Waidhaus
16.07.2018 - 15:17 Uhr

Böhmischen Geheimnissen auf der Spur

Ein Einsiedler, der Hirschgeweih röstet und eine Kapelle, an der Wunder geschehen und ein heidnischer heiliger Hain: Der Sonntagsspaziergang mit Pfarrer Hartl führt zu geheimnisvollen Orten Böhmens.

Der letzte Sonntagsspaziergang mit Pfarrer Georg Hartl (rechts) vor der Sommerpause führt zur Ruinen der einzigartigen Hügelkirche im uralten Chodendorf Zemschen. fjo
Der letzte Sonntagsspaziergang mit Pfarrer Georg Hartl (rechts) vor der Sommerpause führt zur Ruinen der einzigartigen Hügelkirche im uralten Chodendorf Zemschen.

(fjo) Die Teilnehmer zogen mit Pfarrer Goerg Hartl tief hinein ins böhmische Nachbarland. Die Wanderfreunde fuhren über Pfraumberg und Rail/Rajov nach Zemschen/Tremesne und Pössigkau/Bezdekov, heute zur Ortschaft Tremesne zusammengefaßt. Pössigkaubach (Bezdekovsky potok) fließt durch die Ortsteile. Bei Weißensulz/Bela nad Radbuzou mündet er in die Radbuza.

Die Ausflügler ließen die Autos in der Ortsmitte stehen und in wenigen Minuten gelangte die bunt gemischte Schar aus der Oberpfalz über einen Bahnübergang hinauf zum Hurberhügel mit der Hurberkirche, die der schmerzhaften Jungfrau Maria geweiht ist. Nur noch eine aufgemauerte Fundamentvierung erinnert an die einstigen Ausmaße. Pfarrer Hartl wusste, dass sich hier vor der ursprünglichen Kapelle vermutlich eine heidnische Kultstätte, ein „heiliger Hain“, befunden hatte.

Vorbei an einem originellen Wasserspender folgte die Gruppe der Markierung bergauf durch einen Mischwald aus Fichten und Buchen und erreichte nach rund vier Kilometern die Ruine der ehemaligen Wallfahrtskirche Sankt Apollonia. Sie geht auf das Jahr 1670 zurück und liegt an der Straße von Pfraumberg nach Neudorf. Ihr Erbauer war der Reichsgraf Georg Maximilian von Lindelo. Anlass zur Gründung der Apolloniakapelle um 1580 waren Wunder, die hier angeblich stattfanden.

Der Quelle wurde die Heilung von Augenkrankheiten nachgesagt. In der Kirchenruine war zudem noch das Becken für das Heilwasser zu sehen. Pfarrer Hartl, der bis dorthin schon unermüdlich erzählt hatte, erwähnte auch die Geschichte vom Klausner von St. Apollonia. Name und Herkunft des Einsiedlers seien zwar in Dunkel gehüllt, doch habe sich über ihn die Kenntnis von ungewöhnlichem Wissen und Können überliefert. Außerdem sei der Klausner im Rufe eines nie versagenden, hilfreichen Heilkünstlers bei Tier und Menschengebrechen gestanden. Er soll sogar mit Hilfe sogenannter „Woutstoi“, hergestellt aus geröstetem Hirschgeweihmark, von einem tollwütigen Hund gebissene Personen geheilt haben. Wieder zurück im südlichen Ortsteil machten einige der Sonntagsspaziergänger noch einen Abstecher zum Pfaffenhaus, in dem früher die „Pfaffennahne“ gewohnt hatte. Sie war die Oma der teilnehmenden nachgeborenen Geschwister Evi und Werner Brunner.


Die Wanderer entdecken so manches skurille Objekt bei der Erkundung der böhmischen Landschaft. fjo
Die Wanderer entdecken so manches skurille Objekt bei der Erkundung der böhmischen Landschaft.
 
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