12.11.2019 - 18:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Obdachlosenunterkunft in Weiden: Erste Pläne für neue Notunterkunft

Das Grobkonzept für die neue Notunterkunft Weidens steht. Die Baracken aus den 30er Jahren könnten fallen, in denen Bewohnern im Winter Gefahr für Leib und Leben droht. Für die neue Apartment-Anlage braucht's aber 4,1 Millionen Euro.

Diese Baracken der Obdachlosenunterkunft in der Schustermooslohe sollen weichen. Stattdessen könnten hier Apartments auf zwei Etagen entstehen.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Seit 2008 sind jährlich etwa 100 Personen in Weiden obdachlos gemeldet, weiß die Stadtverwaltung. Doch die Unterkunftssituation für Wohnungslose in Weiden ist kritisch. Das zeigt der Vorlagebericht der Stadt, der die teils knapp 90 Jahre alte Notunterkunft in der Schustermooslohe als marode bezeichnet. Im Winter sei eine Unterbringung dort nur mehr schwer vertretbar.

Von 53 Bettplätzen könnten nur noch 34 genutzt werden. Vor dem Aus stünden zudem wegen Sanierungsbedarfs von der Stadt angemietete Schlichtwohnungen (5 Bettplätze) sowie eine Notwohnung (5 Bettplätze) für Frauen (gemischtgeschlechtliche Unterbringung in der Schustermooslohe sei wegen des baulichen Zuschnitts nicht möglich). Familienunterbringungen existierten so gut wie gar nicht. Und Gasthöfe als Notlösung in Einzelfällen kosten immens.

Neuer Winter in alten Baracken

Oberpfalz

Trotzdem macht der Vorlagebericht wenige Tage vor der Stadtratssitzung am Montag, 18. November, auch Hoffnung. Denn er zeigt nach dem Besuch von Notunterkünften in drei anderen Kommunen auch, wie's in Weiden gehen könnte.

So stehe bereits eine bauliche Grobkonzeption für die neue Notunterkunft. Sie berücksichtigt die Anforderungen an eine künftige Unterbringung für die bereits genannten etwa 100 obdachlos gemeldeten Personen pro Jahr in Weiden, von denen erfahrungsgemäß zwischen 33 und 52 zeitgleich ein Bett bräuchten. Deshalb sollten "in robuster Bauweise" in Erd- und Obergeschoss insgesamt 20 Apartments mit je zwei Betten (je 25 Quadratmeter) sowie drei Mehrbettzimmer mit je vier Betten (je 50 Quadratmeter) für in Not geratene Familien oder besondere Personengruppen entstehen (52 Plätze). Weitere vier Plätze böten zwei Durchgangszimmer mit je zwei Betten für Neueingewiesene oder Durchreisende. Ein Zimmer mit erhöhtem Hygienestandard mit zwei Betten, auch nutzbar für Menschen mit ansteckenden Krankheiten oder unklarem Gesundheitszustand, komplettiert das Grobkonzept. "Somit wird ein Platzangebot von maximal 58 Bettplätzen geschaffen", erklärt die Stadtverwaltung.

Gefahr Gemeinschaftsküche

Interessant: Generell gelte es, Reibereien und Schäden an Gebäude und Einrichtung zu vermeiden. Das Rezept: Es sollte auf Gemeinschaftsküchen, -duschen, -eingänge und Mehrbettzimmer ab drei Personen verzichtet werden. Stattdessen brauche es einen Einzelzugang, maximal zwei Betten pro Wohneinheit, ein Bett pro Bewohner, je einen abschließbaren Spint und eine Sitzgelegenheit am gemeinsamen Tisch, eine Kochgelegenheit sowie WC und Dusche. Alles barrierefrei. Aus Hygiene- und Brandschutzgründen werden Induktionsplatten, Edelstahl-Arbeitsplatten sowie robuste Einrichtungsgegenstände empfohlen. Heizungen seien tabu. Fußbodenheizungen dagegen das Mittel der Wahl. Eine elektronische Schließanlage mit Chip verhindere bei Verlust eine kostspielige Schlüsselnachbildung und helfe, kontrollierbare Zugangsregelungen zu gewährleisten. Dennoch brauche es einen Mehrzweckraum mit Kochmöglichkeit, eine Waschküche zur gemeinsamen Nutzung sowie Betriebsräume wie ein Büro oder eine Hausmeisterwerkstatt. Doch all das kostet nach ersten groben Schätzungen der Verwaltung mehrere Millionen Euro.

Robuste Ausstattung

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass unter der Prämisse eines möglichst werterhaltenden und möglichst niedrig zu erwartenden Bauunterhalts konzipiert wurde. Ähnlich eines besuchten Objekts in Ingolstadt werde mit vorgefertigten und sehr standhaften Sichtbetonplatten operiert. Farbe sei nur für Innen vorgesehen. Außen müsse ein Graffiti-Schutz aufgebracht werden. Die Türblätter würden für höchste Beanspruchungen ausgelegt, Beleuchtungskörper seien bruchsicher, Schalter- und Steckdosenmaterial gegen unkontrollierbare Demontage gesichert und die Heizung dezentral gesteuert. Sogar die Bettrahmen seien fest eingebaut und aus feuerverzinktem Stahl gefertigt. Damit komme man ersten groben Schätzungen zufolge auf 4,1 Millionen Euro an Gesamtkosten für die neue Unterkunft inklusive Abbrucharbeiten und Außenanlagen. Das entspricht bei 930 Quadratmetern Nutzfläche einem Quadratmeterpreis von 4400 Euro.

Frage nach Zeitplan

Bleibt die Frage nach dem zeitlichen Horizont - und der scheint sehr ungewiss. Müsse der Stadtrat das Grobkonzept doch erst diskutieren (Montag, 18. November, 15 Uhr im Neuen Rathaus), diverse Ausschüsse darüber beraten, weiß Baudezernent Oliver Seidel. Auch das nötige Geld für die Unterkunft fehle noch, der Planer stünde nicht fest. "Erst wenn all das geklärt ist, kann eine zeitliche Aussage getroffen werden", sagt Seidel. Das klingt nach noch vielen Wintern in der schon jetzt kaum zumutbaren Notunterkunft.

Die Baracken in der Notunterkunft sollen Apartments weichen. So sieht es ein erstes Grobkonzept vor, über das der Stadtrat aber erst noch beraten muss.

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