12.11.2019 - 16:15 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

So wird Stroh zu Gold

Waschen, schneiden und pflegen: Die Friseurmeisterinnen Birgit Striegl und Nadine Schusser haben die besten Tipps für schöne Haare.

von Sandra Schmidt Kontakt Profil

Hand aufs Herz. Probleme mit ihren Haaren haben nur Frauen. Sie reisen selbst für ein verlängertes Wochenende mit der vollen Ausrüstung von zu Hause und beobachten staunend, dass der Mann völlig zufrieden mit den vom Hotel bereitgestellten Fläschchen und Tübchen ist. Frauen lassen an ihr Haar niemals etwas unbekannter Wirkung und mysteriöser Herkunft. Sie haben meist mehrere Pflegeserien im Badezimmerschrank - von denen sie keine mehr benutzen. Sie stehen morgens vor dem Spiegel und betrauern das, was die Nacht aus ihrer Pracht gemacht hat. Frauen haben Angst vor Nieselregen. Dabei kann alles so einfach sein. Und wie so oft gilt dabei: Weniger ist mehr.

Die beiden selbstständigen Friseurmeisterinnen Birgit Striegl und Nadine Schusser haben in ihrem Berufsleben schon einiges gesehen - und die meisten Haarprobleme sind hausgemacht. "Viele Frauen übertreiben es mit dem Waschen", sagt Birgit Striegl. "Das führt zum Austrocknen von Kopfhaut und Haaren. Sie fetten dadurch schneller nach." Die Konsequenz: Das Haar wird gewaschen. Ein Teufelskreis.

Die meisten Frauen würden ihre Haare jeden Tag waschen, erzählen die beiden. Dabei genüge eine Wäsche alle zwei bis drei Tage völlig. "Wenn die Haare morgens nicht mehr gut sitzen, reicht es, sie anzufeuchten", rät die 42-Jährige aus Oberwildenau. Kollegin Nadine Schusser vermutet: "Dadurch, dass man heutzutage viel mehr Sport treibt, wird auch zu viel gewaschen. Da verwechselt man verschwitztes Haar mit fettigem Haar und wäscht außerdem mit dem falschen Shampoo." Ein leichtes Shampoo würde ausreichen. Die Weidener Friseurmeisterin hat "schon ein paar Kundinnen dazu gebracht", sich die Haare nicht mehr täglich zu waschen. "Die Haare werden dadurch viel besser. Sie laden sich auch nicht mehr so schnell elektrisch auf."

Auch an Haarpflegeprodukten braucht es nur eine überschaubare Menge. "Allgemein sollte man nicht zu viel benutzen", sagt Birgit Striegl. "Drei bis vier Produkte reichen völlig aus." Besonders unvernünftig sei die Verwendung von Kombi-Produkten aus Shampoo und Spülung. "Ein Shampoo soll ausschließlich reinigen", erklärt sie. "In den meisten Kombiprodukten sind Silikone. Sie lagern sich am Haar an. Und sie sind nicht wasserlöslich." Die Folgen: Das Haar wird schlaff, hat keine Fülle mehr, lässt sich schwer stylen. Der Markt hat auch darauf längst mit dem passenden Produkt reagiert: Inzwischen gibt es eine Reihe von Peeling-Shampoos, die diese Probleme wieder lösen sollen. "Doch sie rauen die Haare auf. Das ist schlecht."

Waschen:

Die Wassertemperatur ist nicht entscheidend. "Jeder, wie er es will", sagt Birgit Striegl. "Je wärmer das Wasser, umso schneller quillt allerdings das Haar." Manche schwören auf einen kalten Guss nach der Haarwäsche. "Dadurch wird die Kopfhaut besser durchblutet", sagt Nadine Schusser. Bei der Wahl des richtigen Shampoos rät die 41-jährige Weidenerin, immer zuerst auf die Kopfhaut zu achten, dann erst auf die Beschaffenheit des Haares. "Wenn die Kopfhaut trocken ist, ist es oft auch das Haar." Das perfekte Shampoo enthält wenig Duftstoffe und nicht zu viel Pflege. Sie soll mit anderen Produkten ins Haar kommen. Spülungen und Conditioner sind keine Pflege, sondern ausschließlich Kämmhilfen. Gutes tun sie allerdings bei mit Rot-Pigmenten gefärbten Haaren: "Die Schuppenschicht wird geschlossen und die Farbe hält dadurch länger", erklärt Birgit Striegl. Wenn möglich sollten Spülungen vermieden werden. Für bessere Kämmbarkeit des feuchten Haares sorgen zum Beispiel Feuchtigkeitssprays, die im Haar verbleiben können.

Pflegen:

Gepflegt wird das Haar durch Kuren oder Feuchtigkeitspflege, die nicht ausgewaschen werden muss. Sie kann auch täglich angewandt werden, das Haar wird durch sie nicht beschwert. Ein Kurpackung dagegen braucht etwas Zeit. Entscheidend bei der Wahl der Kur ist die Beschaffenheit des Haares, ist es fein oder trocken? Steht "Volumen" auf der Packung, ist sie für feines Haar gedacht. ",Feuchtigkeit' versorgt trockenes Haar", erklärt Birgit Striegl. Bei der Pflege mit Kuren mahnt Nadine Schusser zu Geduld. "Die Haare brauchen eine gewisse Zeit, um die Wirkstoffe aufzunehmen. Wer die Kur nach fünf Minuten auswäscht, hat gar nichts davon." Also am besten einen gemütlichen Abend auf dem Sofa planen, die Packung ins feuchte Haare geben und ein Handtuch um den Kopf wickeln. "Die Wärme, die darunter entsteht, verstärkt die Wirkung. Man kann auch in die Sauna gehen. Oder die Kur sogar über Nacht einwirken lassen." Eine Kurpackung ist einmal im Monat ausreichend. Sie öffnet die Schuppenschicht des Haares und sorgt für Tiefenwirkung. Kuren für feines Haar enthalten Keratin, das das Haar vom Mark her stärkt. Trockenes Haar wird mit etwas öligeren Substanzen gepflegt und bekommt Feuchtigkeit.

Vorsicht mit Haaröl: Es sollte nur bei dicken, festen und naturkrausen Haaren zum Einsatz kommen. Glatte, feine Haare sehen dadurch schnell fettig aus.

Haare können auch überpflegt werden. Birgit Striegl rät: "Weniger ist mehr. Bei den Produkten sollte auf Qualität geachtet werden. Viele haben zu viele Produkte daheim, probieren und probieren."

Kämmen:

Nasses Haar möchte vorsichtig behandelt werden. Wenn es nass ist, ist es elastischer. Langes Haar muss langsam von den Spitzen her nach oben ausgekämmt werden. Ein grobzinkiger Kamm entwirrt die Längen. Anschließend kann auch eine Bürste verwendet werden. Das gilt ebenso für trockenes Haar. Birgit Striegl: "Für lange Haare gibt es auch spezielle Bürsten, die durchgleiten."

Trocknen:

Geföhnt werden sollte nicht zu heiß. "Kalt föhnen bringt allerdings auch nichts, weil man die Haare damit nicht umformen kann", gibt Nadine Schusser zu bedenken. Auch beim Föhnen ist die Häufigkeit entscheidend. Wer zu oft und zu heiß trocknet, riskiert Haarschäden. Wer sein Haar mit dem Eisen glättet, muss ein Hitzeschutz-Produkt benutzen. Auf gar keinen Fall dürfen nasse Haare geglättet werden. "Das Glätteisen kommt für das letzte Finish zum Einsatz", so Birgit Striegl. "Nur ganz zum Schluss drüberziehen."

Schneiden:

Ein Besuch beim Friseur sollte idealerweise alle acht bis zehn Wochen im Kalender stehen. Frauen mit Kurzhaarfrisuren müssen öfter nachschneiden, bei langem Haare reicht alle drei Monate. "Das sieht sonst unten ausgefranst und ungepflegt aus", so Nadine Schusser. "Lieber öfter kommen und weniger abschneiden." Wenn man lange nichts kürze, bringe ein Zentimeter nichts mehr. "Wenn erst mal der Spliss da ist, hilft die beste Pflege nicht mehr", sagt sie. "Da hilft nur noch schneiden."

Frisieren:

Wer stets dieselbe Frisur trägt, kann ebenfalls seinen Haaren schaden. Ein Pferdeschwanz, immer an derselben Stelle, lässt sensible Haare brechen. "Öfter mal die Position wechseln", rät Birgit Striegl. "Die Haargummis sind inzwischen viel besser geworden." Und auch das Flechten schone die Haare sehr. Wem öfter die Haare zu Berge stehen: Bei Naturlocken hilft ein Antifrizz-Serum, das ein wenig Wachs enthält. Feinem Haar ist das zu schwer, es braucht einfach nur Feuchtigkeit. "Einfach kurz mit feuchten Händen drüber und mit etwas Haarspray fixieren", rät Nadine Schusser. Vom bekannten Handcreme-Trick rät sie ab: "Der eigene Fettanteil der Haut reicht völlig aus."

Fazit:

"Einfach ein bisschen Zeit für die Haarpflege nehmen", sagt Nadine Schusser. "Nicht täglich, aber einmal im Monat." Die Regelmäßigkeit ist entscheidend, bei der Pflege und beim Schnitt. "Man kann sich auch viel Geld sparen, weil man nicht so viel Produkte braucht."

Kurz gesagt::

Tipps für alle Typen

Feines Haar:

Ein leichtes, mildes Shampoo mit Keratinpflege verwenden, nichts beschwerendes. Einen Festiger zum Formen einarbeiten. Kopfüber anföhnen für Volumen. Zum Fixieren der Frisur Haarspray wählen, kein Wachs.

Dickes Haar:

Wenn Haar und Kopfhaut zu Trockenheit neigen, ein rückfettendes Shampoo verwenden. Kämmbarkeit und Glanz kommen durch eine Sprühkur. Zeit für eine monatliche Intensivpflege nehmen.

Naturlocken:

Eher lufttrocknen lassen, dadurch wird das Haar nicht so aufgeplustert. Ein persönlicher Trick der beiden Friseurinnen mit Lockenkopf: Das Haar nach dem Föhnen nicht mehr kämmen. Das erhält die Struktur.

Gefärbtes Haar:

Produkte für gefärbte Haare wählen, dabei ebenfalls zwischen feinem und trockenem Haar unterscheiden. Spezielle Shampoos für Blond, Rot oder Braun wirken unterstützend und können die Farbe länger erhalten. (dt)

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