29.06.2021 - 10:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ein Fußballverein will umziehen: FC Weiden-Ost bietet Sportplätze als Bauland an

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Der FC Weiden-Ost hat ein ungewöhnliches Problem: viel zu viele Aktive. Deshalb will er ein neues, modernes Sportgelände. Das alte könnte die Stadt ablösen. Fußballfelder sollen zu Bauplätzen werden.

Die einen trainieren, die anderen bestreiten Spiele: Täglich ab 16 Uhr kicken beim FC Weiden-Ost jede Menge Mannschaften gleichzeitig.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Wer noch entschleunigte Lockdown-Verhältnisse gewohnt ist, schrickt erstmal zurück. Freitag, 17 Uhr: Auf dem Rasen und daneben herrscht das pralle, bunte Leben. Die E-1-Jugend bestreitet ihr erstes Vorbereitungsspiel, lautstark angefeuert von Eltern und Betreuern am Spielfeldrand. Nur wenige Meter entfernt kickt die F-Jugend. Bepackt mit Sporttaschen, trudeln gerade die Spieler der ersten Mannschaft ein, um sich fürs Training fertigzumachen. Für den gelegentlichen Besucher ein unübersichtliches Gewusel, ein lebendiges Wimmelbild. Für stellvertretenden Vorsitzenden Marcus Meier "ein typischer FC-Weiden-Ost-Tag".

Problem dabei: Der typische FC-Weiden-Ost-Tag wird dem Verein mittlerweile selbst zu viel. Die Spieler, vor allem Kinder und Jugendliche, werden immer mehr. Nach 17 Mannschaften in der Saison 2019/20 sind nun 20 im Spielbetrieb – Vereinsrekord. Das fast 50 Jahre alte Sportgelände an der Stresemannstraße ist dafür längst zu klein geworden. "Wir platzen aus allen Nähten", klagt Vorsitzender Franz Bäumler. Der Verein verfügt über "zweieinhalb Plätze", für Ligaspiele ist nur einer geeignet. Die Teams improvisieren, weichen zum Training auf den Kepler-Sportplatz aus, bekommen Asyl bei anderen Vereinen wie DJK und VfB. "Sonst könnten wir nicht überleben." Die Organisation ist höchst kompliziert. Alles keine Dauerlösung. Eine solche will der FC Weiden-Ost jetzt aber unbedingt haben.

Vielversprechende Vorgespräche

Bäumler und den Seinen schwebt das Modell SpVgg SV vor: Die Stadt soll das alte Sportgelände, etwa 30.000 Quadratmeter groß, übernehmen und in Bauland umwidmen. Im Gegenzug würde der Verein ein nagelneues, ausreichend großes Areal an anderer Stelle bekommen. Wie berichtet, gelang der SpVgg SV Weiden ein ähnlicher Deal, als ihr die Stadt das Gelände in der Stockerhut gegen Kunstrasenplätze beim Sportzentrum am Langen Steg tauschte. Die Vorgespräche des FC Ost mit Stadtkämmerin Cornelia Taubmann und Stefan Rögner vom Amt für Liegenschaften verliefen vielversprechend. "Wir haben Ideen, wie das funktionieren könnte", erklärt Rögner. Man sei auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück. "Unser Gelände wäre einer der schönsten Bauplätze in Weiden", wirbt Vorsitzender Bäumler für den Tausch, Vize Meier spricht von einer "Win-Win-Situation".

Die Zeit drängt. Der FC Weiden-Ost müsste in absehbarer Zeit viel Geld in dringende Renovierungen stecken. 30.000 Euro kostet allein ein Ballnetz zur B 22 hin. Hinzu kommt der Druck durch die vielen Aktiven. Ausgerechnet Corona bescherte den Ostlern weiteren Zulauf: Herrscht bei einem Verein im Umkreis nun Mangel an Nachwuchsspielern, zieht es die wenigen verbliebenen Kicker dorthin, wo noch Mannschaften zusammengehen – zum Beispiel eben zum FC Weiden-Ost. Eine Belastungsprobe für alle, nicht zuletzt auch für den Platz. "Wenn wir zu viele Teams drauflassen, wird er kaputt", stellt Sportlicher Leiter Martin Oppitz fest. "Wir sind Oberkante Unterlippe." Der Verein habe derzeit den Höchsttand an Mannschaften, 3 der 20 sind Bambini, 3 weitere F-Jugend. Insgesamt 300 der 350 Fußballer kicken im Nachwuchsbereich. Schatzmeister Florian Gillitzer nennt den FC Ost den "letzten Fußballverein in Weiden, der noch durchgängige Jugendarbeit leistet".

Eins nach dem anderen

Bei einem Treffen im Sportheim schildern die Verantwortlichen Stadträten aller Fraktionen ihre Nöte. Und sie nennen ihren Bedarf: ein Fußballplatz für Spiele, ein Kleinfeld, ein Trainings-, ein Kunstrasenplatz. Zwei Plätze bräuchten Flutlicht. Ein "grundsätzliches Ja" übermittelt Bürgermeister Lothar Höher auch im Namen des Oberbürgermeisters. Allerdings mahnt er, "beim zeitlichen Fortgang nicht zu euphorisch zu sein". Die Stadt müsse sich zunächst auf die Bebauung von Stockerhut und TB-Gelände konzentrieren. Die Kapazitäten im Bauamt seien begrenzt. "Wir können nicht uferlos Bauland entwickeln, ohne dass etwas passiert. Erst müssen wir die laufenden Projekte komplett abarbeiten." Mögliche Hürden bei den rechtlichen Rahmenbedingungen nennt Baudezernent Oliver Seidel – die beabsichtigte Versiegelung von Flächen könnte ebenso gegen das Vorhaben sprechen wie die Nachbarschaft des Sportgeländes zur Bundesstraße. Höher: "Die Probleme liegen im Detail."

Entsprechend vage sind Angaben zum zeitlichen Horizont. "Da muss man eher in fünf Jahren planen als in zwei Jahren", meint CSU-Fraktionschef Benjamin Zeitler. Für Bäumler kein Problem: "Es wäre unser Wunsch, vielleicht in fünf Jahren umziehen zu können." SPD-Fraktionsvorsitzender Roland Richter plädiert dafür, Alternativlösungen zu entwickeln, um Akuthilfe leisten zu können. Zum Beispiel Flutlicht für den "Kepler"-Platz, damit mehr Teams des FC Weiden-Ost auch in den dunklen Herbst- und Wintermonaten am Abend trainieren können. Baudezernent Seidel merkt an, dass die Sportplätze in Weiden unterschiedlich ausgelastet seien. Hier sei eine "Konsolidierung" nötig.

So oder so: "Wir brauchen eine Perspektive", appelliert Oppitz und klingt dabei beinahe verzweifelt. Draußen ist derweil ein völlig untypisches Bild für einen "typischen FC-Ost-Tag" zu sehen: Leergefegte Plätze. Ein Kunststück, das derzeit nur sintflutartigen Gewitterschauern gelingt.

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Hintergrund:

FC Weiden-Ost

  • Gegründet am 23. November 1973
  • 670 Mitglieder
  • 350 Aktive, davon rund 300 Kinder und Jugendliche
  • 20 Mannschaften im Spielbetrieb
  • Sportgelände an der Stresemannstraße, etwa 30.000 Quadratmeter groß
  • Vorsitzender Franz Bäumler, Stellvertreter Marcus Meier
  • Homepage: www.fcweiden-ost.de

 

 

Kommentare

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Tom Arnold

Vielleicht wäre ein zentrales Sportzentrum in Weiden, welches auch anderen Vereinen und Schulen zugänglich wäre eine Lösung.

19.07.2021