16.01.2020 - 16:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Landesamt für Finanzen: Schweinnaab statt Isar-Auen

Bis 2030 soll die Dienststelle München des Landesamtes für Finanzen nach Weiden umgezogen sein. Was bedeutet das für die 300 Betroffenen? Und für junge Finanzbeamte aus der Region?

Eine Außenstelle des Landesamtes für Finanzen gibt es bereits in Weiden. In der Zentralen Abrechnungsstelle im ehemaligen AW-Verwaltungsgebäude arbeiten 32 Beschäftigte. Neue räumliche Lösungen braucht es, wenn 300 Kollegen anrücken.
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Staatsdiener, die tatsächlich mit der Münchener Dienststelle des Landesamtes für Finanzen (LfF) in die Oberpfalz wechseln, werden sich extrem umstellen müssen. Bisher fanden sie ihre Büros im begehrten Stadtteil Lehel, Heimat unter anderem des Englischen Gartens sowie des Hauses der Kunst, das gleich neben der Dienststelle steht. Weitere Nachbarn des stattlichen Gebäudekomplexes sind das Landesamt für Digitalisierung und das Ministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, nur einen Steinwurf entfernt ist die Isar. Wie die Ankündigung des Ministerpräsidenten dort angekommen ist, war am Donnerstag nicht zu erfahren. Dienststellenleiter Dr. Alfred Frank wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Vonseiten des Personalrats hieß es nur: "Das ist alles noch zu frisch."

Alexander Gröbner, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Oberpfalz, begrüßt die Behördenverlagerung nach Weiden. Aber er fühlt auch mit den Betroffenen in München mit.

Verständnis für solche Reaktionen äußert Alexander Gröbner, Geschäftsführer von Verdi Oberpfalz. "Wenn man den Lebensmittelpunkt verlagern muss, begrüßt das nicht jeder mit fliegenden Fahnen." Deshalb betrachte er die Behördenverlagerung auch differenziert: zum einen in Sorge um die Beschäftigten, die zu nichts gezwungen werden dürften, zum anderen voller Freude über neue Chancen für die nördliche Oberpfalz. Gröbner fordert nun ein Personalentwicklungskonzept: Es müsse geklärt werden, wie viele Beamte möglicherweise aus Altersgründen aufhören, wie viele tatsächlich mit der Dienststelle umziehen wollen und folglich, wie hoch der Einstellungsbedarf ist – um dann das Personal für Weiden gezielt zu entwickeln und frühzeitig Nachwuchs zu akquirieren. Andernfalls drohe Ernüchterung: "Was nutzen uns 300 Stellen auf dem Papier, wenn wir in fünf bis zehn Jahren feststellen, dass wesentlich weniger Personal zur Verfügung steht?"

Eine Chance für junge Finanzbeamte aus der Oberpfalz erkennt Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, wie er am Montag in einer ersten Reaktion mitteilte. Die räumliche Nähe zum Finanzamt Weiden, einem "Ausbildungsamt", sei ein großer Gewinn. Dessen Leiter Hubertus König stellt klar: Finanzamt und Landesamt für Finanzen sind zwar dem Finanzministerium zugeordnet, haben bei ihren Aufgaben aber keine Berührungspunkte. Das Finanzamt - mit 196 Mitarbeitern in Weiden - ist eine Steuerbehörde, wohingegen das Landesamt Bezüge abrechnet. Insofern unterscheide sich auch die Ausbildung – Finanzbeamte erhalten sie speziell in Steuerrecht.

"Nach der Ausbildung müssen Finanzbeamte in die Ballungsräume", sagte Seggewiß weiter. "Und wir haben auch Rückkehrwünsche." Ein Wechsel vom Finanzamt zu einer Dienststelle des Landesamtes für Finanzen? Das sei natürlich nicht ausgeschlossen, erklärt König: Vor allem aus sozialen Gründen sei es Beschäftigten durchaus möglich, von einer Behörden zur anderen umzuziehen. "Zum Beispiel gingen in der Vergangenheit einzelne Kollegen zur Reisekosten-Stelle in Vohenstrauß." Die Regel sei das aber nicht. Das Bayerische Finanzministerium werde wohl darauf achten, dass sich Finanzamt und Landesamt für Finanzen beim Personal nicht Konkurrenz machen.

Weiden in der Oberpfalz
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