21.09.2020 - 18:28 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Evakuierung des BRK-Seniorenheims: Mammut-Projekt unter besonderen Hygienevorschriften

86 Bewohner des BRK-Seniorenheims werden am Sonntag evakuiert, damit sie in Sicherheit sind, falls ein Blindgänger gefunden wird. Ein Mammutprojekt gerade während einer Pandemie, wie BRK-Kreisgeschäftsführer Sandro Galitzdörfer erklärt.

200 größtenteils ehrenamtliche Helfer begleiten am Sonntag die Evakuierung von 86 Bewohnern des BRK-Seniorenheims in Weiden. Auch die Heimmitarbeiter werden im Dienst sein.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Auf die Frage, wie groß am Sonntag die Herausforderung für das Rote Kreuz ist, antwortet Sandro Galitzdörfer: „Auf einer Skala von 1 bis 5 sind wir bei einer 4 – aber nur wegen der Herausforderung durch das Coronavirus. Das ist für uns Neuland. Wir hatten noch keinen Fall einer Evakuierung während Corona.“ Ohne die Pandemie freilich wäre der Einsatz im BRK-Seniorenheim, das wegen möglicher Blindgänger im Boden beim Wasserwerk vollständig evakuiert werden muss, mehr oder weniger Routine.

Für solche Fälle seien die Helfer vom Roten Kreuz trainiert, erklärt der Kreisgeschäftsführer. Und sie brächten spätestens seit dem Brand im Seniorenheim St. Martin in Neustadt vor zwei Jahren praktische Erfahrung mit. Am Sonntag gelte es, die Bewohner während der Evakuierung durch die Einhaltung der Hygienevorschriften bestmöglich zu schützen, ihre Verpflegung sicherzustellen und ihren Alltag so wenig wie möglich zu stören. Während dies besonders für die Bewohner mit schweren Erkrankungen oder Demenz eine große Herausforderung darstelle, hätten andere Bewohner bereits signalisiert, sich auf den „kleinen Ausflug“ zu freuen.

Fast 200 Ehrenamtliche im Einsatz

Die Evakuierung unter der Leitung von Stadtbrandrat Richard Schieder beginnt laut Galitzdörfer gegen 8 Uhr mit der ersten logistischen Herausforderung. In 35 Rettungsfahrzeugen werden die Bewohner zur Notunterkunft in der Turnhalle der Europa-Berufsschule gebracht. Vor dem Seniorenheim gibt es eigentlich nur einen Anfahrtsweg, der für diese Menge an Fahrzeugen nicht geeignet wäre. „Wir richten ein Einbahnstraßen-System ein und fahren durch den Hof der Max-Reger-Schule“, erklärt der Kreisgeschäftsführer. In jedem Fahrzeug befinden sich neben dem Fahrer ein Sanitäter und lediglich ein Bewohner, so dass allein 70 Helfer auf vier Rädern im Einsatz sein werden. „Die Bewohner sind nie allein“, betont Galitzdörfer. „Auch, wenn unterwegs was ist, werden sie versorgt.“ Die rund 200 Helfer – fast alles Ehrenamtliche – reisen bis aus Niederbayern an. Einsatz-Abschnittsleiter des BRK koordinieren die An- und Abfahrt sowie den Transport. Für diesen sind neben den Rettungsfahrzeugen auch drei Niederflurbusse des Busunternehmens Wies vor Ort, in denen Bewohner transportiert werden.

Bei all dem gelte es, die Hygienevorschriften einzuhalten: Das BRK-Personal wird während der Transporte Schutzanzüge, -brillen und Masken tragen, den Bewohnern werden von der Stadt Weiden Masken zur Verfügung gestellt, in den Bussen wird der Abstand von 1,50 Metern eingehalten. Außerdem werde man darauf achten, dass die Bewohner der drei Stockwerke des Heims nicht untereinander in Kontakt kommen. „Das ist eine Herausforderung, aber wir werden nichts durcheinander mischen.“

Kein Besuch von Angehörigen

Großen Aufwand betreibt das Rote Kreuz auch in der Turnhalle der Berufsschule. Das BRK-Personal wird getrennt von den Senioren in der Aula untergebracht, die Heimbewohner in der Turnhalle, wo sie von den ihnen bekannten Mitarbeitern betreut werden. Hier werden auch Betten stehen. Die Senioren aus den drei Stockwerken werden durch Holzwände voneinander getrennt untergebracht. Für Senioren, die ein Pflegebett benötigen, stehen ebendiese in den Ballett-Sälen der Turnhalle bereit. Hier kommen auch infektiöse Bewohner unter. „Sie haben Keime, kein Coronavirus“, betont Galitzdörfer. „Wir sind coronafrei.“ Unterstützt wird das Heimpersonal von Mitarbeitern aus drei anderen Heimen, die vom BRK getragen werden. In der Turnhalle wird eine Feldküche aufgebaut, in der das Küchenpersonal des Seniorenheims wie gewohnt Suppen, Hauptgerichte und Nachspeisen zubereiten wird. „Am Nachmittag gibt es Zwetschgenkuchen“, so Galitzdörfer. „Und weil die Senioren immer um 17 Uhr Abendessen bekommen, wird dieses angerichtet, bevor es an den Rücktransport geht. Wir versuchen, den Alltagsablauf so weit wie möglich aufrecht zu erhalten.“

Für Angehörige richtet das Rote Kreuz eine Hotline ein, kündigt der Kreisgeschäftsführer an. Diese sei ausschließlich für Angehörige am Sonntag ab 8 Uhr unter 0175/4 480 758 erreichbar. Wegen der Hygienevorschriften untersagt seien Besuche von Verwandten in der Notunterkunft. Galitzdörfer: „Besuche sind erst wieder ab Montag in alter Umgebung möglich.“

"Auf einer Skala von 1 bis 5 sind wir bei einer 4 – aber nur wegen der Herausforderung durch das Coronavirus."

Sandro Galitzdörfer

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