24.08.2018 - 14:29 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Meine Existenz ist ruiniert": Landgericht Weiden stellt Verfahren gegen Ex-ATU-Manager ein

Es soll Betrug im großen Stil gewesen sein. 2017 verurteilt das Amtsgericht einen Ex-ATU-Manager und einen Dienstleister in ja 64 Fällen zu Bewährungsstrafen.

Die Urteile im Berufungsverfahren gegen einen ehemaligen ATU-Manager und einen externen Dienstleister fallen deutlich milder aus.
von Julia Hammer Kontakt Profil

(juh) Zweieinhalb Stunden dauert das Verfahren am Landgericht Weiden am Donnerstag, dann steht das Urteil gegen den ehemaligen leitenden Angestellten von Auto-Teile-Unger (ATU) fest: Das Verfahren wird eingestellt. Vor rund einem Jahr verurteilte ihn ein Schöffengericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung. Der Vorwurf: Der heute 41-jährige Oberbayer soll mit einem - ebenfalls angeklagten - externen Dienstleiter von November 2014 bis Februar 2015 das Unternehmen ATU um rund 90 000 Euro betrogen haben.

Der Dienstleister habe 106 Rechnungen an ATU gestellt für Arbeiten, "die nicht nachgewiesen werden konnten" - unter anderem die Reinigung der Außenanlagen von 69 bayerischen Filialen (je 654 Euro) sowie Schulungen. Der ehemalige Regionalleiter Bayern habe laut Staatsanwalt die Rechnungen zur Zahlung angewiesen, obwohl die Leistungen nie erbracht worden seien. Das Unternehmen ATU erleidet einen "erheblichen finanziellen Schaden". Beide Angeklagte bestritten die Vorwürfe während der Hauptverhandlung. "Ich war nur noch unterwegs - Konferenzen, Ausschüsse", begründete der Ex-Manager, warum er nicht jede einzelne Rechnung genau geprüft habe. Zu viel Stress, zu viel Arbeit. Der gebürtige Oberbayer habe eigenverantwortlich über eine Summe von bis zu 25 000 Euro aus ATU-Konten verfügen können, um damit Rechnungen zu begleichen.

Zudem sei er von der Unternehmensführung beauftragt worden, für ein verbessertes Erscheinungsbild von ATU zu sorgen - auch in den Außenbereichen. Der Mann erteilte seinem Mitangeklagten, einem gelernten Kfz-Mechaniker, die Aufträge. Er sollte sich um Reinigungsarbeiten kümmern. "Viele erfüllte er nicht", zitiert Richter Josef Weidensteiner am Donnerstag aus den Akten der ersten Verhandlung. Über Hundert Zeugen sagten in dem Prozess aus, die Kammer sichtete Rechnungen und Beweisstücke. Im Juli 2017 verurteilte das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Gerhard Heindl die Männer zu Bewährungsstrafen - den Manager zu einem Jahr und vier Monaten, den Mechaniker zu zwei Jahren. Beide Männer sowie die Staatsanwaltschaft legten Berufung ein. Am Donnerstag wurde die Verhandlung neu aufgerollt - vor einer Kammer des Landgerichts Weiden. In der Zwischenzeit hatte der 42-jährige Dienstleister ein Teilgeständnis abgelegt. Zwölf der 64 Fälle, für die er vergangenes Jahr verurteilt wurde, bestreitet er bis heute.

"Der Prozess war eine katastrophale Belastung. Ich habe alles verloren - meinen Job, meine Frau hat sich getrennt", erzählt der Oberbayer vor Verhandlungsbeginn. Zeugen sind an diesem Tag nicht geladen. Kurz nach der Eröffnung ziehen sich die Kammer, die Verteidiger und die Staatsanwältin zu einem Rechtsgespräch zurück, diskutieren knapp eine Stunde, ob sie in diesem Fall zu einer "Einigung" kommen können, ohne noch einmal die mehr als Hundert Zeugen anhören zu müssen.

"Die Kammer gab zu bedenken, dass für den Nachweis der Untreue erhöhte Anforderungen bestehen, die sich aus den von der ersten Instanz protokollierten Unterlagen nicht zwingend ergeben", betont Weidensteiner. Das Verfahren gegen den Oberbayer wird gegen eine Auflage von 6000 Euro vorläufig eingestellt. Auch die Strafe seines Mitangeklagten fällt im Berufungsverfahren geringer aus. Die Kammer spricht ihn in den zwölf Fällen, die er bestreitet, frei. Seine Gesamtfreiheitsstrafe für die übrigen 52 Fälle des Betrugs beläuft sich nun auf zwölf Monate auf Bewährung. Sowohl sein Geständnis als auch die Tatsache, dass er in geordneten sozialen Umständen lebt, habe sich positiv ausgewirkt, begründet Weidensteiner das Urteil.

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