23.09.2019 - 19:11 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Polizist und Freundin in U-Haft

Für einen Paukenschlag im Prozess gegen den Polizisten (29) sorgt seine neue Freundin. Die 22-Jährige überrascht das Gericht mit einem Alibi für den jungen Mann - und wird noch im Gerichtssaal festgenommen. Wenig später auch der 29-jährige.

von Jutta Porsche Kontakt Profil

Am dritten Verhandlungstag fehlte es im Vorfeld nicht an eindringlichen Mahnungen an die junge Frau, die selbst eine Ausbildung zur Polizeibeamtin absolviert."Falschaussagen bei Gericht haben in der Regel Freiheitsstrafen zur Folge", erklärte Richter Hubert Windisch. Immerhin hätten alle bisherigen Zeugen in dem Prozess den 29-Jährigen stark belastet. Auch Staatsanwältin Franziska Hofmann und Rechtsanwalt Heinz Adolf, der Verteidiger des mitangeklagten Schülers (23), machten klar, dass sie - angesichts vieler Ungereimtheiten - die Aussage der jungen Frau für falsch halten.

Doch noch einmal zum Fall selbst: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Polizisten vor, er habe gemeinsam mit dem Schüler, seinem damaligen Freund, geplant, seiner Exfreundin Drogen unterzuschieben. Er habe dem 23-Jährigen 100 Euro gegeben. Der habe dann in Plauen Marihuana besorgt. In der Nacht vom 14. auf den 15. Oktober habe der 23-Jährige das Rauschgift hinter die Autokennzeichen der Exfreundin geklebt. Der 29-Jährige sei dabei Schmiere gestanden, versicherte die Exfreundin des Schülers. Sie sei in dieser Nacht dabei gewesen und sagte am Montag als Zeugin aus.

Der 23-Jährige hat die Tat längst gestanden und sich selbst damit schwer belastet. Tags darauf - so die Anklage weiter - habe der 29-Jährige seine Kollegen von der Verkehrspolizei angerufen und zu einer Kontrolle seiner "Ex" aufgefordert, weil die Rauschgift bei sich hätte. Das bestätigte sich dann auch. Doch die Kollegen bekamen Zweifel an der Version des 29-Jährigen und traten den Fall an die Kripo ab. Alle Zeugen haben die Anklage bisher teilweise oder ganz bestätigt.

Mit der Polizeischülerin tauchte am Montag eine Entlastungszeugin auf, von der bis dato nie die Rede war. Dabei will sie bereits einige Tage nach der Verkehrskontrolle erfahren haben, dass ein Verfahren gegen ihren neuen Freund läuft. Im März 2019 absolvierte sie außerdem ein Praktikum bei der Polizeiinspektion Weiden. "Warum haben Sie seitdem nichts gesagt und haben es auf eine Verhandlung ankommen lassen?", wunderte sich Richter Windisch, dass das Alibi erst jetzt bekannt wurde. "Warum haben Sie sich nicht an Ihren Vorgesetzten oder die ermittelnden Beamten gewendet?" Die einzige Erklärung der 22-Jährigen: "Seine Anwälte wussten davon."

Mit dem Datum 14. Oktober sei sie sich ganz sicher, beteuerte die junge Frau aus Erlangen. "Es war unser erstes Treffen." Und das habe vom 13. auf den 14. Oktober verschoben werden müssen, weil ihr Vater am 13. Oktober ein wichtiges Treffen mit Innenminister Joachim Herrmann gehabt hätte. "Er ist gut mit ihm befreundet." Ihr Vater habe auch als Einziger gewusst, dass sie an diesem Abend zu ihrem ersten Treffen mit dem 29-Jährigen nach Weiden gefahren sei. Ab 19 Uhr seien sie bei dem Polizisten Zuhause gewesen, dann zum Griechen gefahren und dort bis zirka 23 Uhr geblieben, weil sie sich mit dem Inhaber so gut verstanden hätten.

In diesem Fall könnte der 29-Jährige nicht Schmiere gestanden haben, als sein Freund das Rauschgift an die Autokennzeichen der "Ex" klebte. Für die Staatsanwältin deutete allerdings alles auf eine Falschaussage hin. Ein Chatverlauf im Handy des Angeklagten belege, dass das junge Paar sich zwischen 18.45 und 22.47 Uhr mehrere Textnachrichten geschrieben hat. "Haben Sie sich geschrieben, während Sie sich im Lokal gegenüber saßen?", fragte die Staatsanwältin. "Ja", erklärte die 22-Jährige. Der Grund: Sie habe den Chatverlauf ihrer Mutter zeigen wollen, die Männern gegenüber sehr kritisch sei.

Staatsanwältin Hofmann erklärte der jungen Frau daraufhin die vorläufige Festnahme "wegen des dringenden Tatverdachts der uneidlichen Falschaussage". Nicht zuletzt die Zeugenaussagen der Exfreundin des Angeklagten sowie der Exfreundin des mitangeklagten Schülers würden gegen diese Darstellung sprechen. Wenig später beantragte Hofmann außerdem den Erlass eines Haftbefehls gegen den 29-jährigen wegen Verdunkelungsgefahr. Die 22-Jährige sei offenbar von ihm beeinflusst worden und es bestehe die Gefahr, dass er auch künftige Zeugen beeinflusse.

Sechs Justizwachtmeister tauchten im Gerichtssaal auf. Richter Windisch ordnete Untersuchungshaft gegen den 29-Jährigen an. Einwände der Verteidiger - Dr. Alexander Betz und Florian Zenger aus München - ließ das Schöffengericht nicht gelten. Nach vorläufiger Bewertung sei der Angeklagte eines Verbrechens verdächtig (Verfolgung Unschuldiger, Anmerkung der Redaktion). Dieser Verdacht habe sich erhärtet. Zudem sei die Aussage der neuen Freundin grundsätzlich fraglich und widerspreche dem Chatverlauf zwischen dem Paar. Die Verhandlung wird am 10. Oktober um 9 Uhr fortgesetzt.

Zweiter Verhandlungstag im Prozess gegen Polizisten (29) und Schüler (23)

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Erster Verhandlungstag im Prozess gegen Polizisten (29) und Schüler (23)

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