14.02.2020 - 15:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ehepaar Ziegler und Ziegler: Wahlkampf über Parteigrenzen

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Politisches Engagement vererbt sich in etlichen Familien über Generationen. Manchmal nimmt es auch Umwege. Zum Beispiel in Person von SPD-Stadträtin Hildegard Ziegler und ihrem Mann Markus, der in Bechtsrieth CSU-Bürgermeister werden will.

Gestatten, Familie Ziegler: Markus (links) bekennt sich zur CSU, Ehefrau Hildegard ist eingefleischte Sozialdemokratin. Tochter Pia wirkt politisch noch ein bisschen unentschlossen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Zurück auf Anfang: 2013 lernt Hildegard Burger Markus Ziegler kennen. Sie ist für ihn damals die stellvertretende SPD-Fraktionssprecherin, er für sie der Zugführer bei der Weidener Feuerwehr. Dann haben zwei schnell gemerkt, was und vor allem wen sie wollen. 2016 war Hochzeit, 2017 kam Tochter Pia.

Eher ungewöhnlich ist, dass hier eine kohlschwarze und eine knallrote Biografie aufeinandertrafen. Streit hatten sie deswegen nie. Schon eher mal eine Diskussion vor dem Fernseher, wenn am Abend die überregionale Politik über den Bildschirm flimmert. "Du hattest immer Probleme mit Frau Nahles, ich eher, wenn ich unseren Ministerpräsidenten sehe", sagt die Ehefrau. "Dabei hat der Ministerpräsident doch so einen schönen Vornamen", frotzelt Mann Markus zur Antwort. Sie lacht.

Tja, Humor gehört zu den besten Klebstoffen einer Beziehung. Den beiden mangelt es nicht daran. "Ich werde manchmal von Parteifreunden gefragt, wie der schwarze Wahlkampf läuft", sagt Hildegard. Ihr Mann, der sich "Ur-Bechtsriether" nennt, bewirbt sich als Rathauschef und um einen Sitz im Kreistag. Ansonsten sei die Groko-Ehe bei den jeweiligen Parteifreunden kein Thema. So weit das Paar weiß, auch nicht hinter seinem Rücken. "Die Weidener SPD-Frauen mögen mich", freut sich Markus. Auch die beiden Freundeskreise, die über die Verbindung in Kontakt getreten sind, kommen gut miteinander aus.

Hildegard geht mit zum Hausfasching des TV Bechtsrieth und hat keine Probleme, sich auf der CSU-Modenschau, einer Wahlveranstaltung von OB-Bewerber Benjamin Zeitler, sehen zu lassen. Markus findet auf der anderen Seite "den Jens" und "den Kurt" sympathisch.

Negativbeispiele sind nicht weit

So etwas ist beileibe nicht selbstverständlich. In Waldsassen kam es vergangenes Jahr so weit, dass CSU-Stadträtin Annette Spreitzer-Hochberger ihr Mandat niederlegte, weil sie die Sticheleien aus ihrer Fraktion nicht mehr ertrug. Der Grund: Sie bekennt sich dazu, dass sie den SPD-Kollegen Robert Christ liebt.

Die Zieglers haben den Vorteil, dass sich der politische Abstand auch räumlich manifestiert. "Ich wäre nie in Weiden auf die CSU-Liste gegangen", betont Markus. Gekonnt hätte er schon. Das Paar hat formal seinen Erstwohnsitz in Weiden, wo Hildegard ein Haus besitzt. Der Gesetzgeber verlangt eben einen "ehelichen Mittelpunkt", obwohl die Zieglers mindestens genauso viel Zeit in Bechtsrieth verbringen. Dort hat Markus ein Haus mit in die Ehe gebracht.

Ein gleichzeitiger "Stadtsitz und ein Landsitz", wie die beiden flachsen, verlangt Organisationstalent. "Wir jonglieren viel, aber es klappt eigentlich gut. Manchmal ist es erstaunlich, wie günstig unsere Termine füreinander laufen, und dann haben wir auch noch die Omis. Hier ist eine ist nur 200 Meter entfernt", sagt Hildegard im Landsitz.

Klar gibt es Tage, wo sich das Paar nur eine Viertelstunde am Tag sieht. Denn für beide gilt: Was sie machen, machen sie richtig: Job, Partei, Hobbys, Familie. "Ich bewundere Markus, wie belastbar er ist", gesteht Hildegard. "Er fährt schon mal um halb vier in der Früh nach München, arbeitet, kommt heim und macht einen Abendtermin." Dazwischen regeln beide über Telefon und Whatsapp Einkauf, Kinderbetreuung und Freizeitgestaltung.

Hildegard kümmert sich nach einer Babypause wieder 20 Stunden am Landratsamt Neustadt um Bußgeldbescheide, Markus schiebt Schicht bei der Mobilen Einheit der Bundespolizei in Schwandorf. Die muss ran, wo sie gebraucht wird. An Bahnhöfen, am Münchner Flughafen, bei Fahndungen und Hausdurchsuchungen. Das ist manchmal nicht ungefährlich.

Zum Ausgleich stehen dann bei der Feuerwehr schon mal drei Tage à acht Stunden Drehleiterschulung an. "Es ist eben mein Hobby", sagt Markus, der sich in Weiden und in Bechtsrieth bei den Brandschützern einbringt.

Verantwortung übernehmen

Muss man sich da auch noch eine Bürgermeisterkandidatur, Ausschüsse und Infostände antun? "Ich stehe ihm da nicht im Weg", versichert Hildegard. "Es ist eine besondere Chance, die kommt vielleicht nur einmal. Und es läuft eben auf unsere Generation zu, jetzt Verantwortung zu übernehmen", zeigt sie Verständnis.

Sie selbst kann ja auch nicht ohne Politik. Nach der Arbeit hängt sie gerne mal eine Stunde dran und verteilt SPD-Prospekte. Und als Sprecherin im Weidener Bauausschuss fuchst sie sich nach Feierabend gern noch in Projekte rein.

Brüder wollen Bürgermeister werden

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Deswegen haben beide kein Problem, wenn sie bei Freunden und Bekannten auch als Mandatsträger oder Parteivertreter wahrgenommen werden und einen die Kommunalpolitik bis zu Grillpartys verfolgt. Entweder man ist Politiker oder eben nicht. "Ich bin ja dankbar, wenn die Leute mich fragen oder sagen, was sie von einer Sache halten", findet Hildegard.

Da sei es sogar von Vorteil, dass man über den Anderen überparteiliche und interkommunale Kontakte knüpfen könne. "Es ist zum Beispiel interessant, sich mit dem Josef Hammer aus Irchenrieth zu unterhalten", sagt die Sozialdemokratin.

Doch in welcher Richtung erzieht man die Tochter? Rot oder schwarz? "Das ist egal, ich hätte Probleme, wenn sie zur Linken oder zur AfD wollte", sagt der Vater. In einem Punkt hat er die Mutter schon überzeugt. Wenn Pia sechs ist, soll sie zur Bechtsriether Kinderfeuerwehr.

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