30.08.2021 - 12:22 Uhr
VilseckOberpfalz

Deutsch-deutsche Geschichte aus Familienperspektive geschildert

Die Umwälzungen seit Ende des Zweiten Weltkrieges aus der Sicht von Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt von Sebstian Brahns neuem Tatsachenroman "Ihr Taufkleid war aus Fallschirmseide". Am 2. September ist er damit in Vilseck zu Gast.

August 1961, Berlin: Arbeiter erhöhen die Sektorensperre an der Bernauer Straße. Sebastian Brahns erzählt in seinem Buch Geschichten aus 30 Jahren deutsch-deutscher Geschichte.
von Anke SchäferProfil

ONETZ: Herr Brahn, Ihr neuer Tatsachenroman ist im Frühjahr 2021 erschienen. War das Buch ein Lockdown-Projekt oder haben Sie sich schon länger mit dem Stoff auseinandergesetzt?



Sebastian Brahn: Ich habe schon vor längerer Zeit begonnen, an dem Buch zu schreiben. Auch die Recherchen waren weitgehend abgeschlossen. Doch erst der drastische Lockdown der Coronazeit hat mich in die Lage versetzt, an dem Projekt dranzubleiben und es zu beenden.



ONETZ: Eingeflossen sind zahlreiche Lebensberichte und Anekdoten – was sagen die Zeitzeugen zur literarischen Verarbeitung ihrer Erlebnisse?



Ich habe mehrere Rückmeldungen erhalten, die recht positiv waren. Ein 80-jähriger Zeitzeuge schrieb mir auf einer Karte, dass er sich darüber freue und er meinen Schreibstil "gefällig findet, der sich leicht und kurzweilig lesen lässt".



ONETZ: Sie haben damit auch bereits den zweiten „Tatsachenroman“ vorgelegt. Was macht dieses Genre für Sie attraktiv?



Mich interessieren Zeiten der gewaltigen Umbrüche und was daraus hervorgegangen ist. Umbrüche, wie wir sie in der letzten Kriegs- und Nachkriegsphase sehen konnten, aber auch beim Mauerfall. Ich schildere überwiegend Erlebnisse und Schicksalsschläge von ganz "normalen" Leuten, die jedoch beispielhaft sind für viele, denen es so oder ähnlich in solchen Zeiten ergangen ist. Auch die politischen Vorgänge habe ich bei diesem Buch im Fokus behalten und mit eingearbeitet.



ONETZ: Ergeben sich dabei auch spezielle Anforderungen, die Sie bei einem rein fiktiven Projekt nicht hätten?



Die Anforderungen bestehen darin, dass man sich an das Geschilderte halten muss. Der Fantasie sind dabei enge Grenzen gesetzt mit angelegten Zügeln. Es ist wichtig, sich auf die Zeit einzulassen, die man beschreibt, um sich in die jeweilige Situation hinein versetzen zu können. Dazu ist es notwendig, viel zu recherchieren, Material zu sammeln und sich ein Bild zu machen. Nur so kann das Geschehen mit echten Personen belebt werden, sonst bleibt es eine bloße Beschreibung der Umstände. Aus den Berichten der Zeitzeugen filtere ich das heraus, was sich verarbeiten lässt. Nicht alle Details sind verwertbar oder für den Leser interessant. Dafür muss man ein Gefühl entwickeln.



ONETZ: Zur Veröffentlichung haben Sie statt eines Verlages das Kindle Direct Publishing gewählt. Welche Vorzüge sehen Sie im Selbstverlag-System von Amazon?



Ich war gerade dabei, mein vorheriges Buch "Wir seh’n uns wieder am Drewenz Strand" bei Lesungen vorzustellen, als der Verlag Insolvenz anmeldete. Eine rasche Lösung musste gefunden werden. Also zog ich, trotz anfänglicher Skepsis, das Kindle Direct Publishing in Erwägung, das damals völlig neu für mich war. Nachdem ich die Rechte am Buch vom Verlag zurückbekommen habe, versuchte ich es mit dieser Methode und wurde angenehm überrascht. Ich kann das Buch gestalten, wie ich möchte, behalte entscheidende Rechte daran und habe einen Überblick über den Verkauf.



ONETZ: Wird die Lesung auf Burg Dagestein in Vilseck die erste öffentliche Präsentation des Buches sein?



Ja. Bedingt durch die Corona-Auflagen, die vieles unmöglich machten, stelle ich mein Buch jetzt erst vor und freue mich, in Vilseck diese Möglichkeit bekommen zu haben.



ONETZ: Welche Empfindungen werden Sie bei diesem Auftritt in der alten Heimat begleiten?



Zwar lebe ich schon dreißig Jahre in Nürnberg, habe aber in Vilseck noch etliche Kontakte. Diese sind nie abgebrochen. Wenn ich zu Besuch komme und in den Ort einfahre, fühle ich mich da noch immer irgendwie ‚daheim‘.

Berliner Mauerteile in Weiden verschwinden

Weiden in der Oberpfalz
Autor Sebastian Brahn
Hintergrund:

Zu Person und Buchvorstellung

  • Sebastian Brahn wurde 1962 in Vilseck geboren
  • als Autor hat er bereits mehrere Bücher verfasst, darunter den Roman "Dunkel über dem Hausner Hof" und den Tatsachenroman "Wir seh´n uns wieder am Drewenz Strand"
  • die Buchpräsentation findet am Donnerstag, 2. September um 18 Uhr im Kulturkasten der Burg Dagestein statt, Anmeldung bei der Tourist-Info Vilseck, Tel. 09662/9916, es gilt die 3G-Regelung, entsprechende Nachweise sind mitzubringen
  • der neue Tatsachenroman "Ihr Taufkleid war aus Fallschirmseide" ist im Frühjahr 2021 erschienen und bei der Lesung sowie bei der Tourist-Info Vilseck erhältlich

 

 

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