23.04.2020 - 17:24 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Artenvielfalt im Klimawandel

Der Forstbetrieb Waldsassen arbeitet schon heute am Klimawald von morgen. Auch Esskastanien und diverse Wildobstarten werden ihn prägen. Im Revier Pullenreuth sind die Arbeiten in vollem Gange.

Die Waldarbeiter Wolfgang Popp, Michael Pscherer und Peter Schraml pflanzen im Revier Pullenreuth den Wald von morgen. Der wird anders aussehen als heute, aber dem zu erwartenden trockeneren Klima besser standhalten.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Der Forstbetrieb (FB) Waldsassen der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) trägt die Verantwortung für eine Gesamtfläche von rund 23.000 Hektar. Die Bewahrung des Staatswaldes für die kommenden Generationen und die Sicherung seiner vielfältigen Leistungen für die Gesellschaft habe oberste Priorität, erklärt der Leiter des FB Waldsassen, Norbert Zintl.

Den Wald vorbereiten

Dazu gehöre auch, den Wald auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten und ihn für die Zukunft fit zu machen. "Ziel der Staatsforsten ist es, einen stabilen und klimatoleranten Mischwald zu schaffen, der durch eine hohe Kohlenstoffbindung beiträgt, die Folgen des Klimawandels abzufedern. Bei unseren aufeinander abgestimmten Waldbauprogrammen achten wir darauf, dass der Gesamtnutzen aller Waldfunktionen optimiert wird. Ein wichtiges Element hierfür ist die Berücksichtigung und Förderung von Baumarten, die ein warmtrockenes Klima gut vertragen." Laut Zintl werde der Zukunftswald unter anderem aus Tannen, Eichen, Kirschen, Elsbeeren, Douglasien, Esskastanien und Spitzahorn bestehen.

Mindestens vier Arten

Mindestens vier Baumarten je Bestand sollen künftig vielfältige, gemischte und gestufte Wälder bilden. Neben den heimischen Arten gebe es im gesamten Freistaat auch Praxisanbauversuche zu verschiedenen alternativen Baumarten und Herkünften. Unter anderem werde mit Karpatentanne, Baumhasel oder Atlas- und Libanonzeder experimentiert.

Die Staatsforsten trügen eine umfassende Verantwortung für vielfältige Lebensräume und den Erhalt der Biodiversität. Heimische Tierarten wie etwa die Haselmaus und eine Vielzahl von Insekten seien Teil dieser Biotope und profitierten von der anspruchsvollen Pflege und Bewirtschaftung der hochwertigen Ökosysteme.

Für die Realisierung der Baumartenvielfalt unter Berücksichtigung des Klimawandels und der standörtlichen Gegebenheiten müssten fehlende Baumarten aktiv gepflanzt werden. "Derzeit werden im Rahmen der Frühjahrspflanzung in allen Revieren des Forstbetriebs wieder Neukulturen begründet, Schadflächen wiederbepflanzt, lückige Verjüngungen oder auch Waldränder mit klimatoleranten Baumarten ergänzt und aufgewertet", so Zintl.

Beispielhaftes Projekt

Beispielhaft könne hier ein aktuelles Projekt im Revier Pullenreuth genannt werden, wo die Waldarbeiter unter der fachkundigen Anleitung des Försters Wolfgang Schödel einen ökologisch besonders interessanten Übergangsbereich zur Feldflur mit Esskastanien, diversen Wildobstarten und auch verschiedenen Straucharten - wie zum Beispiel Schlehe oder Gemeiner Schneeball - anreichern.

Schutz vor Verbiss und Konkurrenzflora schafft die Wuchshülle. Sie begünstigt ein wachstumsförderndes Mikroklima und bietet Gewähr für sehr guten Anwuchserfolg.

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