15.03.2020 - 22:53 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Jens Meyer (SPD) und Benjamin Zeitler (CSU) nahezu gleichauf: Jetzt Stichwahl in Weiden

Der Vorsprung ist hauchdünn: Bei der Oberbürgermeisterwahl in Weiden liegt Jens Meyer (SPD) gerade mal mit 118 Stimmen und damit 0,7 Prozentpunkten vor Benjamin Zeitler (CSU). Bei der Stichwahl am 29. März wird's hochspannend.

Nicht nur beim TV-Interview vor dem Rathaus kommen sich Jens Meyer (SPD, links) und Benjamin Zeitler (CSU) am Wahlabend nahe.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Gratulationen in Zeichen von Corona: Statt herzlicher Umarmungen im Neuen Rathaus gibt es am Sonntagabend sanfte Ellenbogenchecks davor. Eine ganze Reihe davon gilt Benjamin Zeitler, der sich im Scheinwerferlicht fürs Fernsehinterview bereitmacht. Beim Ergebnis, das um 20.13 Uhr feststeht, rückt der ehrgeizige CSU-Mann ganz nah an SPD-Kontrahent Jens Meyer heran. Zeitler 42,1 Prozent, Meyer 42,8 Prozent – nahezu ein Unentschieden. Oder "fast Augenhöhe", wie Zeitler selbst sagt. "Hochzufrieden" jedenfalls sei er, "stolz und dankbar", dass seine "enorme Aufholjagd bei schwieriger Ausgangslage" von Erfolg gekrönt war.

Meyer ist im vergangenen Jahr früh in den Wahlkampf gestartet, mit dem Bonus eines seit zwölf Jahren amtierenden Bürgermeisters. Am Wahlabend selbst wird's mit jedem ausgezählten Wahllokal enger für den Genossen. Seite an Seite mit Oberbürgermeister Kurt Seggewiß verfolgt Meyer die Auszählung im Neuen Rathaus. Der öffentliche Wahlabend dort fällt wegen Corona flach. Der große Sitzungssaal ist deshalb derart verwaist, dass die Kinder des Oberbürgermeister-Kandidaten Fangen spielen können, während es für den Papa immer knapper wird. Am Ende liegt Meyer mit 118 Stimmen hauchdünn vor Herausforderer Zeitler. Enttäuscht? "Nein. Das war ein denkbar spannenden Abend. Und ich bin dankbar für alle, die mich unterstützt haben", sagt Meyer. Bei fünf Kandidaten sei ja klar gewesen, dass es eine Stichwahl gibt. "Dass es aber eine derart knappe Kiste wird, hätte ich nicht gedacht", gesteht der amtierende Bürgermeister. Was will Meyer nun unternehmen, um bei der Stichwahl in zwei Wochen das Kopf-an-Kopf-Rennen für sich zu entscheiden? "Der klassische Wahlkampf muss wegen des Coronavirus' hintanstehen. Jetzt ist es wichtig, sich um die Bürger zu kümmern." Bereits am Montag tage erneut die Koordinierungsgruppe Corona – mit Bürgermeister Meyer.

In der Geschäftsstelle in der Sonnenstraße verfolgte die CSU-Parteispitze die Auszählung zur OB-Wahl am Laptop. Am Ende schwärmt auch Bürgermeister Lothar Höher: „Es ist ein gutes Gefühl, wieder auf Augenhöhe zu sein.“ Am Montagmorgen kommen sie schon wieder zusammen, um zu beraten, wie es weitergeht, wo die fehlenden Prozente herkommen sollen. Sicher gebe es dazu auch Gespräche mit anderen Parteien wegen einer öffentlichen Unterstützung für den CSU-Kandidaten, sagt Höher. Er erwartet eine spannende Stichwahl. Dass es zu einer kommt, davon war Zeitler übrigens schon vor dem Wahlabend überzeugt: Bereits am Sonntagnachmittag, so verrät er, habe er an einem "Meeting" wegen der Aktivitäten in den kommenden beiden Wochen teilgenommen. "Aber ich hätte nicht zu hoffen gewagt, dass ich so nah rankomme. Jetzt wird es darauf ankommen, wem die Menschen mehr vertrauen."

Eine öffentliche Wahlempfehlung für einen der beiden Stichwahl-Kandidaten will am Sonntagabend noch keiner ihrer drei Kontrahenten abgeben, die auf der Strecke blieben. Da müsse er sich am Montag erst mit dem Parteivorstand beraten, erklärt etwa Christoph Skutella (FDP), der sich mit seinen eigenen 7 Prozent "sehr zufrieden" zeigt und sich selbst eher dem sozialliberalen Lager zurechnet. Vorher hätte er, "angesichts der gesamtpolitischen Gemengelage", alles über 5 Prozent als Erfolg gewertet. Meyer werde wohl die Stimmen der Linken brauchen, meint deren OB-Bewerber Ali Zant, der 2,5 Prozent in die Waagschale werfen könnte. Sonja Schuhmacher (Grüne), die 5,5 Prozent erreichte, will Meyer und Zeitler drei Fragen stellen. Durch ihre Antworten könnten sie sich dann den grünen Wählern selbst empfehlen. Und was sagt der Noch-Amtsinhaber Oberbürgermeister Kurt Seggewiß (SPD) zu dem Kopf-an-Kopf-Rennen? "Für mich ist das Ergebnis ein klares Ja zu Weiden-West IV."

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Kommentar:

Weidener Wahl geht wieder von vorne los

Es ist nicht mal ein Zwischenergebnis. Denn die 7506 Stimmen, die Jens Meyer erhalten hat, und die 7388 Stimmen, die auf Benjamin Zeitler gefallen sind, können die beiden Oberbürgermeister-Kandidaten nicht mitnehmen in die entscheidende Auseinandersetzung in knapp zwei Wochen am 29. März. Bei der Stichwahl geht es wieder von Null los. Da muss man erst einmal schauen, wie man die jetzigen Wähler bei der Stange halten, wie man Unterstützung von den kleineren Parteien gewinnen und wie man vielleicht auch aus dem großen Nichtwähler-Becken den einen oder anderen abfischen kann. Und das alles bei Bedingungen, die von einem Virus diktiert werden. Ein traditioneller Wahlkampfendspurt ist da nicht drin. Mal sehen, was sich SPD und CSU für ihre Spitzenkandidaten einfallen lassen. Bürgermeister Meyer kann sich als Krisenmanager beweisen. Zeitler, der mit 42,1 Prozent um nur 0,7 Prozentpunkte schlechter abgeschnitten hat, wird versuchen, den Schwung aus seinem für einen Nicht-Weidener erzielten sehr guten Ergebnis mitzunehmen. Und das ist dann doch eine Art Zwischenergebnis: Es ist eng. Und es bleibt eng.

Volker Klitzing

Bilder vom Wahlabend

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