07.08.2020 - 17:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Menschenraub-Prozess: Staatsanwalt fordert drei Jahre und vier Monate Haft

Die Verteidiger verzögerten durch Anträge ein Urteil. Sie sahen sich nicht in der Lage ihre Plädoyers zu halten. Der Staatsanwalt hingegen machte den Auftakt.

Das Strafgesetzbuch
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Die beiden Verteidiger der Angeklagten Ahmad und Khaled E. im Menschenraub-Prozess vor dem Landgericht Weiden sorgten für etwas Verwunderung. Sie wären noch nicht bereit für ihre Plädoyers. Vorsitzender Richter Gerhard Heindl und Beisitzender Richter Matthias Bauer reagierten darauf mit Unverständnis. Nach einem entsprechenden Antrag beschloss das Gericht, die beiden Verteidiger am Montag plädieren zu lassen.

Peter Frischholz, Vertreter der Staatsanwaltschaft, machte dagegen mit seinem Plädoyer am Freitag den Auftakt. Er beantragte gegen Ahmad E. wegen Einschleusung von Ausländern, Entziehung Minderjähriger und Nötigung eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten zu verhängen.

Ahmad E. soll die Einschleusung der Geschädigten sowie die erzwungene Ausreise organisiert haben. Unter falschen Vorgaben habe er die junge Frau dazu gezwungen, mit ihm nach Griechenland zu reisen, weil sie in der Ehe mit seinem Sohn Khaled „nicht funktioniere“. Dafür habe er auch ihren im Februar 2019 geborenen Sohn als Druckmittel eingesetzt. Frischholz zeigte sich von der Glaubwürdigkeit der Geschädigten überzeugt. Sie habe im Zeugenstand von den Vorfällen detailliert berichtet und konnte einzelne Gespräche wiedergeben.

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Für nicht glaubwürdig hält er dagegen die Aussagen von Ahmad E., welche dieser bei seiner Vernehmung bei der Polizei gemacht hatte. Vor dem Landgericht Weiden schwieg er. Es gelte als bestätigt, dass er die Geschädigte und seine Nichte in Griechenland abholte, um sie illegal nach Deutschland zu schleusen. Die erzwungene Ausreise nach der Geburt des Enkels habe er ebenfalls organisiert. Bei der Polizei sagte Ahmad E. aus, dass er damals nur im Auftrag der Familie des Opfers gehandelt habe und die Geschädigte selbst die Rückreise nach Syrien organisiert habe.

„Sie ist gegen ihren Willen von ihrem kleinen Sohn getrennt worden. Nicht die Familie E. hat sie bei der Polizei als vermisst gemeldet, sondern Verwandte, die von den Eltern der Geschädigten beauftragt wurden. Kurz nach der Ausreise versuchte Khaled E. das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn zu erstreiten. Geplant war, dass die Geschädigte ihren kleinen Sohn nie wieder sieht“, führte Frischholz aus.

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Die Vertreterin der Nebenklage führte aus, dass die Geschädigte während ihrer Zeit in Eschenbach und Pressath als „Familiensklavin“ behandelt wurde. Doch sie habe sich nicht untergeordnet, was zunächst Schläge und Vergewaltigungen durch Khaled E. sowie später die erzwungene Ausreise zur Folge hatte. Während der Verhandlung habe Khaled E. keine Anzeichen von Reue gezeigt.

Was Khaled E. betrifft, gab es ebenfalls einen Beschluss. Einige Anklagepunkte gegen ihn ließ die Staatsanwaltschaft fallen, da sie bei der zu erwartenden Strafe nur geringfügig ins Gewicht fallen würden. Ihm werden weiterhin vier Fälle von Vergewaltigung sowie schwere Körperverletzung vorgeworfen. Die Plädoyers zu den Anklagepunkten finden nach Beschluss des Gerichts teils unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, da sie den privatesten Lebensbereich betreffen. Zuvor beschäftigte sich das Gericht vier Stunden mit einer Vielzahl von gestellten Anträgen der Verteidiger. Schließlich wies es aber alle mit der Begründung „nicht zielführend“ zurück.

Info:

So lautet die Anklage

Der Prozess gegen Ahmad E. und seinen Sohn Khaled E. vor dem Landgericht Weiden hat am 25. Juni begonnen. Ahmad E. soll für die Geschädigte die Schleusung von Syrien nach Deutschland organisiert und sie selbst aus Griechenland abgeholt haben. Bereits zuvor war sie mit seinem Sohn Khaled E. verheiratet worden. In der Oberpfalz begann für die heute 21-Jährige eine brutale Tortur, weil sie sich laut Anklage „nicht widerstandslos unterwerfen“ wollte. Sie soll von ihrem Mann geschlagen und vergewaltigt worden sein. Nach der Geburt eines Sohnes sollen die Angeklagten versucht haben die Frau zurück nach Syrien zu bringen. Der Schwiegervater soll sie unter falschem Vorwand in die Türkei gebracht haben. Von dort sollte sie zurück nach Syrien ohne ihren neugeborenen Sohn. Die Staatsanwaltschaft Weiden wirft den Männern daher Menschenraub in Tateinheit mit Entziehung Minderjähriger vor. Ahmad E. wird zudem die Einschleusung von Ausländern vorgeworfen. Seinem Sohn Khaled wird gefährliche Körperverletzung in insgesamt acht Fällen, zum Teil mit Bedrohung und Freiheitsberaubung, vorsätzliche Körperverletzung in drei Fällen sowie Vergewaltigung in vier Fällen vorgeworfen.

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