15.01.2020 - 15:29 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Seggewiß: Notfalls baut Stadt für Finanzbehörde

Das Landesamt für Finanzen mit 300 Mitarbeitern zieht komplett um: von München nach Weiden. Politiker aus der Region feiern eine Erfolgsmeldung. Und sie machen sich Gedanken über den Standort der Behörde.

Für Mitarbeiter des Landesamtes für Finanzen in Weiden geht's einstweilen hier lang. Auf dem ehemaligen AW-Gelände in der Straße Zur Centralwerkstätte arbeiten bereits 32 Beschäftigte der Zentralen Abrechnungsstelle. Bis 2030 sollen - an anderer Stelle - 300 Kollegen folgen.
von Stefan Zaruba Kontakt Profil

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß hat in Aussicht gestellt, dass die Stadt Weiden die Immobilie für eine geplante Finanzbehörde bereitstellt. "Ich könnte mir vorstellen, dass die Stadt Weiden, die Stadtbau, etwas Neues baut." Es gebe Liegenschaften in der Stadt. 300 Arbeitsplätze seien schließlich eine "Hausnummer". Es reiche daher nicht, alle freien Büroflächen heranzuziehen. "Es kann nicht Sinn und Zweck sein, eine Behörde mit 300 Mitarbeitern auf 5 bis 6 Liegenschaften zu verteilen", erklärt er am Mittwoch im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Es müsse ja eine arbeitsfähige Behörde sein.

Der SPD-Politiker zeigt sich dankbar, dass Ministerpräsident Markus Söder Wort gehalten habe. "Ich freue mich. Das ist, wie wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen." Den "Raum Weiden", der die Behörde erhalten soll, verortet er in der Stadt: "Ich gehe davon aus, dass es Weiden ist."

Seggewiß erklärt, er freue sich auf die Kontaktaufnahme mit der Staatsregierung. "Wir werden alles tun, um diesen 300 Beamtinnen und Beamten ein gutes Zuhause zu realisieren." Das beginnt beim Wohnungsmarkt. Bis zur Ansiedlung stünden genügend Investoren bereit, zeigt er sich sicher.

Eine Außenstelle des Landesamtes für Finanzen gibt es bereits in Weiden. In der Zentralen Abrechnungsstelle im ehemaligen AW-Verwaltungsgebäude arbeiten 32 Beschäftigte. Neue räumliche Lösungen braucht es, wenn 300 Kollegen anrücken.

Als großen Gewinn sieht er die räumliche Nähe zum Finanzamt Weiden. Dieses sei ein Ausbildungsamt. "Nach der Ausbildung müssen Finanzbeamte in die Ballungsräume. Und wir haben auch Rückkehrwünsche." Künftig könne Weiden jungen Finanzbeamten einen geeigneten Arbeitsplatz anbieten.

Skepsis über eine Behörde statt einer ähnlich großen Gewerbeansiedlung teilt der Oberbürgermeister nicht. "Man sollte sich einfach nur freuen." Große produzierende Betriebe böten Vor- aber auch Nachteile - letztere etwa im Blick auf die Konjunkturentwicklungen.

Weiden in der Oberpfalz

Oetzinger: „Große Chance“

Landtagsabgeordneter Stephan Oetzinger (CSU) verbucht die Behördenverlagerung auch als einen persönlichen Erfolg. Er habe sich schon lange für eine Verlagerung in seinen Stimmkreis eingesetzt, betont er am Mittwoch erneut gegenüber Oberpfalz-Medien. 300 Arbeitsplätze seien außerdem eine „große Chance, junge Menschen in der Region zu halten“.

Nach seiner Information steht fest, dass alle diese Arbeitsplätze direkt in die Stadt Weiden kommen. Der Hauptsitz des Landesamts für Finanzen sei Würzburg. Es würden jedoch alle bisher in München angesiedelten Arbeitsplätze nach Weiden verlegt, also der gesamte Münchener Standort.

Das Finanz- und Heimatministerium werde nun in Zusammenarbeit mit der Stadt Weiden nach einem geeigneten Standort suchen. Die Behörde werde schrittweise verlegt, wobei die Beamten nicht zu einem Umzug gezwungen werden würden.

Beispielsweise durch Beamte, die in den Ruhestand gehen, könnten auch neue Arbeitsplätze und somit eine neue Perspektive in der Region aufgebaut werden, so Oetzinger. „Auch die bisherigen kleineren Verlegungen in die Region haben ihren Wert“, entgegnet er auf die von Landtagsabgeordneter Annette Karl (SPD) geäußerte Kritik. „Aber mit 300 Arbeitsplätzen wird die Finanzbehörde zu einem der großen Arbeitgeber für die Stadt Weiden.“

Weiden in der Oberpfalz

Skutella: Mehr Betriebe

Die Pläne des Ministerpräsidenten sehe er "mit einem lachenden und einem weinenden Auge", kommentiert FDP-Landtagsabgeordneter Christoph Skutella: "Ich freue mich für Weiden und die Region, dass hier neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Zugleich würde ich mir aber wünschen, dass auch die Ansiedelung von Wirtschaftsunternehmen in ländlicheren Regionen eine höhere Priorität bei der Staatsregierung genießen würde.“

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Abrechnung von Justiz-Reisekosten:

Landesamt bereits seit 2006 in Weiden

Eine Außenstelle des Landesamtes für Finanzen gibt es bereits seit längerem in Weiden: Die Zentrale Abrechnungsstelle in der Max-Reger-Stadt mit 32 Mitarbeitern kümmert sich seit 2006 um die Abrechnung von Reisekosten der bayerischen Justiz. Sie zog 2009 zunächst vom Stadtmühlweg zum Schlörplatz um, dann 2016 in das ehemalige AW-Verwaltungsgebäude in der Straße Zur Centralwerkstätte. Vermieter des für zwei Millionen Euro sanierten Gebäudes ist die Stadtbau-Tochter WGS. Eine weitere Bearbeitungsstelle, „Reiseservice Bayern“, 2017 angelaufen, nahm vor zwei Jahren ihren Betrieb im ehemaligen Amtsgerichtsgebäude in Vohenstrauß auf. Etwa ein Dutzend Mitarbeiter ist dort beschäftigt. Zugeordnet sind diese beiden Stellen der Dienststelle Regensburg des Landesamtes für Finanzen, die bis dato etwa 600 Mitarbeiter zählt. (rg)

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