13.01.2021 - 16:33 Uhr
VilseckOberpfalz

Vehemente Plädoyers für das Amtsgericht in Vilseck am Ende ohne Erfolg

Die jüngere Generation hat es nicht mehr vor Augen, das Amtsgerichtsgebäude am Vilsecker Marktplatz. Die Stadt hat darum gezittert und gekämpft, bis 1973 Tatsachen geschaffen wurden.

Fast romantisch wirkt der Vilsecker Marktplatz in dieser Ansicht aus den 1950er-Jahren mit dem Amtsgerichtsgebäude im Mittelpunkt. Burg Dagestein grüßt hinter dem Forstamtsgebäude und dem Gasthof Zum Hirschen.
von Rosi HasenstabProfil

Lange bevor Vilseck ein eigenes Gerichtsgebäude hatte, befand sich in der Marktplatzmitte das Rathaus. 1838 bewilligte König Ludwig I. die Bildung eines Landgerichts in Vilseck. Die Bürger erboten sich, das Rathaus als Amtsgebäude zur Nutzung herzugeben und einzurichten. Das Innere wurde gänzlich umgebaut, nur ein Magistratszimmer blieb für die Stadtverwaltung übrig.

Am 23. August 1864 entstand nachts um 22.30 Uhr im Fischer-Pröls-Anwesen eine Feuersbrunst, die so schnell um sich griff, dass bald 23 Gebäude in Flammen standen. Vom Forstamtsgebäude aus flogen die Funken gegen das hölzerne Rathaustürmchen. Da der obere Boden des Gebäudes nicht gebrettert war und man nicht nahe genug an den Brandherd heran konnte, verbreitete sich das Feuer über den ganzen Dachstuhl und von da über das ganze griße und schöne Gebäude, welches zwei Tage lang in vollen Flammen stand und gänzlich ausbrannte, schrieb der Chronist Dr. Josef Gräßmann. Leider war dieses Gebäude nur mit 4000 Gulden versichert und die Kommune zu jener Zeit gänzlich mittellos. So bot sie die Ruine dem Staat als Geschenk zum Wiederaufbau an.

Der Magistrat selbst richtete sich im Schlögel-Anwesen, Kirchgasse 136, zwischen dem heutigen Andraschko-Haus und dem jetzigen alten Schulhaus, ein und blieb dort, bis eine erneute Feuersbrunst 1886 auch dieses Gebäude vernichtete, also 22 Jahre lang. Danach kaufte die Stadt auf dem Marktplatz die Gastwirtschaft Zum wilden Mann für 11.750 Mark und richtete dort das Rathaus ein.

Der Staat ließ also auf dem Marktplatz ein neues Landgerichtsgebäude bauen, dahinter einen Ziergarten mit Holzplatz und Brunnen. Eugen Joachim Hierold schrieb dazu in seiner Roten Chronik: Das Gebäude ist ein Riesenkubus. Der Planzeichner habe jeden Kunstgeschmack vermissen lassen und nur den Zweck des Baues im Auge gehabt. Er glaubte wohl, dem Äußeren schon die Freudlosigkeit und Gefühllosigkeit der in ihm arbeitenden Staatsmaschinerie aufprägen zu müssen. Es bleibt ein Fremdkörper im Stadtbild, so lange es steht.

Nach einem Gesetzeserlass und einer Organisationsverordnung wandelte man das Landgericht 1879 in ein Amtsgericht um. Am 1. März 1945 wurde es eine Zweigstelle des Amtsgerichts Weiden und beherbergte auch das Notariat. Jedoch waren schob ab 1922 immer wieder Überlegungen in Gange, die auf das Ende des Gerichtssitzes in Vilseck hinzielten.

Über 600 Jahre war innerhalb der Mauern der alten Stadt Recht gesprochen worden. Deshalb nahmen es die Vilsecker nicht tatenlos hin, dass ihr Amtsgericht aufgelöst werden sollte. Bürgermeister und Räte kämpften über Jahrzehnte erbittert beim Landtag und Justizministerium um den Erhalt dieser Behörde. Eingaben, Bittgesuche, Resolutionen und Protestversammlungen nahmen kein Ende. Es war ein ständiges Hin und Her, ein immer wiederkehrendes Ja und Nein. Doch alle Empörung half letztlich nichts. 1969 verlor die Stadt Vilseck, wie viele andere kleine Städte, ihr Amtsgericht. Dem Zeitgeist der Zentralisierung musste auch Vilseck dieses Opfer bringen.

Wenn das Gebäude auch keine große Zierde für das Stadtbild war, so wurde es doch im September 1973 schweren Herzens abgerissen. Damit war auch eine Engstelle für den Verkehr beseitigt. Ältere Mitbürger sind aber immer noch der Meinung, dass das Amtsgericht dem Marktplatz einen geschlossenen Rahmen gegeben habe und dass der Denkmalschutz heutzutage sein Veto gegen den Abriss einlegen würde.

Ein Mann, dem Vilseck viel zu verdanken hat

Vilseck
Eine Engstelle für Autos und Fußgänger gab es neben dem Amtsgerichtsgebäude, so lange es am Marktplatz stand.
In der guten alten Zeit - hier um das Jahr 1850 - wurde im Rathaus mitten auf dem Marktplatz auch für Recht und Ordnung gesorgt.
Wo auf dem Marktplatz heute der Brunnen sprudelt, stand einst das Vilsecker Amtsgericht.

 

 

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