28.01.2021 - 08:47 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Langlaufen im Lockdown: Das Rennen um die Ausrüstung

Im Corona-Sommer waren es die Radfahrer – im Winter sind es die Langläufer: Freiluftsport boomt. Doch im Lockdown ist es in Weiden und im Landkreis Neustadt schwierig, das passende Paar Ski zu bekommen.

Auch Kinder und Jugendliche entdecken mehr und mehr den Langlauf für sich. In Letzau ist die Loipe derzeit täglich gut frequentiert.
von Christine Walbert Kontakt Profil

Die Langlaufloipen sind gespurt, es fällt immer wieder Schnee. Nachdem die Skilifte im Lockdown trotz bester Bedingungen bislang nicht öffnen dürfen, wächst das Interesse am Langlauf enorm. Quer durch alle Altersgruppen wagen sich Hobbysportler auf die schmalen Bretter. Wer jedoch Ski braucht, hat ein Problem, denn es handelt sich mittlerweile um absolute Mangelware.

Dies bestätigt auf Anfrage von Oberpfalz-Medien der Langlauf-Übungsleiter des TV Vohenstrauß und mehrmalige deutsche Meister im Rollskilauf Georg Breu: "Langlauf ist ein absoluter Trend momentan. Bei mir rufen jeden Tag 10 bis 20 Menschen an, die mich fragen, wie sie an Ski kommen könnten." Der ehemalige Leistungssportler grast den Markt mit wachsendem Radius ab: "Es gibt einfach nichts mehr. Außer im Internet, und da gibt es keinerlei Rabatte, wie es um diese Jahreszeit eigentlich üblich wäre. Man muss den vollen Preis zahlen." Nicht nachvollziehbar sei für ihn die Tatsache, dass sich die Sportgeschäfte in Weiden nicht an dem Einkaufsmodell "Click & Collect" - online aussuchen und vor Ort abholen - beteiligen: "Also ich finde das einfach nur traurig. Das ist nicht gut für die Bevölkerung, die raus will und sich an der frischen Luft bewegen will."

Keine Skibasare

Skibasare wie zum Beispiel die Winterbörse des Fördervereins Bergwacht Weiden e.V. im E-Center Grünbauer, bei der in Zusammenarbeit mit Sport Sperk private Verkäufer ihre Wintersportartikel anbieten, fielen heuer der Pandemie zum Opfer. Diese Möglichkeit für Freizeitsportler, sich mit gut erhaltener Ausrüstung einzudecken, entfällt komplett.

Juliane Lang steht mit dem Verkaufsroboter Thorsten, auf dessen Bildschirm ihr Bruder Fabian Lang zugeschalten ist, vor dem fast leeren Langlaufski-Regal. Nur einige Modelle für Kinder sind noch zu haben. Anders sieht es beim Alpin-Ski aus. Die Lifte haben geschlossen, und so bleiben die Geschäfte auf ihrer Ware für den Alpinsport vermutlich sitzen.

Versuche, bei Sport Sperk und Intersport Fehr in Weiden eine Stellungnahme zu erhalten, schlagen fehl. Bei Sport Lang in Vohenstrauß hingegen hebt der Chef persönlich ab. Georg Lang, seine Familie und einige Mitarbeiter müssen täglich mehrere Kunden, die auf der Suche nach Langlaufskiern bei ihnen anrufen oder online Kontakt aufnehmen, enttäuschen: "Wir haben nichts mehr." Zubehör wie Skistöcke, Schuhe oder Kleidung könne er noch anbieten, aber Langlaufski seien derzeit auch bei den Händlern Mangelware. "Man kann nichts nachbestellen", so der Unternehmer.

Auf der Silberhütte herrscht großer Andrang

Silberhütte bei Bärnau

Click und Collect als Option

Nach dem schneearmen Winter im vergangenen Jahr und der mäßigen Nachfrage hätten die Hersteller laut Lang dementsprechend reagiert und weniger produziert. Die Vohenstraußer Unternehmerfamilie hat ihre Läden digital aufgerüstet. Onlineberatung, Homepage, Facebook und nicht zuletzt der Verkaufsroboter "Thorsten", der die Kunden per Videoübertragung am Laptop oder am Smartphone quasi durch den Laden führt, würden jetzt im Lockdown helfen, den Kontakt zu den Käufern nicht komplett zu verlieren. Seit 11. Januar beteiligt sich das Geschäft an der in Bayern erlaubten Verkaufsform "Click & Collect". Und so ergatterten sich in den vergangenen Tagen noch einige Kunden den Restbestand an Langlaufski. Juliane Lang verschweigt aber nicht die Kehrseite der Medaille: "Rein gar nichts" gehe nämlich in der Alpinsparte. Skischuhe, Helme, Ski – die Ware steht unberührt in den Regalen.

"Click & Collect" in der Region

Weiden in der Oberpfalz

Der aktuelle Langlauf-Boom hat für den Vohenstraußer Übungsleiter Breu mehrere Ursachen: "Die gute Schneelage in diesem Winter, sämtliche Loipen sind gespurt, und die Alpinisten suchen sich im Lockdown eine Alternative." Der Vohenstraußer glaubt, dass viele Abfahrer nach diesem Winter beim nordischen Skisport bleiben werden: "Ich habe schon viele positive Rückmeldungen erhalten. Und man muss sich ja nur umschauen. Die Weidener fahren nach Letzau. Aber auch Silberhütte, Bocklweg, Hirschau - alle Loipen werden super genutzt." Breu gibt sein Bestes, kann aber nicht allen Anfragen gerecht werden. "Erst kürzlich habe ich wieder sieben Paar gebrauchte Langlaufski aus dem Bayerischen Wald geholt." Durch die fehlenden Touristen könne man in diesen Regionen eventuell noch an Ski kommen.

Private Ausleihe

Michael Ertl, Vorsitzender der Ski-Langlaufgemeinschaft Letzau-Weiden, vermutet beim Blick auf die zahlreichen Aktiven, die in der Loipe Letzau-Oberhöll ihre Runden drehen, dass sehr viel Material privat ausgehliehen wird: "Da sind bestimmt 25 Prozent der Leute mit 30 Jahre alten Ski unterwegs, die vielleicht der Nachbar aus dem Keller gekramt hat."

Ertl freut sich darüber, dass der Individualsport im Schnee vor allem den Kindern enorme Abwechslung und Entspannung bringt: "Die Mütter erzählen, dass es den Kindern so gut tut. Sie sind ausgeglichener, abends müde und schlafen gut. Manche kommen zwei oder drei Mal in der Woche. Sogar wenn es schon fast dunkel wird, kommt ein Vater mit seinem Buben. Die laufen dann mit Stirnlampen." Der begeisterte Wintersportler ist überzeugt: "Es gibt momentan nichts Schöneres, weil man im Schnee einfach alles andere vergisst."

Ob Skating oder klassisch: Langlauf findet in diesem Prachtwinter mehr und mehr Anhänger.
Sie haben eine Ausrüstung, auch wenn sie nicht mehr nagelneu ist: Josef Kick aus Waldthurn (links) und Josef Völkl aus Pleystein freuen sich über die gespurte Loipe am Bocklradweg zwischen Altenstadt und Pleystein - der eine skatet, der andere bevorzugt die klassische Variante.
Hintergrund:

Die richtige Langlaufausrüstung

Das ist zu beachten

  • Zunächst gilt zu entscheiden: klassischer Langlaufstil (einfacher zu erlernen) oder Skating-Stil (eistungsorientierte Variante): Die Ausrüstung unterscheidet sich erheblich.
  • Wichtig bei der Kleidung: gute Skiunterwäsche, atmungsaktive Pullover und Jacke. Auch wichtig: eng anliegende Handschuhe mit einem festen Griff.
  • Es gibt vier Skitypen: Schuppen Ski/Nowax Ski für Kinder und Anfänger, Allround Ski für Anfänger und Freizeitläufer (eignet sich für Klassisch- & Skatingtechnik), Wachs-Ski für sportliche Läufer im klassischen Stil und Wettkämpfe, sowie Skating Ski für sportliche Langläufer.
  • Die richtige Länge der Langlaufski für den klassischen Stil: Körpergröße + 20 cm. Skilänge Skatingstil: Körpergröße + 10 cm. Bei schweren Läufern 5 cm mehr, bei leichten Läufern 5 cm weniger.
  • Für den klassischen Stil wählt man meist die Stocklänge auf Achselhöhe, bei der Skating Technik reichen die Stöcke bis zum Kinn.
  • Die Schuhe sollten festen Halt geben und eng anliegen. Der Abstand der Zehen zur Schuhspitze beträgt etwa einen Zentimeter. Beim klassischen Langlauf benötigt man eine stabile Sohle mit genügend Flexibilität. Hier wählt man zwischen flachen und halbhohen Modellen. Beim Skating sind die Schuhmodelle sehr hoch geschnitten und bieten den Sprunggelenken optimalen Schutz.

 

 

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