05.03.2021 - 14:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

ILS Weiden zieht Bilanz: "In jeder Hinsicht ein besonderes Jahr"

Die Rettungskräfte in der nördlichen Oberpfalz haben ein arbeitsintensives Jahr hinter sich. Das lag vor allem an dem Coronavirus, doch es gab auch andere Probleme zu bewältigen: Bomben etwa. Und Gerüchte rund um den Rettungshubschrauber.

Der neue Hubschrauber bietet im Inneren mehr Platz für eine bestmögliche Versorgung der Patienten.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Einmal im Jahr laden die Integrierte Leitstelle Nordoberpfalz (ILS) und der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehr zur Pressekonferenz ein, um die Einsatzzahlen und Schwerpunkte des vergangenen Jahres darzulegen. Corona hatte diesmal nicht nur Einfluss auf die Statistik, sondern auch auf die Wahl des Veranstaltungsraums. Um genügend Abstand halten zu können, fand die Konferenz im Gustl-Lang-Saal der Max-Reger-Halle statt.

Die ILS 2020 in Zahlen: Mehr Notfälle mit Kindern

Weiden in der Oberpfalz

Geschäftsleiter Alfred Rast umriss 2020 mit „ABC“: Alarmierung, Bombe und Corona. „Es war in jeder Hinsicht ein besonderes Jahr“, sagte er. Dabei ging er auf die Vorwürfe ein, die es rund um die Einsätze des Rettungshubschraubers gegeben hat. „Unsere Alarmierungen erfolgen nach rechtlichen Grundlagen und Vorgaben“, setzte er der leidigen Diskussion ein Ende. Ebenso der Fliegerbombenverdacht, der eine Evakuierung der ILS nach München notwendig gemacht hat, sorgte für große Aufregung. Rast erinnerte zudem an eine Besprechung mit Dr. Thomas Holtmeier vom Gesundheitsamt, die vor einem Jahr am Aschermittwoch stattgefunden hatte. Holtmeier habe damals schon gewarnt: „Da rollt was auf uns zu.“ „Wir haben diese Warnung von Anfang an ernst genommen“, sagte Rast.

In der Coronakrise habe es bei der ILS keine nennenswerten Personalausfälle gegeben. Auch der Rettungsdienst habe vor allem in der ersten Welle im März und April aufrecht erhalten werden können. In der Rettungswache II in Weiden sei die Empfehlung von Dr. Gudrun Graf umgesetzt worden, eine Infektionsstrecke einzurichten. Hier sind die Fahrzeuge nach Coronaeinsätzen desinfiziert worden, und das Personal konnte duschen und sich neu einkleiden.

ILS: Evakuierung nach Bombenalarm

Weiden in der Oberpfalz

Weitere Schwerpunkte 2020 waren die Neuvergabe des Hubschrauberbetriebs mit der Entscheidung für eine leistungsstärkere Maschine. Hier hätten auch die Krankenkassen zugestimmt. Rast sprach die Werbekampagne an, die mehr junge Ärzte für den Rettungsdienst rekrutieren soll und die neue Digitaltechnik. Abschließend dankte er Landrat Andreas Meier für das immerwährende offene Ohr und die Bereitstellung aller Mittel sowie allen ehrenamtlichen Rettungskräften.

Meier ging ebenfalls ein Jahr zurück. „Damals zog das Thema Corona langsam am Horizont herauf“, erinnerte er. „Wir waren aber rückblickend immer Herr der Lage und haben gemeinschaftlich die richtigen Entscheidungen getroffen“, sagte er. „Ich möchte meinen Dank an alle richten, die sich über die Maßen engagiert haben.“ Das sei wie in einem Computerspiel gewesen, in dem man endlich Level 1 geschafft hat, aber sofort wieder vor neuen Herausforderungen steht.

Langsam werde es besser, was zum einen am Impfstoff und zum anderen an der Erfahrung liegt. Im Frühjahr habe es noch Anleitungen gegeben, wie man aus einem Geschirrtuch einen Mundschutz näht. Der Leitspruch habe sich jedoch erfüllt: „Bei uns ist die Sicherheit der Bürger gut aufgehoben.“

Einsätze des Rettungshubschraubers im Visier

Weiden in der Oberpfalz

ILS-Leiter Jürgen Meyer richtete an seine Mitarbeiter einen besonderen Dank. "Wir hatten 2020 die geringste Krankheitsrate seit Jahre. Alle standen hinter der Dienststelle. Und darauf bin ich stolz." Es habe im vergangenen Jahr Tage "mit einem irren Aufkommen" gegeben. "Man kommt am Morgen rein und hat schon ein Gefühl für die Situation", blickte er zurück. "Es läuft einem die Gänsehaut auf, wenn man hört, wie die Kollegen um Hilfe schreiende Angehörige am Telefon haben."

Manchmal ging es zunächst auch nur um einen Krankentransport, der einen Patienten mit Atembeschwerden und grippeähnlichen Symptomen im Laufe des Tages ins Klinikum habe bringen sollen. "Doch dann kam 20 Minuten später erneut ein Anruf, dass der Patient keine Luft mehr bekommt und sofort geholt werden muss", berichtete der ILS-Leiter.

Das Bürgertelefon, das am 16. März eingerichtet worden war, wurde in den ersten Tagen förmlich überrollt. 15 Ärzte haben sich dafür ehrenamtlich engagiert und bis zum 1. Mai 6972 Anrufe entgegen genommen. Aufgrund der Pandemie habe es 132 Besprechungen gegeben und rund 45 Novellierungen der Dienstanweisungen.

Hintergrund:

Pandemie in Zahlen aus Sicht der ILS

  • 28. Februar: Anpassung der Notrufabfrage
  • 16. März: Feststellung des Katastrophenfalls und Einrichtung des Bürgertelefons
  • 17. März: Helfer vor Ort (HvO) und First Responder stellen vorübergehend den Dienst ein
  • 12 Prozent aller Krankentransporte gehen auf das Coronavirus zurück

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.