13.03.2019 - 16:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Brezen und Brot teurer

Seit Dienstag kosten die Beyer-Breze und das Schinkenhörnchen zehn Cent mehr. Auch bei anderen Bäckereien in Weiden und Umgebung müssen die Kunden mehr bezahlen.

Verkäuferin Nathalie Gulau, Philipp Beyer und seine Brezen: Frischgebackene Produkte kosten ein paar Cent mehr.
von Martin Staffe Kontakt Profil

Seit Dienstag kosten die Beyer-Breze und das Schinkenhörnchen zehn Cent mehr. Auch bei anderen Bäckereien müssen die Kunden tiefer in den Geldbeutel greifen.

Durchschnittlich um gut fünf Prozent hat die Bäckerei Beyer die Preise angepasst, erstmals seit zwei Jahren. Die Kunden müssen jetzt für eine Breze 1,20 und für eine Schinkenstange 1,50 Euro hinlegen. Philipp Beyer begründet das mit gestiegenen Rohstoffpreisen und höheren Lohnkosten. Der Gesetzgeber schreibe seit 1. Januar 2019 einen Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde vor. Zuvor lag er bei 8,84 Euro. Die Mehlpreise seien zweistellig gestiegen.

Neustadt an der Waldnaab

In den Rohstoffen sieht der Bäckermeister eh ein Problem. 2015 waren die Orangen vom Käfer befallen, 2016 mangelte es an Nüssen und 2017 an Vanille, 2018 ließ wegen der Trockenheit die Getreideernte zu wünschen übrig. "Wenn die Rohstoffe nicht mehr da sind, steigt der Preis." Eine Kontinuität sei nicht mehr selbstverständlich.

Einige Kollegen hätten bereits im Herbst die Preise angehoben, andere Anfang des Jahres, weiß Wolfgang Schmid aus Kulmain. Der Obermeister der Bäckerinnung Nordoberpfalz kündigt für sein Geschäft zum 1. Mai ein "humane Erhöhung" an. Ein Zwei-Pfund-Brot wird dann 20 Cent teurer, das Plundergebäck wird statt 1,10 entweder 1,15 oder 1,20 Euro kosten. "Das ist kein Riesenschritt", sagt Schmid.

Konnersreuth

Die Biobäckerei Retzer am Rehbühl hat schon nach den Sommerferien im September eine Anpassung vorgenommen. Laut Maria Retzer beträgt die Anhebung beim Gebäck zehn Cent, ebenso beim Brot. Die Kunden hätten Verständnis gezeigt.

Auch die Biobäckerei Forster in Windischeschenbach hat im Februar nachkalkuliert und verlangt seitdem für das Vollkornbrot 3,80 statt 3,60 Euro. Für ein Milchhörnchen werden 85 Cent fällig, vorher waren es 75. "Wir schauen, dass wir mit unseren Preisen im Rahmen bleiben. Ich will, dass sich alle gesund ernähren können", sagt Elisabeth Forster. Bäcker Otto Pinter in Vohenstrauß hat dagegen seine Preise stabil gehalten.

Die großen Bäckereien Schaller und Kutzer haben im Herbst Preisaufschläge vorgenommen, Brunner bereits im Frühjahr 2018. Bei allen drei Firmen seien derzeit keine weiteren Aufschläge geplant, wurde auf Anfrage mitgeteilt.

Kommentar:

Harter Kampf fürs tägliche Brot

Jetzt also Preiserhöhungen auch in den Backstuben. Doch die Zuschläge für Brezen und Co. fallen nicht gesalzen aus, sondern ganz moderat. Wenige Cent mehr für die Semmel, zehn Cent mehr für Brot und süße Leckereien. Die Argumente sind nachvollziehbar. Die Bäcker müssen die Mehrkosten für Mehl und andere Rohstoffe, aber vor allem die Lohnsteigerungen weitergeben.
Dafür erhält der Kunde erstklassige Qualität. Aber traditionelle Handarbeit und handwerkliches Können müssen etwas wert sein. Auch wenn in den Backstuben die Technik moderner geworden ist, die Rezepte sind die alten geblieben. Angesichts von Dumpingangeboten in Supermärkten, die tiefgekühlte industriell gefertigte Ware aufbacken, kämpfen kleine Bäckereien ums Überleben. Das geänderte Konsumverhalten hinterlässt beim Bäcker an der Ecke nicht selten das Gefühl, dass er nicht mehr gebraucht wird.

Martin Staffe

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.