09.06.2020 - 16:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Grenzöffnung zu Tschechien: Hoffnung auf neuen Einkaufstourismus in Weiden

Seit Freitag, 5. Juni, sind die Grenzübergänge zwischen Deutschland und Tschechien wieder offen. Für tschechische Arbeiter und die Einzelhändler in Weiden eine positive Nachricht. Nur die Tabakverkäufer freuen sich nicht.

Tschechischer Einkaufstourismus als wichtiger Wirtschaftsfaktor in Weiden kam durch die Grenzschließung vollständig zum Erliegen. Nimmt er nun wieder Fahrt auf?
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Die Landesgrenzen zwischen Deutschland und Tschechien waren seit Anfang März geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Damit kam der Einkaufstourismus in Weiden komplett zum Erliegen. Die überraschende Grenzöffnung am 5. Juni gibt den Verantwortlichen nun Grund zur Hoffnung.

Andrea Schild-Janker, Geschäftsführerin des Stadtmarketings in Weiden, glaubt: "Ich denke schon, dass bald wieder viele tschechische Kunden nach Weiden kommen, um hier einzukaufen. Die Kunden aus dem Nachbarland sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Handel und Gastronomie." Sie hofft, dass nach anfänglicher Zurückhaltung wieder viele tschechische Touristen den Weg nach Weiden finden werden.

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Tolles Signal zur Ferienzeit

Ungefähr ab Juli plane das Stadtmarketing auch wieder Werbung im Nachbarland. Tobias Sonna, Einzelhandelssprecher in Weiden, hält die schnelle Grenzöffnung für ein "tolles Signal zur Ferienzeit". Im Austausch mit anderen Einzelhändlern, hätten die Händler schon vor Wochen branchenübergreifend festgestellt, dass die tschechischen Kunden spürbar fehlen. "Ich denke, es wird langsam anlaufen, eher peu à peu und nicht von Null auf Hundert." Zum jetzigen Zeitpunkt sei noch kein Ansturm in den Geschäften festzustellen.

Erste Bilder von der offenen Grenze

Waidhaus

Kurz nach der Öffnung des Einzelhandels habe es vor allem Bedarfskäufer gegeben, langsam kämen auch wieder "Schlenderer" dazu. Zusätzliche Vorbereitungen auf einen eventuellen Kundenansturm aus Tschechien seien von Seiten der Geschäftsleute laut Sonna nicht notwendig. "Wir haben im Moment sowieso schon strenge und sinnvolle Maßnahmen, zum Beispiel bezüglich der maximalen Anzahl an Kunden in einem Laden. Ich wüsste nicht, wie man da noch mehr machen könnte." Das Umsetzen der Hygienemaßnahmen klappe in der Praxis sehr gut, die Kunden seien verständnisvoll.

Viele Kündigungen durch Grenzschließung

So ganz seien die tschechischen Kennzeichen aber gar nicht aus Weiden verschwunden, erklärt Schild-Janker. "Es gab ja trotzdem einige Pendler, die dann auch hier eingekauft haben." Besonders für die tschechischen Arbeitnehmer, die in Deutschland arbeiten, waren die vergangenen Monate eine kräftezehrende Zeit. Nach den anfänglich kompletten Grenzschließungen mussten die Arbeitnehmer auf ihrem Weg nach Deutschland alle zwei Wochen einen negativen Test auf das Coronavirus beim Grenzübertritt vorweisen. Das fällt mit der Grenzöffnung weg. Nun können sie ein wenig aufatmen, wie Petr Arnican von der Abteilung grenzüberschreitende Beziehungen beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Bayern, erklärt.

Hier gibt's ein Video zur Grenzöffnung

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Die Freude darüber bei den Arbeitnehmern sei groß – sofern sie ihren Job nicht verloren hätten. Denn Petr Arnican berichtet von zahlreichen Kündigungen aufgrund der Grenzschließung, die zum Teil sogar unrechtmäßig gewesen seien. "Ich habe in den letzten Wochen viel gesehen. Kündigungen ohne Kündigungsfrist oder rückwirkende." Viele Arbeitgeber hätten aber auch geholfen und für ihre Mitarbeiter Unterkunft und Verpflegung besorgt. Wie viele Arbeitnehmer aus Tschechien tatsächlich von Kündigungen anlässlich der Grenzschließung betroffen waren, lässt sich aktuell schwer sagen. Arnican meint: "Die Zahlen kommen erst noch. Ich schätze, es ist ein niedriger vierstelliger Bereich."

Kein Einfluss im Landkreis Neustadt/WN

Auf den Einzelhandel im Landkreis Neustadt an der Waldnaab hätten Individualreisende aus Tschechien keinen großen Einfluss, glaubt Claudia Prößl, Pressesprecherin des Landratsamtes. Meist habe der Einkaufstourismus aus dem Nachbarland eher Weiden zum Ziel. Während sich die meisten Einzelhändler in der Region über die offenen Grenzen freuen, bedeutet das für die Tabakhändler in Weiden und Umgebung die Rückkehr zum Normalzustand.

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Umsatzplus beim Tabakhandel

Nach Auskunft von Franz Schöner, der unter anderem auch im Tabakgroßhandel tätig ist, gab es in den vergangenen Wochen ein spürbares Umsatzplus, nachdem es Rauchern in der Region durch die Grenzschließung nicht mehr möglich war, ihre Tabakwaren günstiger in Tschechien einzukaufen. "In der Summe war es sicher mehr Umsatz, vor allem an den Tankstellen." Und das, obwohl viele Automaten im Altstadtbereich oder in geschlossenen Gastronomien weniger stark bis gar nicht genutzt wurden. Doch die Freude war von kurzer Dauer: "Ich rechne damit, dass sich der Umsatz nach der Grenzöffnung wieder auf dem Normalniveau einpendelt."

Schon seit einigen Jahren gebe es in der Region ohnehin kaum Tabakgroßhändler mehr. Der Preisunterschied zu Tschechien sei einfach massiv. Auch Franz Schöner hat weitere Standbeine, "da man in der Grenzregion davon nicht mehr leben kann". Die Umsatzschwankungen während der Coronakrise hätten ihn dementsprechend wenig betroffen.

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