07.05.2021 - 18:32 Uhr
VilseckOberpfalz

US-Armee zündet Impf-Turbo: Spritzen für Hunderte deutsche Angestellte

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Die US-Armee hat in Vilseck begonnen, Tausende Soldaten und deutsche Angestellte gegen Corona zu impfen. Der Andrang ist enorm: Kein Wunder – im Übungsplatz kommen die Deutschen schnell und ohne Priorisierung an das begehrte Vakzin.

Ein US-Soldat impft eine deutsche Zivilangestellte im Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Inzwischen kommen pro Woche Tausende Dosen der Vakzine von Moderna und Johnson und Johnson in der Oberpfalz an.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Die Schlange vor dem Gebäude ist rund hundert Meter lang. Im Gesundheitszentrum der US-Armee in den Vilsecker Rose Barracks herrscht am Freitag Hochbetrieb: Aus den Vereinigten Staaten sind große Impfstoff-Lieferungen eingetroffen. Die Army hat reagiert und sofort mit dem Impfen ihres Personals begonnen – dazu zählen auch einige Hunderte deutsche Zivilangestellte.

Das Video zur Impfaktion in Vilseck

„Das ist eine Impfaktion für die deutschen Mitarbeiter der US-Armee“, informiert André Potzler, Pressesprecher des 7. US-Armee-Trainingskommandos in Grafenwöhr. Zeitgleich zu den deutschen Angestellten werden auch die amerikanischen Soldaten geimpft. Dabei würden alle gleichbehandelt, versichert Potzler. „Die US-Armee sieht sich als großes Team, wir machen keinen Unterschied zwischen Soldaten und den deutschen Angestellten.“

Moderna und Johnson

Dass die Amerikaner blitzschnell reagiert hätten, berichtet der Betriebsrat der deutschen Angestellten, Siegfried Bösl. „Am Montag ist die erste Lieferung eingetroffen“, und gleich am Dienstag haben wir einige hundert Leute geimpft.“ Verimpft werden die Vakzine von Moderna und Johnson und Johnson – und zwar nicht nur am Truppenübungsplatz in Vilseck. „Die US-Armee hat europaweit begonnen, ihre Leute zu impfen. Es laufen momentan zeitgleich Impfaktionen in Hohenfels, in Ansbach und auch an den Standorten in Italien und Belgien“, berichtet der 58-Jährige.

Laut Bösl handelt es sich bei allen Dosen um US-Bestände. „Das sind rein amerikanische Kontingente, den deutschen Impfzentren wird nichts weggenommen.“ Weil die US-Produktion inzwischen auf Hochtouren läuft, werde inzwischen auch im Turbo-Modus geimpft.

„Tausende Dosen pro Woche“

„Wir bekommen momentan Tausende Impfdosen, jede Woche werden es mehr“, sagt Pressesprecher Potzler. „Es ist genügend für alle da.“ Dies gelte aber nur für Soldaten und Angestellte der US-Armee. Für die deutsche Allgemeinbevölkerung besteht keine Möglichkeit, sich auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes impfen zu lassen.

Das Impfangebot ist laut Betriebsrat Bösl freiwillig, niemand werde gedrängt. Das aber scheint angesichts des großen Andrangs gar nicht nötig. Zwar haben die deutschen Mitarbeiter die Möglichkeit, sich in deutschen Impfzentren einen Spritze setzen zu lassen, doch das mache kaum jemand – aus einem einfachen Grund: „Die Leute können sich jederzeit auch außerhalb des Lagers impfen lassen, doch bei uns bekommen sie viel schneller eine Spritze. Das ist für die meisten einfach sehr attraktiv“, erklärt Betriebsrat Siegfried Bösl.

„Ein Piks – mehr nicht“

Dieses Argument hat auch Christian Henle überzeugt. Der Weidener arbeitet in der Umweltabteilung der US-Armee, am Freitag hat er sich in Vilseck impfen lassen. „Ich bin mittleren Alters und habe hier die Möglichkeit bekommen, mich ohne Termin und ohne Priorisierung impfen zu lassen. Dafür bin ich den Amerikanern sehr dankbar.“ Gegenüber Oberpfalz-Medien sagte der 45-Jährige direkt nach der Impfung in bester Laune: „Ich hab Johnson und Johnson erhalten, das ist halt ein Piks mit der Spritze – mehr nicht.“ Angst vor Nebenwirkungen habe er keine, im Gegenteil: „Ich schaue positiv in die Zukunft und hoffe, jetzt möglichst bald zu einem normalen Leben zurückkehren zu können.“

Genau wie Henle machen auch die anderen Impfwilligen einen zufriedenen Eindruck. Das liegt auch an der militärisch straffen Organisation. In einem Einbahnsystem werden die Angestellten durch die Impf-Räume geschleust. Laut Bösl seien so bis zu 250 Impfvorgänge pro Stunde möglich.

Lange Wartezeit

Dies in der Kürze der Zeit zu gewährleisten, sei aber nicht einfach gewesen, gibt die Kommandeurin des Gesundheitszentrums, Lieutenant Colonel (Oberstleutnant) Sarah Eccleston bekannt. „Die größte Herausforderung für mich und mein Team war, dass wir nicht wussten, wie viele Personen aus den Reihen der Zivilangestellten tatsächlich kommen.“ Wegen des großen Andrangs habe es anfangs längere Wartezeiten gegeben. „Wir haben das Zentrum um 13 Uhr geöffnet – und alle sind gleich auf einen Schlag zu Beginn gekommen, diesen Stau mussten wir erst abarbeiten“, sagt die Stabsoffizierin. Dennoch sei sie sehr beeindruckt von der hohen Impfbereitschaft der Menschen.

Zentrumsleiterin Eccleston führt dies auch auf die gute Aufklärungsarbeit zurück. Jeder Impfwillige bekomme vorab schriftlich Informationen über das Vakzin und mögliche Nebenwirkungen. „Wer Bedenken hat, kann direkt vor der Impfung mit einem Arzt sprechen.“ Auch ein deutscher Mediziner in den Diensten der US-Armee sei an der Impfaktion beteiligt. Das Vakzin von Johnson und Johnson sei zudem beliebt, weil hier nur eine Spritze für einen vollständigen Impfschutz ausreicht.

Entlastung für Gesundheitssystem

Mit dem Impfen werde es in den kommenden Tagen weitergehen, gibt Pressesprecher André Potzler bekannt. Zwar stehe das Angebot auch künftig nur US-Soldaten und deutschen Angestellten zur Verfügung, aber: „Jede amerikanische Impfdosis die wir an einen Deutschen vergeben, ist ein Geimpfter mehr.“ So werde das deutsche Gesundheitssystem zusätzlich entlastet.

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„Ich habe hier die Möglichkeit bekommen, mich ohne Termin und ohne Priorisierung impfen zu lassen. Dafür bin ich den Amerikanern sehr dankbar.“

Christian Henle aus Weiden, Zivilangestellter der US-Armee

Christian Henle aus Weiden, Zivilangestellter der US-Armee

„Die größte Herausforderung für mich und mein Team war, dass wir nicht wussten, wie viele Impfwillige von den Zivilangestellten tatsächlich kommen.“

Lieutenant Colonel Sarah Eccleston, Leiterin des US-Impfzentrums

Lieutenant Colonel Sarah Eccleston, Leiterin des US-Impfzentrums

 

 

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