31.05.2020 - 19:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

150 Personen demonstrieren gegen Corona-Beschränkungen

Die Kundgebung auf dem Großparkplatz in Weiden verlief friedlich. Rund 150 Teilnehmer kamen am Sonntag, um gegen die Maßnahmen in der Coronakrise und eine Impfpflicht zu demonstrieren. Redner hatten einige kritische Worte mitgebracht.

von Helmut KunzProfil

„Wir stehen alle hier, weil wir die undifferenzierte Einschränkung der Grundrechte zwar erdulden, aber definitiv in ihrer Gesamtheit nicht so akzeptieren, wie das hier jetzt läuft“, erklärte Organisatorin Silvia Loew. Anstatt der erwarteten 400 Teilnehmer versammelten sich am Sonntag laut Polizei rund 150 Demonstranten auf dem Weidener Naabwiesen-Parkplatz. „Es ist traurig, dass sich nicht mehr dafür interessieren, dass ihre Grundrechte verletzt werden“, kommentierte Silvia Loew, wobei sie als Veranstalterin von rund 250 Teilnehmern ausging.

„Ich bin kein Radaumacher. Aber ich setze mich für unsere Grundrechte ein“, sagte sie. „Wir vertreten zwar nur fünf Prozent der Bevölkerung, aber auch wir müssen gehört werden.“ Ihre Skepsis richtete sich vor allem gegen die Impfpflicht. „Ich trete für das Recht ein, selber darüber entscheiden zu können.“ Das sei ihrer Ansicht nach demokratisch.

Die Demonstration verlief friedlich. Die Veranstaltung wurde von kritischen Redebeiträgen begleitet. Den Anfang machte Dr. Bruno Rieder: „Herzlich willkommen ihr Spinner, Verschwörungstheoretiker, Esoteriker, Demokratiefeinde und die Nazi-Keule wurde auch schon geschwungen.“ Darauf folgte Beifall unter den Teilnehmern auf dem Großparkplatz. Zudem ging er auf das Statement von Neustadts Landrat Andreas Meier ein: „Im Übrigen hoffe ich, dass es dem Landrat zwischenzeitlich schon wieder besser geht. Der Mann hatte ja so einen Hals, wie ich aus den Nachrichten erfahren habe.“

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Der Redner weiter: „Herr Landrat, es ist nicht so gekommen, wie Sie das in Ihrer göttlichen Vorhersehung prognostiziert haben. Die Anzahl der Corona-Infizierten in unserer Region ist trotz Demonstration nicht angestiegen.“ Dennoch räumte Rieder ein: „Infizierte, die sich trotz Infektion gesund fühlen, sind natürlich ein Problem für die Verantwortlichen. Und das könnte auf 80 Prozent der Infizierten zutreffen. Als Arzt sage ich da: Hurra!"

Altenpflegerin Angela Lachmann warf den Verantwortlichen vor, alte Menschen in den Pflegeheimen weggesperrt zu haben. Und: „Das Pflegepersonal bekam keine ausreichende und adäquate Schutzkleidung.“ Sonja Schuhmacher – „ich spreche hier für mich selbst“ – bezweifelte die Neutralität der Medien. „Vielleicht ist es hier in Weiden anders.“ Im Schatten von Corona werde aktuell eine vernünftige Klimapolitik ausgebremst. „Jeder redet nur über einen Virus, an dem im Moment 8000 Menschen erkrankt sind, so als könnte daran jetzt die Welt untergehen.“

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Weiter sagte sie: „Man drangsaliert uns mit demütigenden Maßnahmen, wie mit der Maske. Die man im Freien übrigens nicht tragen muss." Ihrer Meinung nach sei das Spiel der Profiteure mit der Angst nicht neu. „Meine Vermutung: Es geht bei dieser Krise nicht um Gesundheit. Sonst würde man uns nicht zum Versuchskaninchen für noch nicht erprobte Impfstoffe machen, die in unser Erbgut eingreifen.“ Sonja Schuhmacher, Stadträtin der Grünen, und Helmut Schöner (ÖDP-Stadtrat) hatten am Pfingstsamstag auch wieder Mahnwachen gegen die Einschränkungen durch Corona im Max-Reger-Park abgehalten.

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Ein Redner, der namentlich anonym bleiben wollte, behauptete bei der Kundgebung am Großparkplatz: „Das System hat die Kontrolle über die Inflation verloren.“ Anhand mitgebrachter Schilder versuchte er seine Theorie hinter der Coronakrise zu unterstreichen. Zuletzt hegte Josef Weinfurtner Zweifel an den amtlichen Corona-Zahlen. Am kommenden Samstag will Helmut Bauer aus Eslarn eine Demonstration auf dem neuen Festplatz organisieren.

Auch der vorbestrafte Neonazi Patrick Schröder war zumindest als Beobachter der Demonstration am Pfingstsamstag anwesend.

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Kommentare

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Joachim Schmidt

Der Kommentar von Herrn Punzmann ist sehr aufschlussreich, zeigt er doch, dass die pauschalisierenden Diffamierungs "Argumente gegen Menschen mit anderer Meinung" die Tag ein Tag aus in unterschiedlichen "mainstream" Medien (wie Punzmann sie nennt) geschrieben werden, bei Herrn Punzmann fruchten.

Herr Punzmann greift den Satz am Ende natürlich dankbar auf :

"Auch der vorbestrafte Neonazi Patrick Schröder war zumindest als Beobachter der Demonstration am Pfingstsamstag anwesend."

Das Kontaktschuld + Beifall von der falschen Seite ist schon seit je her (siehe auch Z"ersetzung") eine Methode um Demonstrationen Jeder Art zu delegitimieren, selbst wenn sich diese vor das Grundgesetz stellen. Wenn eine "falsche Person auftaucht (mich wundert dass keine genaue Entfernungsangabe in Metern zwischen der genannten Person und den Redner gemacht wurde) dann dient dies stets zur diffamierung und man muss sich, wie dies Herr Punzmann macht, nicht mehr mit echten Argumenten auseinandersetzen. Das Label rechts, bzw die Nazi Keule funktioniert einfach bei jedem Thema.stichwort Teile und herrsche sollte geläufig sein (Menschen die sich über Partei Grenzen hinweg gegen Maßnahmen nach oben wenden, nichts schlimmer als das aus Sicht der Politik), der querfront Diffamierungs Begriff ist inhaltlich leer.
Wie würde Herr Punzmann wohl reagieren wenn der Mensch über den Herr Punzmann aus seiner moralisch überlegenen Warte aus ein Urteil fällt (das stark in Richtung "personifizierung des bösen +" unmensch" geht) zur gleichen Zeit wie Herr Punzmann am letzten Bürgerfest war?? Ist Herr Punzmann dann ein Teilnehmer eines "Nazi festes"?? Wohl kaum. Das Kontaktschuld Argument lenkt von inhaltlichen Differenzen ab und fokussiert auch bei diesem Thema auf rechts gegen links.

Warum werden im Artikel und auch durch Herrn Punzmann nicht echte Zahlen auseinander genommen?
Was würde passieren, wenn morgen in Deutschland niemand mehr RNA Bestandteile von covid 19 in sich tragen würde? Wie hoch wäre der R wert dann?

Die Anzahl der als infiziert gemeldeten würde 1,4% der Tests betragen, da dies falsch positiv die Zahl des PCR tests ist. Der R-wert wäre je nach Steigender test Anzahl trotzdem über 1!!
Jeder der sich breit informiert (Punzmann verwendet den Begriff Alternative Medien negativ) weiß das seit Wochen.
Auch wissen viele Menschen nicht was am 15. MAI gesetzlich beschlossen wurde.
Der Arbeitgeber darf nun medizinische Daten (gegen jegliche Bedenken von Datenschützern, die das Datenschutz Recht und Persönlichkeit Rechte verletzt sehen) verarbeiten. Er darf potentielle und bestehende Arbeitnehmer fragen, ob sie immun gegen covid 19 sind.
Jeder sollte sich dessen bewusst sein, auch was dies für Folgen haben kann (indirekter impfzwang). Aus diskriminierungsgrunden darf zb nicht erfragt werden ob eine Frau schwanger ist.

Aber anstatt über die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgeschäden der weiter bestehenden Kontakt Verbote und Masken Pflicht zu sprechen und diskutieren von Mensch zu Mensch, unabhängig von politischen Ansichten, wird mit links gegen Rechts abgelengt. Jeder sollte sich, bevor er sich auf Basis von subjektiven Berichten (oder Kommentaren Dritter) ein pauschales Urteil bildet (besser dies übernimmt) ein eigenes Urteil bilden, sei es durch 3 bis 7 Gespräche auf der nächsten Demo oder in dem er sich direkt und in voller Länge die rede Beiträge anschaut und selbst kritisch durchdenkt.

Anschließend:
Mot einander reden statt übereinander ist wichtig in spaltenden Themen.

09.06.2020
Tobias Punzmann

Es ist sehr wichtig, gerade die Mängel in der Pflege anzusprechen. Die mangelhafte Ausstattung des Pflegepersonals und ungenügende Schutzrichtlinien waren wohl mit ein Grund für die hohen Todeszahlen in Pflegeeinrichtungen.
Es ist auch wichtig, die einschneidenden Einschränkungen der Grundrechte, deren fragwürdige Verhältnismäßigkeit und deren stümperhafte Umsetzung anzusprechen.
Es ist sogar besonders wichtig, daran zu erinnern, dass es noch weitere ganz brennende Themen für die Zukunft, wie auch die angesprochene Klimapolitik gibt.
Aber diese wichtigen Anliegen werden leider komplett entwertet, wenn dies im Schulterschluss mit einer kruden Querfront aus Rechtsextremen, Demokratiefeinden, Anhängern von Verschwörungsgeschichten und anderen Schwurblern geschieht.
Die Anwesenheit vorbestrafter Neonazis und vom Verfassungsschutz beobachteter Rechtsextremer macht auch schon ohne obskure Redebeiträge so eine Demonstration unsäglich.
Wer soll Frau Schumacher bei ihren wichtigen Anliegen, die sie in der Vergangenheit schon angestoßen hat und hoffentlich weiter anstoßen wird, noch ernst nehmen, wenn sie wie hier den Anschein erweckt, sie hätte wohl geglaubt, die von ihr als demütigend empfundene Maskenpflicht würde auch im Freien gelten? Hätte sie weniger "alternative" Medien mit deren besonderem Anspruch auf "Wahrheit" und stattdessen mehr "Mainstream"-Medien konsumiert, hätte sie wohl schon eher davon erfahren, dass die Maskenpflicht nur in ganz bestimmten öffentlichen Bereichen, wie Arztpraxen, Geschäften, Gastronomien oder dem ÖPNV gilt. Man kann die Maskenpflicht umgehen, indem man auf diese Angebote ganz einfach verzichtet. Man kann solche Bausteine zur Eindämmung einer Pandemie und dem Schutz Dritter natürlich auch als demütigend empfinden. Ich habe auch schon Leute getroffen, welche die Pflicht zu Helm und Sicherheitsgurt schon als Bevormundung angesehen haben. Aber die haben wenigstens nur ihr eigens Leben aufs Spiel gesetzt.
Man muss auch keine Impfpflicht herbeifantasieren, nur weil man dagegen demonstrieren will, solange es keinen Impfstoff gibt und die Politik signalisiert, dass es auch dann keine Impfpflicht geben wird. Sollte sich das wirklich ändern, kann man Forderungen gegen so eine Pflicht ruhig anbringen. Sollte es je einen Impfstoff geben, wird es vielleicht so kommen, dass man sich impfen lassen muss, um in ein Flugzeug zu steigen, in ein bestimmtes Land zu reisen oder einen bestimmten Beruf auszuüben - wie es schon immer der Fall ist. Aber auch darauf kann man dann freiwillig verzichten.

02.06.2020
Dr. Jürgen Spielhofen

150 Personen? Laut Auskunft der Veranstalter wurden jedem Teilnehmer beim Einlass einer der 300 abgezählten Flyer in die Hand gedrückt, damit sicher gestellt wird, dass die genehmigte Anzahl von 300 nicht überschritten wird. Am Ende fehlten genau 247 Flyer. Dazu kommen noch die vielen Zuschauer außerhalb der Absperrung, womit sich die Gesamtzahl nochmal deutlich erhöht.

01.06.2020