13.10.2019 - 13:15 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Erster "Großelterntag" in Bayern für Oma und Opa

Eine besondere Anerkennung soll Oma und Opa am 13. Oktober zukommen, wenn der erste bayernweite "Großelterntag" stattfindet. Doch braucht es dafür einen speziellen Tag? Wir haben nachgefragt.

Zu Ehren der Omas und Opas soll es in Zukunft einmal im Jahr einen "Großelterntag" geben.
von Redaktion ONETZProfil

Markus Söder hat auf Twitter angekündigt: "Wertschätzung für unsere Großeltern: Bayern führt deutschlandweit den ersten Großelterntag ein. Am zweiten Sonntag im Oktober würdigen wir Oma und Opa, die so viel leisten für ihre Kinder und Enkel." Der Großelterntag war geboren. Am 13. Oktober soll er mit einem Familienfest in München feierlich begangen werden. Allerdings kommt auch Kritik auf.

SPD-Landtagsabgeordneter Markus Rinderspacher beispielsweise bezeichnet den Feiertag als "Symbolpolitik" und fordert mehr Investitionen in altersgerechte Wohnungen. Und das meinen Omas und Opas sowie Enkel in Weiden und Neustadt:

CSU-Seniorenbeauftragte Gabriele Fröhlich

"Es ist selbstverständlich für Omas und Opas, den Kindern und Enkeln zu helfen", stellt Gabriele Fröhlich, CSU-Seniorenbeauftragte der Stadt Neustadt, klar. Dass Großeltern noch mehr gefragt sind, sei ganz normal, wenn junge Eltern im Beruf eingespannt sind. Dafür brauche es keinen besonderen Tag. Trotzdem kündigt die Neustädterin an, die selbst einen Enkel hat: "Beim nächsten Seniorennachmittag werde ich den Großelterntag besonders betonen."

Altenheimleiterin Stefanie Schricker

Für die Leiterin des Alten- und Pflegeheims St. Martin in Neustadt, Stefanie Schricker, sei der Tag "generell eine nette Geste". Aber: "Ich bin der Meinung, es braucht den Tag nicht. Vielmehr sollte auf die alltägliche Anerkennung und Dankbarkeit gegenüber Großeltern geachtet werden, nicht an nur einem speziellen Tag." Die Mutter einer siebenjährigen Tochter gibt dabei Beispiele aus ihrem eigenem Leben: "Meiner Erfahrung nach glaube ich, dass jeder Oma und jedem Opa ein Mal ein Bild, eine Blume oder eine einfache Umarmung mehr wert sind, als ein besonderer Tag im Jahr."

Ex-Landrat und Abgeordneter Simon Wittmann

Der ehemalige Landrat und Bundestagsabgeordnete der CSU Simon Wittmann hält den Großelterntag für eine gute Idee: "Mit dem Tag würdigt man die Leistungen von Großeltern, und der Zusammenhalt in der Familie wird gestärkt." Für ihn sei es wichtig, sagt der Tännesberger, die Rolle der Großeltern, vor allem bei der Erziehung der Enkel, hervorzuheben. Deswegen widerspricht der zweifache Opa Kritikern, die hinter der Einführung dieses speziellen Tages hauptsächlich ein wirtschaftliches Ziel vermuten.

Stadtjugendpfleger Ewald Zenger

Anderer Meinung ist der Weidener Stadtjugendpfleger Ewald Zenger. "Es fühlt sich an wie eine Inflation an symbolischen Tagen", meint der 60-Jährige, der selbst einen Enkel hat. Der Einsatz und die Hilfe von Großeltern sei logisch und selbstverständlich. Für die Entlastung dieser hat er aber einen anderen Vorschlag als die Einführung eines speziellen Feiertags: Eine Erhöhung der Löhne, so dass Eltern weniger arbeiten müssen und sich öfter selbst um ihre Kinder kümmern können.

Seniorenbeauftragte Lotte Hofmann, Alfons Heidingsfelder, Udo Müller

"Großeltern sind oft ein Ersatz der Eltern", konstatiert Lotte Hofmann. Die Seniorenbeauftragte der Stadt Vohenstrauß hatte in ihrer Vita einige hochrangige Ämter inne, sei es als Stadträtin oder im Kreisrat in den Reihen der CSU. Trotzdem kam die Familie in ihrem Leben nicht zu kurz. Heute spricht die fünffache Urgroßmutter aus Erfahrung: "Enkel bauen ihre Großeltern auf und bereiten ihnen große Freude. So ist das auch bei meinen Enkeln und Urenkeln. Mit ihnen verbringe ich oft die schönsten Momente." Deshalb hält sie den Feiertag für eine tolle Idee. "Das ist wie ein kleines Dankeschön."

"Soll der Ministerpräsident nur machen", sagt der scheidende Seniorenbeauftragte der Stadt Weiden, Alfons Heidingsfelder. Großeltern und gar Urgroßeltern würden eine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe erfüllen. Dabei sei die aber freiwillig, und es werde keine Gegenleistung erwartet. "Deswegen bin ich der Meinung, man sollte die Großeltern nicht nur an einem bestimmten Tag würdigen, sondern das ganze Jahr einfach immer mal wieder ,Danke' sagen. Es gibt sowieso schon so viele Feiertage." Trotzdem: Die grundlegende Idee sei gut, aber eben nur solange der Tag nicht zweckentfremdet werde.

Eschenbachs Seniorenbeauftragter Udo Müller sehe zwar den Nutzen des Tages und finde die Idee grundsätzlich gut. Letztendlich befürchtet der fünffache Großvater aber die Kommerzialisierung. "Das kann dann wieder darauf hinauslaufen, dass es ein mal pro Jahr einen Blumenstrauß gibt, und dann nichts mehr", fügt der SPD-Stadtrat an.

Ex-Landtagsmitglied Petra Dettenhöfer

Petra Dettenhöfer, ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete aus Kirchenthumbach, gefällt die Idee des "Großelterntags". "Meiner Meinung nach ist der Tag nicht direkt eine große Würdigung, sondern eher ein Denkanstoß. Das finde ich gut", sagt die Großmutter eines Enkels, mit dem sie diesen Tag verbringen möchte.

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.