22.11.2021 - 20:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zum 30. Todestag von Klaus Kinski: So schimpft die Oberpfalz

30 Jahre ist Klaus Kinski tot, seine legendären Ausfälle vor Kamera und auf der Bühne bleiben unvergessen. Zum 30. Todestag erzählen Oberpfälzer, was sie sagen, wenn sie richtig sauer sind.

Eine Szene mit Klaus Kinski aus dem Film "Jesus Christus Erlöser". Kinski wird mal wieder ausfallend.
von Holger Stiegler (STG)Profil

„Du dumme Sau!“, „Von einer Analphabetin muss ich mir so einen Quatsch erzählen lassen!“, Sie sind kein Regisseur. Sie müssen bei mir lernen! Sie sind ein Anfänger! Ein Zwergenregisseur sind Sie“ oder „Leck mich doch am Arsch, Mensch! Der Moment ist überhaupt gekommen, wo ich dir in die Fresse haue! Dieses Mal schlag ich dir in die Fresse, darauf kannst du dich verlassen, du.“ Genau 30 Jahre werden es am 23. November, dass einer der bekanntesten deutschen (Be-) Schimpfer, Flucher und Pöbler verstorben ist: Die Ausfälle und Tiraden des Schauspielers Klaus Kinski sind längst legendär und haben so etwas wie Kultstatus erreicht. Wie nehmen es bekannte Oberpfälzer mit dem Schimpfen? Und was rutscht ihnen dabei raus? OberpfalzMedien hat sich mit einigen unterhalten.

Christina Baumer

Christina Baumer

„Mein Lieblings-Schimpfwort ist kreizkruzifix“, bekennt Schauspielerin Christina Baumer aus Wiesau. Fluchen tut sie am häufigsten, wenn am PC etwas nicht funktioniert. „Zum Beispiel schreib ich gerade ein Drehbuch für eine oberpfälzische Heimatkomödie, da ist mir der Laptop mal abgestürzt und meine Arbeit war nicht abgespeichert“, erzählt sie. Da würde sie dann am Liebsten den Laptop aus dem Fenster schmeißen. Auch Ausdrücke wie „Scheißdreck“ und „verf...“ rutschen ihr über die Lippen. „Das versuch ich allerdings zu vermeiden, weil ich es einfach nicht stilvoll finde, vor allem in Gegenwart meiner Oma“, so Baumer. Was sie eigentlich gar nicht macht, ist im Auto über andere Autofahrer zu schimpfen. „Ich glaube, da bin dann immer eher ich Ziel von Beschimpfungen“, räumt die Schauspielerin ein.

Weidens Stadtpfarrer Markus Schmid

Markus Schmid

Schon von Berufswegen wenig Affinität zum Fluchen hat der Weidener Stadtpfarrer Markus Schmid (Pfarrei St. Josef). „Das kenne ich auch nicht von Zuhause“, sagt er. Worte auf die Goldwaage will der Geistliche aber auch nicht legen. Wenn jemand ein „Sakradi“ oder ein „Kruzefix“ benutze, dann sei das einfach in dem Moment ein Ventil. „Ich glaube, dass da niemand Gott beleidigen will“, so der Pfarrer. Wenn er selber schimpft oder sich ärgert, dann benutzt er oftmals ein „Herrschaftszeiten!“ Mit sich kämpfen muss Schmid, wenn er mit Leuten zu tun hat, die ihr Hirn partout nicht einschalten wollen. „Ein kleines Holzkreuz erfüllt dann oft die Funktion eines Handschmeichlers und lässt mich wieder etwas gelassener werden, so dass ich dann nicht das sage, was ich gerade denke“, so der Geistliche.

Lothar Höher

Lothar Höher

Der Bezirkstagsvizepräsident versucht, öffentlich und laute Schimpfereien zu verhindern. „Natürlich ärgere ich mich über andere und auch über mich selber“, bekennt er. Er schimpfe dann aber eher für sich oder in Gedanken. Andere anzupflaumen – davon halte er nichts. „Ich bemühe mich, Kritik sachlich anzubringen“, so Höher. Ein beliebter Ausspruch von ihm ist „So was Blödes!“ und wenn er sich aber so richtig ärgert, dann kann es schon passieren, dass er zum gemäßigten Fluch „Kruzenal“ greift. Aber ein wildes Herumfluchen lehne er – schon allein seiner katholischen Erziehung wegen – für sich ab.

Marion Schieder

Moderatorin Marion Schieder

Radiomoderatorin und Kabarettistin Marion Schieder („d’Schiederin“) geht ein „Zefix Halleluja“ recht leicht über die Lippen. „Das ist eine Redewendung wie Hallo und Guten Morgen“, erzählt sie. Als Fluchen würde sie es nicht bezeichnen, denn da gebe es ganz andere Wörter, die sie auch nicht benutze. „Das hat mir meine Mama schon abgewöhnt“, bekennt sie. Ein Schimpfwort beziehungsweise eine Beschimpfung, die sie sehr kreativ findet, ist der Ausdruck „Jetzt klatscht es gleich, aber keinen Applaus!“ Eine Strategie zur „Schimpfvermeidung“ hat Schieder auch: „Da nehme ich mich aus dem Spiel, gehe aufs Klo, spüle und nach zwei Minuten passt es wieder!“ Wenn sie über die eigene Dummheit schimpft – zum Beispiel wenn sie in einen Stau fährt, obwohl sie genau weiß, dass es einen geben wird – greift sie auch schon einmal zu Selbstbezeichnungen wie „Sulln“ oder „Haidlbrummer“.

Gerd Schönfelder

Gerd Schönfelder.

Der mehrmalige Paralympics-Goldmedaillen-Gewinner und Weltmeister Gerd Schönfelder beschränkt sich in der Regel auf das „umgangssprachliche Schimpfen“. Dazu gehören auch Ausdrücke wie „Herrschaftszeiten!“ Diese Art des Schimpfens sei im Oberpfälzischen einfach mit drin. Und wann benutzt er sie? „Wenn mir – wie gerade erst – der Joghurt-Becher aus dem Kühlschrank fällt und die ganze Sauerei da ist“, bekennt er. Dass er aber so richtig „explodiert“, sei unwahrscheinlich: Denn bevor es so weit komme, mache er das, was ihm auch bereits in der Zeit als aktiver Spitzensportler geholfen habe, um ruhig zu werden: „Ganz tief durchschaufen und nix sagen!“

Tobias Appl

Dr. Tobias Appl

Der Bezirksheimatpfleger ist Schimpfwörtern gegenüber nicht abgeneigt – in erster Linie aber aus beruflicher Perspektive. „Schimpfwörter schaffen zum einen Gemeinschaft und eine gewisse Klassenzugehörigkeit, für einzelne Regionen sind sie auch identitätsstiftend“, erklärt der Experte. Genauso gelte aber auch das Gegenteil, dass verschiedene Begriffe in manchen Kreisen verpönt seien. Dazu zählt Appl beispielsweise das wilde Herumfluchen mit derben Ausdrücken. Aktiv benutzt Appl Schimpfwörter eher selten, wobei er schon zugibt, dass diese in seinen Gedanken schon präsent sind, wenn er sich über etwas oder jemanden ärgert – „Loamsieder“ gehört beispielsweise dazu. Insgesamt denke er aber, dass er persönlich ruhiger und stiller werde sowie kaum noch etwas sage, wenn er sich so richtig ärgere. „In Mundart zu schimpfen, bietet viele Möglichkeiten: Das kann von liebevoll bis ganz brutal sein. Mit einem unterschiedlich ausgesprochenen Wort kann man ganz viel Nuancen hineinbringen.“

Kommentar zu Klaus Kinski

Deutschland und die Welt

Lukas Höllerer bringt alternative Kultur und außergewöhnliche Künstler nach Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Platz für 25.000 Schallplatten und jede Menge Musikinstrumente

Schönsee
Hintergrund:

Zur Person: Klaus Kinski

  • Geboren am 18. Oktober 1926 als Klaus Günter Karl Nakszynski in Danzig.
  • Ab 1948 spielt Kinski in mehr als 100 Filmen. Als Bösewicht ist er dabei international gefragt.
  • Besondes in Erinnerung blieben Filme wie Fitzcarraldo, Nosferatu, oder Cobra Verde
  • Legendär ist seine Zusammenarbeit mit Regisseur Werner Herzog, der dieser sogar eine Dokumentation widmet. Darin sind mehrere von Kinskis Ausfällen und Schreiattacken festgehalten.
  • Kinski stirbt 1991 in Hollywood
  • Posthum erhebt Tochter Nastassja Kinski schwere Vorwürfe. Ihr Vater habe sich missbraucht und misshandelt.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.