16.01.2020 - 18:46 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wo in Weiden könnte die neue Finanzbehörde gebaut werden?

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300 Arbeitsplätze kommen durch den Umzug des Landesamts für Finanzen von München nach Weiden. Günther Kamm, Geschäftsführer der Stadtbau Weiden GmbH, verdeutlicht die Dimensionen eines möglichen Neubaus und spekuliert über Standorte.

Genügend Platz für einen Neubau, in dem 300 Finanzbeamte arbeiten könnten, gäbe der alte Volksfestplatz laut Stadtbau-Geschäftsführer Günther Kamm locker her. Er bezweifelt trotzdem, dass die Münchener Behörde, die nach Weiden verlegt werden soll, hier ein neues Zuhause finden wird.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

"300 Arbeitsplätze bedeuten 10 000 Quadratmeter Bürofläche. Das ist die Fläche, die man für 150 Wohnungen braucht", erläutert der Stadtbau-Geschäftsführer Günther Kamm am Donnerstag die Dimensionen des möglichen Großprojektes: Man müsse mit Baukosten von 30 bis 40 Millionen Euro rechnen. Noch am Mittwoch meinte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß: "Ich könnte mir vorstellen, dass die Stadt Weiden, die Stadtbau, etwas Neues baut." Er halte es nicht für sinnvoll, die Behörde auf mehrere Liegenschaften zu verteilen.

Kamm: "Auf den ersten Blick sind in Weiden so viele Areale und Gebäude in dieser Größenordnung nicht erkennbar", sagt der SGW-Chef auf die Bitte, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen. "Je mehr man denkt, desto mehr Möglichkeiten ergeben sich", meint er wenige Minuten später. Da ist er schon seine Ideen durchgegangen. Alles rein theoretisch, ohne dass es dazu Planungen oder Absprachen gäbe.

Weiden in der Oberpfalz

Naabwiesen-Areal

Der Bereich zwischen dem Gebäude von Oberpfalz-Medien und dem Neuen Rathaus, auf dem sich der Parkplatz befindet, wäre "locker groß genug für eine solche Fläche", sagt er. Das Grundstück werde ja immer wieder für eine Bebauung angedacht. Doch dann fragt er sich selbst, ob es wirklich ein geeigneter Standort wäre. "Die Behörde hätte ja keinerlei Publikumsverkehr. Man sollte sie deshalb vielleicht nicht mitten ins Stadtzentrum setzen."

Alter Volksfestplatz

"Mit viel Fantasie könnte man an den alten Festplatz denken. Aber das wäre ein Millionengrab", spekuliert er weiter. Zwar sei das Gelände von der Größe her passend, aber die "sehr hohen Preisvorstellungen des derzeitigen Eigentümers Bürgerbräu" sprächen ebenso dagegen wie die "200 bis 300 Euro pro Quadratmeter Altlastenentsorgung", die man mit einberechnen müsste.

Günther Kamm, Geschäftsführer der Stadtbau Weiden GmbH

Stockerhut

Möglichkeiten sieht Kamm auch an der Stockerhut. "Aber die stünden in Konkurrenz zur potenziellen Wohnbebauung." Zum Gebäude am Stockerhutpark, in dem die Stadtbau residiert, bis der Neubau an den Naabwiesen bezugsfertig ist: "Wir haben da 500 Quadratmeter. Da bekommen Sie vielleicht 20 bis 25 Leute unter. Wir brauchen unsere Bürofläche mal 20", rechnet er vor.

West IV und "Denkwelt"

"Man könnte auch in die Peripherie raus", findet er. Allerdings meine er nicht ein Gewerbegebiet wie West IV. "Das sollte eher für Handwerk und Betriebe reserviert bleiben." Inhaltlich passe es nicht, aber auch als Bestandteil der bei Halmesricht geplanten "Denkwelt" könne er sich die Behörde vielleicht vorstellen.

Josefshaus

Auf die Frage, wie viele Stockwerke das Gebäude wohl haben müsste, sagt Kamm: "Je nachdem, ob es im Zentrum oder in der Peripherie stehen würde." Er rechne mit vier bis fünf Etagen, könne sich aber auch einen Bau mit acht Stockwerken vorstellen, wenn er im Zentrum steht. "Wie war das noch einmal mit dem Josefshaus und dem Turm? Hier könnten sicher auch ein paar Quadratmeter erzeugt werden."

Turnerbundgelände, Alte Hauptpost , Wittgarten-Durchstich

Auch diese Standorte bringt Kamm ins Gespräch. Da die Verlagerung erst 2030 abgeschlossen sein soll, sei eine zentrale Frage, wie die Arbeitsplätze verlegt werden. "Stockt man pro Jahr 20 bis 30 Mitarbeiter auf, oder kommt irgendwann ein Big-Bang?" Je nachdem ergäben sich andere Herausforderungen. "Man kann nicht ein Gebäude für 300 Mitarbeiter bauen, wenn diese erst 2030 einziehen. Das hält kein Vermieter durch." Eine Lösung werde sicher gefunden, aber es seien mehr Infos nötig.

Weiden in der Oberpfalz
Weiden in der Oberpfalz
Weiden in der Oberpfalz
Info:

Zur Person

Günther Kamm ist Geschäftsführer der Stadtbau Weiden GmbH (SGW), einer Tochtergesellschaft der Stadt Weiden. Der Oberbürgermeister Weidens brachte die SGW ins Gespräch als Bauträger für die neue Behörde.

Kommentar:

Wohnungsmarkt muss vorgehen

Zuständig für den Neubau eines Behördensitzes ist das Staatliche Bauamt. Doch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß brachte zuallererst die Stadtbau Weiden ins Spiel. Kein dummer Schachzug: Wie die spontan gegenüber Oberpfalz-Medien geäußerten Ideen des Geschäftsführers zeigen, hat er externen Planern einiges voraus. Er kennt nicht nur die Örtlichkeiten in Weiden, sondern auch die Preise und weiß obendrein um mögliche Hindernisse.
Eine passgenaue Lösung hat er nur einen Tag nach der Verkündung der Verlagerung der Finanzbehörde von München nach Weiden durch Ministerpräsident Markus Söder freilich auch nicht parat. Aber er traut sich, mit Ideen zu spielen und kann für diese auch kurzfristig eine erste grobe Bewertung abgeben. Man darf gespannt sein, welchen Standort die Stadt am Ende bevorzugt und welche Argumente für ein jeweiliges Für und Wider ins Spiel gebracht werden.
Ein Aspekt sollte dabei ganz oben auf der Prioritätenliste landen: Der Standort darf nicht in Konkurrenz zum ohnehin angespannten Wohnungsmarkt stehen. Denn sonst hätte die von Söder angeordnete Behördenverlagerung für die Bürger der Stadt einen fiesen Beigeschmack, und die lokale Expertise hätte ihren Zweck nur bedingt erfüllt.

Sonja Kaute

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