28.11.2021 - 17:23 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Operationen wegen Corona verschoben

Seit Ende vergangener Woche ist klar: Wegen der Corona-Pandemie müssen auch in der Oberpfalz wieder Operationen verschoben werden. Das berichten niedergelassene Ärzte.

Ein Mediziner-Team bei einer Operation.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Wegen der schnell steigenden Infektions- und Patientenzahlen droht in den Krankenhäuser in Bayern die Überlastung. Auch in der Oberpfalz werden planbare Operationen verschoben, um Kapazitäten für Covid-19-Kranke freizuhalten. "Ja, dass ist tatsächlich schon vorgekommen", sagt der Allgemeinmediziner Dr. Matthias Löw aus Weiden. Die Gelenkoperation eines seiner Patienten sei verschoben worden. Lebensnotwendige Eingriffe seien davon aber nicht betroffen, wie zum Beispiel bei einer akuten Blinddarmoperation. Auch das ein Fall, den der Arzt vergangene Woche in seiner Praxis erlebt hat.

Mit einer Anordnung hat die Regierung der Oberpfalz die Covid-19-Schwerpunktkrankenhäuser im Regierungsbezirk bis einschließlich 14. Januar 2022 verpflichtet, "von sämtlichen unter medizinischen Aspekten aufschiebbaren stationären Behandlungen abzusehen". Das Ziel: "Die stationären Kapazitäten sollen für die Behandlung von Notfallpatienten, Covid-19-Patienten sowie Patienten, deren planbare Behandlungen aus medizinischen Gründen nicht verschoben werden können, reserviert werden", teilte die Bezirksregierung Ende vergangener Woche mit. Grundlage ist die bayerische "Allgemeinverfügung zur Bewältigung erheblicher Patientenzahlen in Krankenhäusern."

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Mehr als ein Drittel der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt

Hintergrund ist, dass laut dem DIVI-Intensivregister inzwischen bayernweit mehr als 32 Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt sind. Ein so hoher Anteil führt dazu, dass andere Patienten verdrängt werden. Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Professor Gernot Marx, warnte am Montag bei einer virtuellen Pressekonferenz: "Die Corona-Lage ist sehr besorgniserregend und momentan nicht unter Kontrolle.“ Zugleich betonte der Anästhesist und Intensivmediziner: „Jeder Notfall und damit jeder Covid-19-Patient wird in Deutschland auch in den nächsten Tagen und Wochen versorgt.“

"Wir haben eine massive vierte Welle", sagt Dr. Michael Scherer aus Sulzbach-Rosenberg. In den Krankenhäusern würden die Ressourcen zur Bewältigung der Corona-Pandemie benötigt. Der niedergelassene Chirurg ist koordinierender Arzt im Landkreis Amberg-Sulzbach und Leiter des MVZ Sulzbach-Rosenberg. Dort gibt es weiterhin ambulante Operationen. Dagegen wurden stationäre Eingriffe, wie etwa Fuß-Operationen im St.-Anna-Krankenhaus, abgesagt. Scherer geht davon aus, dass wegen der Dynamik der vierten Corona-Welle planbare Eingriffe bis in den Januar hinein nicht stattfinden werden können.

Patienten fragen teilweise selbst nach Verschiebung

Die Patienten reagieren sehr verständnisvoll auf die Verschiebungen, berichtet Dr. Martin Poschenrieder, Sprecher der Hausärzte für den Landkreis Neustadt/WN, aus seinem Praxisalltag. Es sei ja nicht zum ersten Mal. Schon bei den vergangenen Corona-Wellen habe es derartige Verschiebungen gegeben. Zum Teil kommen Patienten aber auch auf ihn zu und fragen, ob es möglich sei, eine geplante Operation bis zum Frühjahr zu verschieben.

Der Arzt aus Vohenstrauß (Kreis Neustadt/WN) nennt Beispiele: So könne die Operation eines Leistenbruchs, der keine Beschwerden mache, durchaus um ein paar Wochen verschoben werden. Falls der Patient aber nicht mehr ausscheiden könne, sei der Leistenbruch ein Notfall und müsse sofort operiert werden. In manchen Fällen könne bei Leistenbrüchen aber auch ambulant operiert werden. Dabei müsse aber die Nachsorge zu Hause gewährleistet sein.

Anruf vom Arzt allein genügt nicht

Falsch sei es aber zu glauben, der Arzt müsse nur im Krankenhaus anrufen und dann gebe es schon einen Operationstermin, sagt Poschenrieder. Es müssten objektiv gravierende Probleme vorliegen, die für einen schnellen Eingriff sprechen. Für manchen Parienten heißt es daher möglicherweise, dass er Beschwerden noch einige Wochen länger aushalten muss.

Auch die Rückoperation eines künstlichen Ausgangs, die ursprünglich nach sechs Monaten erfolgen sollte, sei ein Eingriff, der um einige Wochen verschoben werden könne. Das mache keine Freude, aber wenn man es erkläre, sei es für die Patienten akzeptabel, sagt Poschenrieder.

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Amberg
Hintergrund:

Covid-19-Patienten auf Intensivstationen

  • Anteil der Covid-19 PatientInnen an der Gesamtzahl der Intensivbetten in Bayern: 32,58 Prozent
  • Freie Intensivbetten in Bayern: 355
  • Intensivbetten belegt: 2828
  • Intensivbetten gesamt: 3183
  • Covid-19 Fälle aktuell in intensivmedizinischer Behandlung: 1037, davon invasiv beatmet: 550
  • Daten des Divi-Intensivregisters Stand 28. November 2021, 09:15 Uhr

 

 

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