04.08.2021 - 17:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Immer mehr Promotionen an der OTH Amberg-Weiden

Elisabeth Schmidl und Oliver Haas krönen ihre akademische Karriere mit einem Doktortitel an der OTH Amberg-Weiden. Im Gespräch verraten sie, warum mehr Geld nicht der Grund dafür ist.

Elisabeth Schmidl (30) aus Amberg promoviert an der OTH Amberg-Weiden.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Wer sich unter einem Doktoranden einen in sich gekehrten Bücherwurm vorstellt, liegt im Fall von Elisabeth Schmidl, Doktorandin an der OTH Amberg-Weiden, völlig daneben. Die 30-Jährige brennt für ihr Promotionsthema: Unterstützung von Energiemanagementkonzepten durch Künstliche Intelligenz und Simulation. Dabei soll erforscht werden, wie in Produktionsanlagen über Maschinelles Lernen Energie eingespart werden kann – ohne viel zusätzliche Arbeit für den Menschen.

Dass Elisabeth eine Promotion absolviert war zunächst gar nicht geplant: "Ich hatte mich nach meinem Master in Regensburg eigentlich für eine andere Stelle an der OTH hier beworben." Ihr jetziger Chef am Standort in Amberg hatte aber noch ein Forschungsprojekt in der Schublade – etwas mit Energieeinsparung und Automatisierungstechnik. "Dafür habe ich mich immer schon begeistert." Sie sagt zu. Schließlich liegen "Umwelt und Energie gerade total im Trend". Und die Forschungsergebnisse sprechen schon bald für sich. "Wir hatten so viele tolle Ergebnisse, da hat es sich einfach angeboten diese auch in einer Dissertation zusammenzufassen." Seit 2018 arbeitet sie deshalb an ihrer Promotion.

Kooperative Promotionen

Erst seit 2006 sind "kooperative Promotionen", wie die von Elisabeth, an einer Technischen Hochschule überhaupt möglich. Früher war diese akademische Weiterbildung Universitäten vorbehalten. Wie die OTH Amberg-Weiden in einer Pressemitteilung erklärt, haben Technische Hochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften kein eigenständiges Promotionsrecht. Den Grundstein für die kooperativen Promotionen legte 1999 der Bolognaprozess, der unter anderem Masterabschlüsse von Universitäten und Fachhochschulen gleichsetzte.

Im Jahr 2006 wurden dann die kooperativen Promotionsverfahren eingeführt. Dabei wird der Promovierende jeweils von einem Professor einer Universität und einem Professor einer Technischen Hochschule betreut. In Elisabeths Fall ist deshalb auch die Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen mit im Boot.

Was ist das Promovierenden-Netzwerk?

Elisabeth gibt zu: "Die Umstellung vom praxisorientierten Arbeiten, das ich von der FH kannte auf die wissenschaftliche Arbeit, die bei der Promotion notwendig ist, hat schon etwas gedauert." Im Prinzip sei die Promotion nichts anderes als eine Ausbildung in der man alles rund um das wissenschaftliche Arbeiten lernt, sagt Elisabeth. Bei der Umstellung geholfen hat ihr vor allem auch der Austausch mit anderen Promovierenden. Gemeinsam mit Oliver Haas gründen die beiden mit Unterstützung des Instituts für angewandte Forschung im vergangenen Jahr deshalb das "Promovierenden-Netzwerk" an der OTH.

Elisabeth erklärt: "Man kann dort einfach mal sein Thema vorstellen oder sich über Recherchemöglichkeiten, Fachzeitschriften oder Erfahrungen auf Konferenzen austauschen." Immerhin arbeiten an der OTH Amberg-Weiden aktuell 23 Promovierende an ihrer Doktorarbeit, der Großteil im Rahmen von praktischen Forschungsprojekten. In den letzten Jahren sei diese Möglichkeit immer beliebter geworden und die Zahl der Promovierenden sei gestiegen, teilte die Hochschule mit.

Promotion nicht realitätsfern

Oliver Haas (30) aus Fürth absolviert seine Promotion ebenfalls an der OTH (am Standort Weiden) und der FAU. Zwar konnte sich Oliver schon immer vorstellen eines Tages zu promovieren, am Ende seines Mathematik-Studiums entschied er sich aber trotzdem dazu erst einmal ins Berufsleben abseits der Hochschule einzusteigen. Drei Jahre arbeitet er im Bereich der Softwareentwicklung. "Darüber bin ich dann auch zur Medizintechnik gekommen. Als es sich angeboten hat, bin ich dann wieder zurück an die Hochschule." Sein Thema für die Promotion liegt nämlich im Gesundheitswesen: Digitalisierung im klinischen Umfeld mittels Graphendatenbanken. "Es ist ein Vorurteil, dass Promotion immer etwas realitätsfernes ist."

Vor allem die gesellschaftliche Relevanz und das Thema an sich stellen eine große Motivation für Oliver dar. "Gerade bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens gibt es noch viele Möglichkeiten, die bisher nicht genutzt werden. Da kann man noch viele offene Fragen erforschen und aktiv mitwirken." Dazu arbeitete er auch an einem Projekt mit dem Klinikum Weiden. "Wir haben Patienten- und Pflegekräftezahlen automatisiert in Relation zueinander gesetzt, um mehr über den Bedarf an Pflegekräften in Kliniken zu erfahren." Neben einem Lehrauftrag an der Hochschule ist Olivers Doktoranden-Alltag bunt gemischt: Literaturrecherche, Programmierung, Artikel über seine Forschungsergebnisse schreiben.

Wie sieht der Doktoranden-Alltag aus?

Auch Elisabeth hat neben ihrer Forschung einen Lehrauftrag. Derzeit unterrichtet sie das Fach "Industrie 4.0": "Das ist super, weil ich meine aktuelle Forschung da einbringen kann." Ansonsten werde erledigt was gerade so am Lehrstuhl ansteht, in den letzten Monaten war das: Forschungsanträge schreiben. Denn Elisabeth ist maßgeblich am Aufbau der Smart Factory am Amberger Campus beteiligt. "Wir machen auch viel im Bereich digitaler Zwilling, virtuelle Inbetriebnahme. In der digitalen Fabrik können Studierende oder auch Unternehmen aus der Region dann später sehen wie neue Technologien funktionieren."

Lohnt sich der Aufwand?

Aber lohnt sich die ganze Arbeit überhaupt? Genau wie Oliver plagen auch Elisabeth vor allem zu Beginn ihrer Promotion manchmal Zweifel. "Man fragt sich schon, ob man sich so viel zusätzliche Arbeit machen sollte, wenn man sich nicht mal sicher ist, ob es einem etwas bringt", erklärt die 30-Jährige. Und auch Oliver sagt: "Es kostet einen natürlich viele Nerven und Lebensenergie und man frägt sich: 'Kann ich das? Lohnt sich das? Interessiert das jemanden?'. Davon darf man sich aber nicht aufhalten lassen." Leidenschaft sei trotzdem unerlässlich, um das oft hohe Arbeitspensum zu bewältigen, sagt Elisabeth.

"Wenn eine Deadline ansteht, sitzt man auch mal bis in die Nacht hinein. Und vor allem das eigentliche Zusammenschreiben der Arbeit findet häufig im Freizeitbereich und außerhalb der eigentlichen Arbeitszeit statt." Trotzdem sind beide froh eine Vollzeitstelle zu ihrer Promotion ergattert zu haben, denn dieses Glück hätten nicht alle, erklärt Oliver. "Oft gibt es auch nur halbe Stellen für die dann trotzdem Vollzeit gearbeitet wird. Viel nebenbei machen kann man auch da nicht. Dadurch entsteht dann oft auch Zeitdruck."

Mehr Gehalt durch Promotion?

Einen gehaltsmäßigen Vorteil erhoffen sich Oliver und Elisabeth nicht von ihrer Promotion. Elisabeth erklärt, dass es im Ingenieurwesen geldmäßig nicht zwingend einen Unterschied mache. Das Tätigkeitsfeld sei oft etwas anders. "Wenn man sich für Forschung interessiert oder gerne an der OTH bleiben möchte, ist eine Promotion bestimmt genau das Richtige." Auch Oliver sagt, dass sich das Gehalt höchstens durch gewisse berufliche Positionen steigert, die einem durch den Doktortitel erst ermöglicht werden. "Es öffnet einem gewisse Türen und Karrieremöglichkeiten, wie eine Professur beispielsweise." Oliver möchte auch noch mit einem Vorurteil über Doktoranden aufräumen: "Häufig wird gedacht, dass man für eine Promotion total intelligent sein muss und man ein perfektes Studium braucht. Dabei sind die Hürden für den Einstieg oft geringer als man denkt."

Beide haben ihre Entscheidung zur Promotion bisher nicht bereut. Wie es in einer Mitteilung der OTH heißt, könnte im Zuge der Hochschulreform auch ein Promotionsrecht für forschungsstarke Bereiche an Technischen Hochschulen (und Hochschulen für angewandte Wissenschaften) in Bayern umgesetzt werden. Dann stünde noch mehr Promotionen auch an der OTH Amberg-Weiden nichts mehr im Weg.

Die Auswirkungen der Pandemie auf Studenten

Weiden in der Oberpfalz

Präsidentenwahl an der OTH Amberg-Weiden

Amberg

Zusätzliche Professuren an der OTH

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Promotionen an der OTH Amberg-Weiden

  • Die Promotion ist die Verleihung des akademischen Grades eines Doktors. Ihr liegt eine selbstständig verfasste wissenschaftliche Arbeit zugrunde – die Dissertation.
  • Seit 2016 bis heute: 10 abgeschlossene Promotionen
  • Aktuell 23 laufende Promotionen, 20 Männer und 3 Frauen promovieren (Stand: August 2021)
  • Die meisten Promotionen im Bereich der Ingenieurwissenschaften
  • Seit 2006 sind kooperative Promotionen an Technischen Hochschulen möglich.
  • Seit Ende 2020 Promovierenden-Netzwerk zum Austausch an der OTH Amberg-Weiden.

"Wir machen auch viel im Bereich digitaler Zwilling, virtuelle Inbetriebnahme. In der Simulationsfabrik können Studierende oder auch Unternehmen aus der Region sehen wie neue Technologien funktionieren."

Elisabeth Schmidl, Doktorandin an der OTH Amberg-Weiden, zum Aufbau der Smart Factory

"Es kostet einen natürlich viele Nerven und Lebensenergie und man frägt sich: Kann ich das? Lohnt sich das? Interessiert das jemanden?"

Oliver Haas, Doktorand an der OTH Amberg-Weiden über seine Promotion

Oliver Haas, Doktorand an der OTH Amberg-Weiden über seine Promotion

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.