf-Nummer 112, Martinshorn, Fahrerkabine mit Lenkrad und Funktionsweste überm Sitz, ja sogar den Werbeaufdruck des Fahrzeugherstellers und das echte Kennzeichen „AS-FU 401“ gibt es. „Nur der Hinweis ,Achtung Hochspannung‘ zeigt, was es wirklich ist“, freut sich Alexander Graf über diesen Blickfang. Graf kommt als Wasserwart der Gemeinde mehrfach am Tag hier vorbei – und ist jedes Mal begeistert. Was die Gemeinde hier investiert hat, hat sie nicht bekanntgegeben.

Ein Exportschlager

Markus Ronge von „art-efx“ nennt Feuerwehrautos „unseren Exportschlager“. Er hat das Kunstwerk in Ursensollen geschaffen. Die Redaktion erreicht ihn am Telefon, auf einer Kanzel an einem Hochhaus in Berlin. Er arbeitet hier gerade an zwei Zehnstöckern, verrät er. Aber zurück zum Feuerwehrauto: Etwa 40 davon gibt es inzwischen in Deutschland. Jedes ein Unikat, weil es auf die jeweilige Trafostation angepasst werden muss: Die Dimensionen müssen stimmen, vorhandene Elemente wie Lüftungsgitter oder Warnhinweise geschickt eingebaut werden. Für Schriftzüge bereiten Ronge und seine Kollegen Schablonen vor, alles andere „ist spontane Kreativität“, die vor Ort auf die grau grundierte Fläche gesprüht wird. Die Fassaden-Künstler arbeiten mit Spraydosen: „Graffiti ist die Kunstform – die Dose ist nur das Werkzeug“, sagt Ronge. „Die Leute sind dann immer erstaunt, was man mit so einer Dose machen kann, wenn man die Expertise hat.“ Dafür bildet die Firma inzwischen sogar aus – die Fassadenkünstler lernen Mediengestalter.

Nicht das Motiv sei die Herausforderung, sagt Ronge, sondern das Objekt mit oft außergewöhnlichen Formen und Maßen, auf dem es entstehen soll. In Ursensollen gibt es übrigens noch zwei weitere solcher Trafo-Kunstwerke. Und demnächst sollen noch welche in zwei weiteren Gemeinden dazu kommen: Darüber will Ronge dann plaudern, wenn es so weit ist.

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