27.10.2020 - 13:12 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Kneippen für Kinder: Erkältungsfrei durch den Winter

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"Für die Stärkung des Immunsystems ist immer der richtige Zeitpunkt", sagt die Kräuterführerin Johanna Zettl aus Waldsassen. Sie hat sich der Lehre des Wasserdoktors Sebastian Kneipp verschrieben und hat einige Tipps parat.

Barfußlaufen ist für Kinder nicht nur gesund und stärkt die Abwehrkräfte, sondern macht dem Nachwuchs auch einen Heidenspaß.
von Adele SchützProfil

"Unser Körper ist mit einem Immunsystem, den sogenannten Abwehrkräften ausgestattet, welches uns im Normalfall vor Krankheitserregern und damit vor Erkältungsviren schützt", erklärt Kneipp-Fachfrau Johanna Zettl.

Sebastian Kneipp hat laut Zettl in seinem Naturheilverfahren die Stärkung der Abwehrkräfte gefördert und gefordert. Seine Lehre basiert laut Zettl auf fünf Elementen, die miteinander verwoben sind und Körper, Geist und Seele stärken sollen. "Vor allem die Wasseranwendungen sind für die Steigerung des Immunsystems ein hilfreiches und einfach anzuwendendes Mittel", so die Expertin.

Sie empfiehlt folgende Maßnahmen speziell für Kinder zur Steigerung der Abwehrkräfte:

Barfuß im nassen Gras

Sebastian Kneipp empfiehlt zur Kräftigung, zur Abhärtung und auch zur Freude unserer Kinder vor allem das Barfußlaufen. Dazu müssen zuerst die besorgten Eltern überzeugt werden, denn den Kindern ist Barfußlaufen ein Herzensbedürfnis, weiß Johanna Zettl. Eine besondere Art des Barfußlaufens ist das Gehen im nassen Gras. Ganz gleich, ob das Gras vom Tau, vom Regen oder von einem eigenen Wasserguss nass ist. Je nässer das Gras, je öfter und je länger die Übung, desto vorzüglicher wird der Erfolg sein, schreibt Sebastian Kneipp in seinem Buch "So sollt ihr leben".

Eindringlichst ermahnt der Wasserdoktor in seinen Ausführungen, gleich nach dem nassen Lauf trockene Socken anzuziehen und dann einen trockenen Lauf anzuhängen. Sollten die Socken feucht sein, so Kneipp, "wird man die Kräfte nicht aufbauen sondern einreißen".

Kneippen geht ganz einfach

Amberg
"Wassertreten macht nicht nur Erwachsenen Spaß und fördert betens die Gesundheit, sondern auch Kinder finden am Wassertreten und Waten durch das Wasser wie ein Strorch höchsten Gefallen", weiß die Kneipp-Fachfrau Johanna Zettl.

Barfuß auf nassen Steinen

Ebenso vortrefflich ist laut Zettl das Gehen auf nassen Steinen. Die Hauptsache besteht darin, dass man nicht "ruhig auf denselben stehe, sondern in ziemlich rascher Bewegung gehe", zitiert sie Kneipp. Für die Bewässerung der Steine wird mit der Kanne eine dicke Wasserlinie gezogen, welche man durch das Treten erweitert. "Auch hier, beim sogenannten Steingang, gilt das Wiedererwärmen durch den Gang mit trockenen Socken", empfiehlt Johanna Zettl.

Barfuß im Schnee

Zu guter Letzt legt die Fachfrau den Anwendern noch eine ganz besondere Barfußübung ans Herz: das Gehen im Schnee. Dieses sollte - bei warmem Körper - nur im frisch gefallenen Schnee durchgeführt werden und nur drei bis vier Minuten dauern. Zum Abschluss sollte ein Gang mit trockenen Socken erfolgen.

Kräuter spielen in der Gesundheitslehre von Sebastian Kneipp eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund sollte man schon Kinder an die Kräuter heranführen und sie in die Zubereitung von Essen und Getränken mit Kräutern einbinden.

Wassertreten

Zur Stärkung des Immunsystems gehören nach Aussagen von Zettl nach wie vor das Wassertreten. "Das macht Kindern große Freude. Wie ein Storch durchs Wasser waten, also die Beine herausziehen und wieder eintauchen, löst einen zusätzlichen Reizeffekt aus und aktiviert zusätzlich die Venenpumpe - und es ist für Kinder ein besonderer Spaß. Nebenbei wird durch den Reiz des Wassers die Immunabwehr gestärkt." Wichtig sei, dass die Kinder keine kalten Füße haben und nach Beendigung ihres Wassertretgenusses ihren Köper und vor allem ihre Beine wieder erwärmen. Dies könne durch Bewegung oder durch Bettruhe geschehen. "Da das Wassertreten im Allgemeinen für einen guten Schlaf sorgt, wäre die Übung für abends sogar zu empfehlen." Aber: "Bei Nieren- und Blasenleiden oder bei Frösteln ist das Wassertreten nicht zu empfehlen."

Zu zweit macht Wassertreten in einem großen Behälter oder in der Badewanne doppelten Spaß.

Waschungen

Die Waschungen legt Johanna Zettl allen ans Herz, die die Wasserkuren nach Kneipp zur Stärkung ihrer Abwehrkräfte nutzen wollen: "Bei Gesunden stärken die Waschungen die Abwehrkräfte, und Kranken bringt es wohltuende Erleichterung. Eine Waschung bedeutet immer auch Zuwendung. Kinder werden bald das wohlige Gefühl des Erwärmens sowie die Zuwendung der Eltern sehr zu schätzen wissen". Und so wir es gemacht: Ein Waschtuch wird in kaltes (16 bis 18 Grad Celsius) oder temperiertes (19 bis 22 Grad) Wasser getaucht. Damit wird dann ein dünner Wasserfilm auf die Haut aufgetragen. Bei der Oberkörperwaschung am kleinen Finger rechte Hand beginnen, zur Schulter außen hoch, vorne runter zum Daumen. Dann Tuchseite wechseln, innen hochfahren. Tuch umfalten, linken Arm genauso. Hals und Brust von rechst nach links, mit Längsstrichen nach unten. Genauso den Rücken. Zügig waschen - das ganze sollte nicht länger als zwei Minuten dauern. Auf keinen Fall bei Zugluft oder Frösteln eine Waschung vornehmen.

Durch Nichtabtrocknen wird durch die entstehende Verdunstungskälte die Wirkung erhöht. 3 bis 4 Esslöffel Essig als Beigabe pro Liter erhöhen ebenfalls die Wirkung. Speziell die Oberkörperwaschung eignet sich zur Abwehr von Erkältungen.

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Waldsassen

Bewegung

Johanna Zettl weist darauf hin, dass die Heilmethode des Wasserdoktors zur Steigerung der Abwehrkräfte auch Bewegung beinhaltet, was für Kinder früher kein Muss gewesen ist, sondern ein Bedürfnis. "Leider hat der natürliche Bewegungsdrang abgenommen. Vor allem die Bewegung in freier Natur stärkt nicht nur die Abwehrkräfte, sondern wirkt sich vielfach positiv aus. Wir sollten unsere Kinder wieder anregen und anspornen sich zu bewegen", betont Zettl.

Ernährung

Zu den fünf Säulen, auf denen die Gesundheitslehre des Wasserdoktors Kneipp basiert, zählt neben der Lebensordnung, Wasser, Bewegung und Heilkräuter auch die gesunde Ernährung wie hier Obstpommes, für die man Kinder gut begeistern kann.

Ernährung ist ein weiterer wichtiger Baustein in der Gesundheitslehre des Wasserdoktors. Er legte vor allem Wert auf regionale, saisonale und einfache Kost. Den Kräutern wird große Bedeutung beigemessen. "Kindern Schritt für Schritt Kräuter näherbringen macht Eltern und Kindern Freude", versichert Johanna Zettl.

Glücklich sein

Sie weist noch auf die fünfte und letzte Säule der kneippschen Gesundheitslehre hin: die Lebensordnung. "Sie ist die Grundlage der gesamten Lehre von Sebastian Kneipp und umfasst auch die anderen vier Säulen: Wasser, Bewegung, Ernährung und Heilkräuter." Zettl greift den kleinen Aspekt des Glücklichseins innerhalb der Lebensordnung heraus. "In unterschiedlichen Studien wurde nachgewiesen, dass glückliche Menschen ein stärkeres Immunsystem haben und daher weniger anfällig für Viruserkrankungen sind". Was also können wir zum Glücklichsein unserer Kinder beitragen? "Unsere Kinder brauchen unsere Aufmerksamkeit. Wir sollten auf Augenhöhe begegnen, ihnen zuhören und für sie Zeit haben."

„Was können wir zum Glücklichsein unserer Kinder beitragen?“, ist eine zentrale Frage, die sich Johanna Zettl stellt. Unsere Kinder brauchen laut Zettl unsere Aufmerksamkeit. Wir sollten ihnen nach ihren Aussagen auf Augenhöhe begegnen, ihnen zuhören und für sie Zeit haben, denn glückliche Kinder sind gesunde Kinder..
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