12.02.2021 - 09:44 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Vohenstraußer Gastwirte wollen bis Ostern durchhalten

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Die Gastronomie ist von der Coronapandemie hart getroffen. Viele Lokale kämpfen im Lockdown ums Überleben. Eine Umfrage bei Vohenstraußer Gastwirten zeigt aber, dass der Optimismus noch nicht ganz gebrochen ist.

Das Gasthaus "Schübladl" in Vohenstrauß. Fritz und Regine Hoffmann wollen durchhalten und hoffen im Frühjahr auf schönes Wetter. Denn nach dem langen Lockdown würden sich die Gäste wohl vor allem draußen sicher fühlen.
von Christine Walbert Kontakt Profil

"Ich hoffe, wir überleben es", so lautet der Kommentar von Veit G. Reisberger, Geschäftsführer des "Friedrich", zur erneuten Lockdown-Verlängerung. Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien meint der Gastronom, dass ihn die neuen Beschlüsse vom Mittwoch nicht wirklich überraschten: "Ich bin mit anderen Gastwirten in Vohenstrauß in Verbindung. Die sagen alle das gleiche. Wir rechnen damit, dass wir erst im April wieder öffnen dürfen."

Etliche Betriebe würden noch auf die versprochene finanzielle Unterstützung der Regierung warten: "Von der Novemberhilfe habe ich bis jetzt knapp die Hälfte erhalten. Für den Dezember noch gar nichts. Und erst seit Mittwoch können wir überhaupt die Januar- und Februarhilfen beantragen." Reisberger kämpft aber weiter. "Wir sind jetzt mit dem Friedrich nicht einmal zwei Jahre auf dem Markt. Jetzt, wo wir ins Laufen gekommen sind, trifft uns das natürlich hart. Ich glaube aber, dass wir es überleben. Aber es muss jetzt bald was kommen vom Staat." Die Gelder würden bislang weder schnell noch problemlos fließen. "Alles geht nur mehr über den Steuerberater. Alles wird überprüft. Wegen ein paar schwarzer Schafe müssen jetzt alle darunter leiden."

Personal in Kurzarbeit

Sein Personal musste Reisberger in Kurzarbeit schicken. Auf die Alternative, Gerichte "to go" anzubieten, könne er nicht zurückgreifen. "Das geht bei unserem Angebot leider nicht. Burger, Steaks und Salat kann ich nicht von den Gästen abholen lassen. Außerdem stehen Kosten und Umsatz in keiner Relation." Bis Weihnachten habe er noch Gutscheine verkaufen können. Aber diese Möglichkeit sei nun auch ausgeschöpft. "Wir wollen aber optimistisch bleiben. Das Jahresprogramm für die Live-Konzerte steht. Man kann nur hoffen, dass uns die Leute nach dem Lockdown überrennen werden. Jeder will doch sein normales Leben zurück", erklärt Reisberger.

Regine Hoffmann vom Gasthof "Schübladl" ist sich nicht sicher, "ob uns die Gäste nach dem Lockdown überrennen werden". Sollte das Wetter nach Ostern nicht wirklich schön sein, um im Biergarten draußen sitzen zu können, werde sich der Ansturm vermutlich in Grenzen halten. "Ein Jahr in Angst leben, das legt man nicht so schnell wieder ab", schätzt die Wirtin. Außerdem seien bis dahin noch lange nicht alle Bürger geimpft.

"Friedrich" im Live-Modus

Vohenstrauß

Staat muss sein Wort halten

Zum Thema staatliche Hilfen meint sie merklich frustriert: "Wir haben bislang nur einen Teil für November bekommen. Wenn die Hilfen nicht bald kommen, dann müssen wir an unser Erspartes ran oder einen Kredit aufnehmen." Sie verstehe die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung durchaus, aber der Staat müsse auch sein Wort halten und die Unterstützung zügig auszahlen. Bis es so weit ist, möchte sie allen Gästen danken, die sonntags in ihrem Lokal Gerichte bestellen und abholen: "Das macht uns ganz happy. Darüber freuen wir uns riesig." Auch wenn dadurch nur ein kleiner Teil der laufenden Rechnungen abgedeckt werden könne.

Georg Lindner vom Gasthof "Drei Lilien" sieht die staatlichen Hilfen für Gastronomiebetriebe differenziert: "Man darf hier nicht nur über den den Staat schimpfen. Er lässt uns ja nicht ganz im Stich. Wenn die Hilfen wie versprochen noch kommen, dann kann man überleben". Allerdings mache auch er die Erfahrung, dass die Unterstützung lange auf sich warten lässt.

Dank an die treuen Gäste

"Drei Lilien" bietet sonntags Abholservice an. Auch wenn sich diese Einkünfte nicht wirklich rechnen, ist es Lindner ein Anliegen, den treuen Kunden dafür zu danken: "Wir freuen uns darüber, dass wir nicht ganz in Vergessenheit geraten. Wir machen das auch für unser Personal, das in Kurzarbeit ist." Der Vohenstraußer rechnet damit, dass die Gasthäuser nach Ostern wieder öffnen dürfen: "Der Start wird auf alle Fälle schwierig werden. Die Leute werden sich anfangs nur zögerlich in ein Wirtshaus trauen. Wir müssen jetzt schon wieder mit Hochzeitsterminen jonglieren. Manche Paare, die im Frühjahr heiraten wollten, haben die Feier schon wieder abgesagt."

Große Erwartungen bei Eröffnungsfeier

Vohenstrauß

Jan Kahriger vom Landgasthof "Am Sonnenhang" in Kaimling steckt auch nach der erneuten Lockdown-Verlängerung den Kopf nicht in den Sand. Er hat mit seinem Familienbetrieb den Vorteil, dass Geschäftsreisende und Montagearbeiter während der Woche in der Pension übernachten. "Ein großes Plus für uns ist auch die fantastische Unterstützung der einheimischen Bevölkerung, die Gutscheine kaufen und am Wochenende Essen abholen", erklärt der junge Gastwirt. Die Wirtschaftshilfen für November und Dezember seien bereits überwiesen worden: "Das hat uns schon sehr geholfen." Kahriger hofft dann im Frühjahr zur Terrassenzeit auf "enorme Nachholeffekte", so wie das schon nach dem ersten Lockdown zu verfolgen war. "Fernreisen werden heuer wohl noch nicht das große Thema sein. Ich denke eher, dass es wieder einen starken Deutschlandtourismus geben wird."

"Ein großes Plus für uns ist auch die fantastische Unterstützung der einheimischen Bevölkerung, die Gutscheine kaufen und am Wochenende Essen abholen."


Jan Kahriger vom Landgasthof "Am Sonnenhang"

Hintergrund:

Überbrückungshilfe Corona

Die Überbrückungshilfe ist ein Bundesprogramm zur Erstattung der betrieblichen Fixkosten bei coronabedingten Umsatzausfällen. Das Programm richtet sich an Unternehmen, einschließlich gemeinnütziger Unternehmen und Vereine, und im Haupterwerb tätige Soloselbständige und Angehörige der Freien Berufe aller Wirtschaftsbereiche.

  • Die erste Phase (Überbrückungshilfe I) betrifft die Fördermonate Juni bis August 2020. Die Antragsfrist endete am 9. Oktober 2020. Eine rückwirkende Antragstellung oder Verlängerung der Antragsfrist ist nicht möglich.
  • Die zweite Phase (Überbrückungshilfe II) umfasst die Fördermonate September bis Dezember 2020. Anträge für die zweite Phase können bis 31. März 2021 gestellt werden.
  • Die dritte Phase (Überbrückungshilfe III) umfasst die Fördermonate November 2020 bis Juni 2021. Anträge für die dritte Phase können bis 31. August 2021 gestellt werden. Die Programmabwicklung erfolgt in Bayern durch die IHK für München und Oberbayern.
  • Anträge für die Überbrückungshilfe können nur online gestellt werden.
  • Grundsätzlich sind nur Steuerberater, Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer berechtigt, Anträge zu stellen. Bei entsprechender Antragsberechtigung, werden die Kosten für die Antragsstellung anteilig durch die Überbrückungshilfe erstattet.

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