19.02.2020 - 17:31 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bahn-Experte: Elektrifizierung verzögert sich bis 2030

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Lärmschutz hat auch Nachteile: Die Elektrifizierung der Bahnstrecke Regensburg-Hof etwa dauert dadurch länger. Bahnexperte Lukas Iffländer rechnet mit zwei Jahren.

Ist die Bahnstrecke RegensburgHof erst einmal elektrifiziert, können mehr Züge fahren, sagt Pro-Bahn-Experte Lukas Iffländer.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Die Bahnstrecke zwischen Regensburg und Hof wird 2030 elektrifiziert, informiert Lukas Iffländer, Experte des Fahrgastverbands Pro Bahn, auf Nachfrage. Eigentlich hätte die Elektrifizierung bereits zwischen 2026 und 2028 umgesetzt werden sollen, "doch dann kam Alexander Dobrindt und hat die Lärmschutznormen wieder auf Null gesetzt". Dadurch verzögere sich die Umsetzung um bis zu zwei Jahre.

Das liege vor allem daran, dass die Bahn die Lärmschutzemissionen nun komplett neu durchrechnen müsse. Planer müssten prüfen, welche Gebäude am Streckenverlauf vom Lärm betroffen und welche Lärmschutzmaßnahmen notwendig seien: Lärmschutzwände, Lärmschutzwälle oder Lärmschutzfenster. Das erfordere Zeit, weil die vier Streckenabschnitte Hof–Marktredwitz, Marktredwitz–Weiden, Weiden–Regensburg, Regensburg–Obertraubling mit dem vorhandenen Fachpersonal nur schrittweise überprüft werden könnten.

Lesen Sie hier, wie der Bundestag wichtige Verkehrsprojekte wie die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg künftig schneller umsetzen möchte.

Weiden in der Oberpfalz

Akzeptanz für E-Züge fördern

Iffländer wünscht sich vom Bund organisierte Aktionen, bei denen den Bürgern demonstriert werde, "wie leise E-Züge eigentlich sind". Denn das schaffe Akzeptanz. Zudem brauche es ein klares Signal vom Bund an die Länder, dass man beim Thema Naturschutz gemeinsam anpacken wolle. Positiv hingegen sei, dass die Politik den Anwohnern in letzter Zeit häufiger Mittel für den Lärmschutz zur Verfügung stelle. Doch Iffländer betont: "Wenn man die Umwelt entlasten und die Fahrgastzahlen im Zugverkehr verdoppeln möchte, ist es wichtig, möglichst schnell auf die Schiene zu wechseln." Der Güterverkehr würde sich von den Straßen auf die Schiene verschieben. Durch die Strecke Regensburg-Hof fielen deutschlandweit 49 Mio Lkw-Kilometer pro Jahr weg. Vom elektrifizierten Güterverkehr profitierten auch diejenigen, die in unmittelbarer Nähe zu den Gleisen wohnten, weil E-Züge weitaus leiser seien als alte Dieselloks. Iffländer drückt das so aus: "Mehr Rauschen, weniger Donnern." Während man derzeit nachts im Bett stehe, wenn ein Güterzug vorbeidonnere, könne man sich an ein gleichmäßiges Rauschen leichter gewöhnen.

Mehr Züge für Personenverkehr

Und auch für den Personenverkehr bringe die Elektrifizierung Vorteile mit sich. So würde etwa zwischen Regensburg und Hof die Taktung erhöht. Derzeit fährt auf dieser Strecke einmal stündlich eine Regionalbahn - mit Umsteigen in Marktredwitz, und alle zwei Stunden ein Express. Auf elektrifizierten Bahnstrecken könnten weitaus mehr Regionalzüge fahren. Zudem ist ein Fernverkehrszug (IC) geplant, der zwischen München und Dresden pendelt.

Welche Änderungen bringt die Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof-Regensburg? Lesen Sie mehr.

Schwandorf
Regio-S-Bahn "vor allem Wahlkampfgetöse":

Ankündigung von Hans Reichhart "vor allem Wahlkampfgetöse"

Die Ankündigung des ehemaligen CSU-Verkehrsministers Hans Reichhart, dass im Großraum Regensburg vom Jahr 2024 an deutlich mehr Nahverkehrszüge fahren sollen, sind für Pro-Bahn-Experte Lukas Iffländer vor allem als "Wahlkampfgetöse" zu verstehen. Reichhart hatte angekündigt, dass es zu den Hauptverkehrszeiten am Morgen und am späteren Nachmittag auf fünf Strecken mindestens einen Halbstundentakt geben werde und in diesem Zusammenhang von einer "Regio-S-Bahn" und einem "S-Bahn-ähnlichen Verkehr" gesprochen. Iffländer wendet ein, dass Reichhart dabei nur über Studien und Möglichkeiten spreche. Zudem gebe es es zwischen Regensburg und Schwandorf bereits einen 30-Minuten-Takt, wenn man die Züge mit einbezieht, die nach Nürnberg weiterfahren. Zwar sei grundsätzlich eine schnellere Taktung als Übergang bis zur Elektrifizierung denkbar. Signalabstände könnten etwa verringert werden und dadurch mehr Züge fahren. Doch Iffländer äußert sich skeptisch: "Wenn ich die Ausschreibung durch den Freistaat mit der Anzahl der Züge sehe, glaube ich dem Reichhart. Vorher nicht."

Lesen Sie mehr über Hans Reichharts Ankündigung eines durchgängigen 30-Minuten-Takts für den Großraum Regensburg.

Regensburg

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