24.07.2020 - 13:44 Uhr
VilseckOberpfalz

Flugzeug kreist im Auftrag der US-Armee über Vilseck

Stundenlang kreist ein Flugzeug seit Tagen über dem südlichen Truppenübungsplatz Grafenwöhr sowie Vilseck und Sorghof und kehrt alle zwei Minuten zum Ausgangspunkt zurück. Die Flüge geschehen im Auftrag der US-Armee.

Die Pilatus PC-12 auf dem Nürnberger Flughafen, von wo aus sie in den vergangenen Tagen zu den Rundflügen über den Truppenübungsplatz Grafenwöhr gestartet ist. Auffällig ist die besondere Leonardo-da-Vinci-Lackierung.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Das sonore Brummen treibt manche Anwohner nach Tagen schon ein wenig in die Verzweiflung. Stunde um Stunde kreist seit Tagen ein einmotoriges Propellerflugzeug über dem südlichen Truppenübungsplatz Grafenwöhr, über weite Bereiche der Stadt Vilseck sowie Sorghof. Wie Recherchen von Oberpfalz-Medien ergeben haben, ist die Maschine mit deutscher Kennung im Auftrag der US-Armee unterwegs. Sie dient als Hilfsmittel für Zielübungen im Übungsplatz. Diese werden wohl in den kommenden Wochen noch fortgesetzt.

Zwischen vier und fünf Stunden ist die einmotorige Pilatus PC-12 seit 20. Juli über dem südlichen Truppenübungsplatz unterwegs. Das Luxusflugzeug in einer sehr auffälligen Leonardo-da-Vinci Lackierung gehört eigentlich zur Flotte der Rhein-Mosel-Flug GmbH, die auf dem Flugplatz in Winningen an der Mosel daheim ist. Das Unternehmen bietet die Pilatus PC-12 als leistungsfähiges Turboprop-Geschäftsreiseflugzeug an, zuletzt stand ein Abstecher nach Birmingham in England an. Seit einigen Tagen hat nun die US-Armee die Maschine samt Piloten gechartert. Im Auftrag der Amerikaner dient der Luxusflieger einige Wochen lang als fliegender Standort für die Zielerfassung aus der Luft.

Für die Amerikaner eine Routineübung, die sie immer wieder an unterschiedlichen Standorten vornehmen. Wegen des laufenden Schießbetriebs im Norden des Übungsplatzes Grafenwöhr musste dieses Mal aber auf den südlichen Bereich ausgewichen werden. Deshalb bekommen die Vilsecker derzeit reichlich Gelegenheit, die Pilatus PC-12 zu sehen und zu hören. Die Alternative wäre nach Information des Piloten allerdings wesentlich lauter: F16 Düsenflugzeuge oder Tornados. Erste Beschwerden gingen trotzdem ein, am Donnerstag wurden die Übungen daher in größerer Höhe vorgenommen, wie Pilot Frank Reinke sagte.

Beschwerden über Lärm gibt es rund um den Truppenübungsplatz immer wieder

Grafenwöhr

"Aber die Übung ist einfach nötig", macht Frank Reinke, ein ehemaliger Tornado-Pilot deutlich, der am Steuerknüppel der Pilatus sitzt und mit ihr über Vilseck kreist. Sie diene letztendlich der Sicherheit der amerikanischen Soldaten, die sich hier auf ihre Einsätze in Afghanistan und an anderen Brennpunkten in der Welt vorbereiten. Da wegen Corona aber auch in Grafenwöhr zahlreiche Aktionen ausgefallen sind, müssen bis zum Ende des amerikanischen Haushaltsjahres Ende September die Gelder noch verflogen werden. Möglicherweise nach Ende der Schießübungen im Norden des Platzes aber wieder weitgehend unbemerkt von den Anliegern des Truppenübungsplatzes. Die Anlieger, die teilweise selbst bei der Army arbeiten, nehmen es zum größten Teil als "Nebengeräusch" wahr, die eine solche Einrichtung eben nach sich zieht.

Die Pilatus PC-12:

Auch die fliegenden Ärzte lieben die Pilatus PC-12

"The wold's greatest single", heißt es ganz unbescheiden auf der Internetseite des Schweizer Flugzeugherstellers Pilatus über die PC-12. Und weiter: "In über sieben Millionen geflogenen Stunden hat sich der PC-12 als das vielseitigste und wegweisendste einmotorige Turboprop-Geschäftsflugzeug der Welt etabliert." Denn das ist das Besondere an der PC-12: Sie hat trotz ihrer Größe nur einen Motor. Der Pratt WhitneyPT6A-67B, der in der Maschine verbaut ist, die derzeit über Vilseck kreist, leistet beeindruckende 1200 PS und macht das Flugzeug bis zu 500 Stundenkilometer schnell. Die maximale Reichweite beträgt 4100 Kilometer. Auch wenn die sehr auffällig mit Motiven von Leonardo da Vinci lackierte Pilatus, die derzeit über unserer Region kreist, der pure Luxus ist, ist sie weltweit gerade dort beliebt, wo Menschen und Waren über weite Strecken transportiert werden müssen. Nicht zuletzt wegen ihrer exzellenten Start- und Landeeigenschaften – sie benötigt nur 700 Meter Start- und 560 Meter Landestrecke sowie der großen Ladeklappe, findet sie unter anderem in Australien bei den fliegenden Ärzten Verwendung. Aber auch in Afrika, auf den staubigen Landepisten in der Savanne, ist die Pilatus durchaus häufig anzutreffen.

Die Pilatus PC-12 auf dem Flugplatz von Courchevel in den französischen Alpen. Sie ist die größte Maschine, die auf der sehr kurzen Landebahn landen darf.
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