21.12.2021 - 18:35 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Gab es den Stern von Bethlehem wirklich?

Franz Mädler ist Hobbyastronom und dadurch mit den verschiedenen Theorien zum Stern von Bethlehem vertraut. Aber Wissenschaft ist für ihn nicht alles. Auch die Botschaft, die hinter dem Stern steht, zählt.

Über jeder Krippe, hier eine historische aus Südböhmen, prangt ein Stern mit Schweif, der Stern von Bethlehem. Ihm sollen die Weisen aus dem Morgenland gefolgt sein.
von Christa VoglProfil

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind. Und alle Jahre wieder zu Weihnachten wird auch in vielen Familien die Krippe aufgebaut: Betend und staunend stehen Maria und Josef beim Jesuskind im Stall, Ochs und Esel bekommen ihren Platz zugewiesen, draußen werden Hirten um das Lagerfeuer positioniert und ein Engel, der die Geburt des Messias verkündet, steht ganz in ihrer Nähe. Wenn dann alle Akteure ihren Platz gefunden haben, fehlt eigentlich nur noch eine Kleinigkeit: ein heller Stern mit langem Schweif, der den drei Weisen aus dem Morgenland den Weg zeigt zur Krippe, zum Jesuskind. Der Stern von Bethlehem.

Auch Franz Mädler aus Ursensollen hat bei sich zu Hause eine solche Krippe aufgestellt. Mit Maria und Josef, mit Ochs und Esel, mit Hirten und Engel. Und auch bei ihm leuchtet über der Krippe ein Schweifstern, ein Komet. Gelb und handgeschnitzt. Und das, obwohl Mädler als Hobbyastronom weiß, dass die Wahrscheinlichkeit eines Kometen am Sternenhimmel zur Zeit von Christi Geburt äußerst gering war.

Kometen als Unglücksboten

"Zum Stern von Bethlehem gibt es ganz verschiedene Theorien", sagt der frühere Bürgermeister von Ursensollen, der im Planetarium Ursensollen regelmäßig "Dienst macht". Ihm persönlich gefalle der Schweifstern auch am besten, so der 68-Jährige, doch leider spreche einiges dagegen. Kometen, so der Hobbyastronom, galten nämlich zur damaligen Zeit als Boten von Unglücken und Katastrophen. Sie wurden mit Seuchen, Kriegen und Hungersnöten in Verbindung gebracht. "Ein Komet war einfach negativ belastet."

Und noch etwas spreche gegen einen Kometen: "Einen Kometen kann jeder am Himmel sehen. Und zwar mit bloßem Auge." Im Matthäus-Evangelium fragen aber die Weisen König Herodes: "Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten." Ein klares Zeichen dafür, dass dieser Stern nicht für alle gut sichtbar am Himmel stand.

Supernova "wandert" nicht

"Die zweite Theorie zur Erklärung des Sterns von Bethlehem ist eine Supernova, ein explodierter Stern", sagt Mädler. Aber, so schränkt er gleich ein, auch eine Supernova wäre für alle Erdbewohner sichtbar gewesen, also nicht nur für die Weisen. Außerdem stehe ein explodierter Stern "fest am Himmel", er wandert also nicht, könne somit auch nicht vor den Weisen hergezogen sein und sie zur Krippe geführt haben.

Also kein Komet und auch keine Supernova. Aber was dann? Franz Mädler holt noch eine dritte Theorie heraus: "Johannes Kepler hat zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Planetenbahnen berechnet. Und dabei entdeckte er, dass sich Saturn und Jupiter alle 20 Jahre, während sie zusammen mit der Erde die Sonne umkreisen, scheinbar sehr nahe kommen", erklärt er, eine sogenannte "Konjunktion". Gemeint sei damit eine enge Begegnung zweier Planeten, die - von der Erde aus gesehen - zusammen fast wie ein einziger sehr heller Stern am Himmel strahlen.

Konjunktion von Saturn und Jupiter

Und noch etwas spreche für diese Theorie. "Zur damaligen Zeit gab es noch keinen Unterschied zwischen Astrologie und Astronomie und es war üblich, aus den Sternen den Willen der Götter herauszulesen." Zum Beispiel galt Jupiter als Symbol für den Herrscher und Saturn auch als Symbol für Israel. Dazu kam, dass Saturn im Sternbild Fische stand, was auch die Region Palästina symbolisierte. Magier hätten aus dieser Konjunktion, zu der es im Jahr 7 vor Christus innerhalb eines Jahres insgesamt sogar dreimal kam, durchaus etwas Besonderes "herauslesen" können: nämlich, dass der König der Juden in Palästina geboren wird.

Franz Mädler bringt noch eine vierte Möglichkeit ins Spiel: Denn Matthäus, so der Pensionär, könnte die Sache mit dem Stern natürlich auch "rein symbolhaft" gemeint haben, also ohne realen Hintergrund. Zumal er der einzige unter den vier Evangelisten sei, der in seinen Aufzeichnungen überhaupt von einem Stern schreibe. Der frühere Bürgermeister hat auch gleich die passende Bibelstelle parat: "Im Alten Testament im vierten Buch Mose steht zum Beispiel: Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen über die Ankunft des Messias als Retter Israels." Diese Theorie sei sogar die wahrscheinlichste, erklärt er, nicht ohne Bedauern in der Stimme.

Oder nur ein Symbol?

Also kein Komet, keine Supernova, keine Planetenkonjunktion. Wahrscheinlich nur Symbolik mit Bezug zu einer Bibelstelle im Alten Testament. Warum dann Franz Mädler trotzdem Jahr für Jahr unverdrossen seinen Schweifstern aus Holz über der Krippe aufhängt? "Man kann die Sache rein wissenschaftlich betrachten. Aber man kann sie natürlich auch vom Glauben her sehen", sagt Mädler. "Und dann spielt es nämlich überhaupt keine Rolle, was damals genau am Himmel stand", sagt der Hobbyastronom. "Entscheidend ist doch die Botschaft, die dahinter steht." Und die laute eben: Jesus, der Erlöser ist geboren. Er hat den Frieden gepredigt, das Miteinander, die Menschlichkeit. Und das sei doch das Wichtigste an Weihnachten.

Im Planetarium Ursensollen das All entdecken

Ursensollen
Im Planetarium Ursensollen wird normalerweise während der Weihnachtszeit der Film "Der Stern von Bethlehem" an der Planetariumskuppel gezeigt. Derzeit gibt es aber wegen Corona keine Vorführungen.
Info:

Auszug aus dem Matthäus-Evangelium

"Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten. [...] Und siehe, der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen."


    "Man kann die Sache rein wissenschaftlich betrachten. Aber man kann sie natürlich auch vom Glauben her sehen. Und dann spielt es überhaupt keine Rolle, was damals genau am Himmel stand."

 

 

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