23.11.2021 - 16:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Corona-Impfung: Für Oberpfälzer Feuerwehren keine Frage

Impfen ist eine Frage des Vertrauens und der Solidarität – das gilt auch innerhalb der Feuerwehr. Ein Rundruf zeigt, dass viele Oberpfälzer das auch so sehen und entsprechend handeln.

Der Großteil der Feuerwehreinsatzkräfte ist geimpft
von Alexander Pausch Kontakt Profil

"Jede Impfung zählt", heißt es beim Bayerischen Landesfeuerwehrverband – ein Motto, das die Feuerwehrfrauen und -männer in der Oberpfalz weitgehend beherzigen. Dies legen Einschätzungen von Feuerwehrverantwortlichen nahe. Auf 85 bis 90 Prozent schätzt Kreisbrandrat Fredi Weiß die Impfquote unter den Einsatzkräften im Landkreis Amberg-Sulzbach. Von rund 95 Prozent in seinem Bereich geht Peter Denz, Kommandant der Feuerwehr Kemnath (Kreis Tirschenreuth), aus.

Probleme oder Konflikte unter den Einsatzkräften wegen des Themas Impfen gebe es weder in seinem Landkreis noch in der Oberpfalz, sagt Weiß, der auch Vorsitzender des Bezirksfeuerwehrverbandes Oberpfalz ist. In seinem Bereich gebe es keine Konflikte, berichtet auch Kreisbrandmeister Christian Demleitner aus Tännesberg (Kreis Neustadt/WN). Ihm unterstehen 16 Feuerwehren.

Keiner wird ausgeschlossen

Dazu dürfte auch beitragen, dass die Feuerwehr keinem den Zugang verwehrt, wie Weiß betont. "Wir schließen keinen aus." Falls erforderlich, werde getestet – im Feuerwehrhaus und unter Aufsicht. Dabei helfe es, dass die Feuerwehr "First Responder" und Sanitäter in ihren Reihen habe. Diese könnten Tests durchführen. Die Feuerwehr brauche jeden Mann und jede Frau, macht Weiß deutlich.

Corona-Update für Bayern: Diese Regeln gelten

"Es sind uns keine Konflikte, die über die allgemein bekannten Diskussionen in diesem Bereich hinausgingen, bekannt", sagt auch Johann Eitzenberger, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes. "Wichtig ist aber, dass unterschiedliche Auffassungen zum Thema Impfen innerhalb der Feuerwehr sachlich ausgetauscht und emotionale Diskussionen vermieden werden", sagt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf Anfrage. "Denn für die Schlagkraft der Feuerwehr ist es entscheidend, dass das Team gut und vertrauensvoll zusammenarbeitet.“

Gegen Corona und Grippe impfen

Grundsätzlich sind alle Feuerwehrleute aufgerufen, sich nicht nur gegen Covid-19 impfen zu lassen, sondern auch gegen Grippe (Influenza). Es geht um Verantwortung, sich und den Kameraden gegenüber – und um Solidarität. Das betonten Oberpfälzer Feuerwehrleute und Führungskräfte, aber auch der für die Feuerwehren zuständige Innenminister. Da es sich beim freiwilligen Feuerwehrdienst um ein sicherheitsrelevantes Ehrenamt handele, empfiehlt der Landesfeuerwehrverband "allgemein und nachdrücklich die Impfung gegen das Coronavirus". "Damit ist es am effektivsten möglich, unsere unverzichtbare Einsatzbereitschaft aufrecht zu halten", sagt der Landesvorsitzende Eitzenberger.

Unter der Überschrift "Zwei auf einen Streich" wirbt Landesfeuerwehrarzt Klaus Friedrich in einem Schreiben für beide Impfungen. Dazu zählt auch, den Corona-Grundschutz durch eine Booster-Impfung zu verstärken. Ein Appell, dem sich der Tirschenreuther Feuerwehrarzt Dr. Achim Nemsow anschließt. In seinem Schreiben vom 12. November an die Feuerwehren in Landkreis Tirschenreuth beklagt der Mediziner mit Blick auf die dramatisch steigenden Corona-Infektionszahlen: "Hätten wir über 90 Prozent Impfquote wie in Spanien, stünden wir jetzt nicht vor diesem Problem." Zugleich bietet der Arzt an, dass er zu unverbindlichen Impfberatungen zu einzelnen Feuerwehren im Landkreis kommen, beziehungsweise an Videoschalten teilnehmen könne.

Bei Einsätzen mit FFP2-Maske

Bei den Einsätzen befolgen die Feuerwehrkräfte selbstverständlich die Corona-Regeln. Dazu zählen FFP2-Maske tragen, Abstand halten und, falls es der Einsatz erlaubt, mit verminderter Mannschaft ausrücken, damit weniger Plätze im Fahrzeug besetzt sind. Marco Saller, Kreisbrandrat im Landkreis Neustadt/WN, sagt, dass Letzteres immer im Einzelfall vom örtlichen Kommandanten entschieden werden müsse. Dazu gehört auch die Frage, ob mit mehreren Fahrzeugen ausgerückt werde, damit sich die Kräfte in den Fahrzeugen besser verteilen. Auch bei Übungen werde zum Teil die Mannschaft reduziert, berichtet Feuerwehrkommandant Denz.

Herrmann sagt: "Gerade im Einsatzfall lässt sich ein Kontakt mit Infizierten nicht immer ausschließen." Deshalb sei eine Impfung der Feuerwehreinsatzkräfte wichtig. Der bayerische Innenminister betont, eine hohe Impfquote sei "im Interesse aller Menschen, die Hilfe benötigen". Ein Eintrag der Corona-Infektion in die Feuerwehr als Teil der kritischen Infrastruktur müsse unbedingt vermieden werden. Zugleich betont Herrmann: "Aber natürlich ist die Entscheidung, ob man sich impfen lässt, von jedem einzelnen zu treffen."

Eine Covid-19-Infektion aus Einsatz gemeldet

Dem Feuerwehrlandesverband ist seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 über die Kommunale Unfallversicherung Bayern (KUVB) ein gemeldeter Fall bekannt, bei dem sich ein Feuerwehrler im Einsatz mit Covid-19 infiziert hat. "Angesichts von 325.000 Aktiven in Bayern und über 200.000 Einsätzen jährlich, ein wohl eher untergeordneter Wert", heißt es beim Verband.

Da das Innenministerium selbst keine Daten zu Covid-19-Infektionen in den Feuerwehren erhebt, verweist es ebenfalls auf die Daten der Kommunalen Unfallversicherung Bayern. Diese Infektion ist demnach nicht im Regierungsbezirk Oberpfalz aufgetreten.

Corona-Impfung sorgt für Debatten

Fuhrn bei Neunburg vorm Wald

So unterschiedlich sind die Schutzanzüge bei der Feuerwehr

Amberg

Der Bezirksvorsitzende

Schnaittenbach
Eine Mitarbeiterin eines Impfzentrums verabreicht einem Mann seine zweite Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer.
Hintergrund:

Debatte beim Feuerwehrverein Fuhrn

  • Aus Ärger über die Corona-Regeln lässt der Vorsitzende des Feuerwehrvereins Fuhrn (Kreis Schwandorf), Mischa Käsbauer, seit Wochen sein Amt ruhen: "Wir Ungeimpfte werden ausgegrenzt. Und da soll ich mich noch für die Gesellschaft engagieren?"
  • Obwohl er sein Amt ruhen lässt, hat sich der Vorsitzende der Feuerwehrvereins nun über die Facebook-Seite des Vereins zu Wort gemeldet und seine Kritik an der Ungleichbehandlung durch die Corona-Regeln bekräftigt.
  • Zudem kündigt Käsbauer an, sein Amt weiter ruhen zu lassen. Er lehnt es ab, einen Verein unter einer 2G-Regelung weiterzuführen.
  • Zum Thema Impfen schreibt Käsbauer, seine Meinung sei es "nach wie vor, dass dies jeder selbst zu entscheiden hat". Zudem betont er: "Nehmen Sie ein Impfgespräch bei Ihrem Hausarzt wahr und wägen Sie selbst die Vor- und Nachteile ab."
  • Wer sich nicht impfen lassen möchte, sollte sich an die bekannten Regeln halten, um zur Eindämmung der Pandemie beizutragen, fordert Käsbauer.
Hintergrund:

Feuerwehr und Impfen

  • In Bayern gibt es rund 325.000 aktive Feuerwehrleute in den rund 7550 Freiwilligen Feuerwehren und 7 Berufsfeuerwehren.
  • Bis zum Juni dieses Jahres gab es für Feuerwehrleute vorrangig Zugang zu Corona-Impfungen.
  • Die Priorisierungen unterschied sich nach der Verwendung. Jedoch hatten Feuerwehrleute mindestens Priorisierungsstufe drei.

Diese Regeln gelten im Freistaat

Oberpfalz

Ärger im Feuerwehrverein

Fuhrn bei Neunburg vorm Wald

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.