08.06.2020 - 11:33 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Suche nach Vermissten: "Oft geht es um Menschenleben"

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Mit Unterstützung aus der Luft und berittenen Polizisten suchen Einsatzkräfte seit eineinhalb Wochen nach einem 77-jährigen Weidener. Ähnlich aufwendige Vermisstenfälle gibt es immer wieder in der Region, obwohl sie eher die Ausnahme sind.

Hunde, Pferde, Hubschrauber und Drohnen kommen bei aufwendigen Vermisstensuchen zum Einsatz. Während das in der Stadt Weiden trotz insgesamt höherer Fallzahlen nur relativ selten geschieht, ist dieses Szenario beispielsweise in Vohenstrauß häufiger der Fall.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Knapp über 400 Vorgänge habe die Polizeiinspektion Weiden in den vergangenen fünf Jahren aufsummiert, in denen Personen verschwunden seien, sagt Pressesprecher Thomas Fritsch. Meist handle es sich hier aber um Jugendliche, die nicht rechtzeitig nach Hause kommen, oder Senioren, die beispielsweise in einem Heim abgängig seien. Die meisten würden schnell gefunden oder tauchten nach kurzer Zeit wieder auf. Langwierige und ähnlich aufwendige Suchen wie derzeit seien äußerst selten in Weiden. Eine pro Jahr sei schon eine hoch gegriffene Zahl, so die Einschätzung des Polizeihauptkommissars.

Die aktuelle Suche in Weiden

Weiden in der Oberpfalz

PI Neustadt: 361 Fälle in 5 Jahren

Die Neustädter Inspektion hat seit 2015 eine Zahl von 361 Vermisstenfällen registriert. Davon sind nach Auskunft des stellvertretenden Dienstgruppenleiters Georg Fritsch ebenfalls die meisten kurzzeitig Verschwundene, oft junge Leute oder Senioren. Einen Schwerpunkt bilden Patienten aus dem Bezirkskrankenhaus Wöllershof. Die letzte größere Suche endete im Dezember 2019, als eine Frau nach drei Tagen zwar unterkühlt, aber ansonsten wohlauf gefunden wurde.

PI Vohenstrauß: 37 Fälle

Zwei Wochen dauerte kurz zuvor im Raum Vohenstrauß ein langwierige Nachforschungsaktion nach einer Frau mit tragischem Ausgang. Inspektionsleiter Martin Zehent spricht von aufwändigen Einsätzen in den meisten der allerdings mit 37 Vorgängen binnen fünf Jahren weit weniger Fälle. "Da wird schnell zu jeder Tages- und Nachtzeit alles aufgeboten, denn es geht oft ganz konkret um Menschenleben."

PI Eschenbach: 172 Fälle

Zehents Kollegen in Eschenbach bearbeiteten seit 2015 insgesamt 172 derartige Fälle. Beim weitaus größten Teil handle es sich auch im westlichen Teil des Landkreises Neustadt/WN um vermisste Jugendliche, deren Aufenthalt über nur wenige Stunden hinweg den Erziehungsberechtigten nicht bekannt war und die sich deshalb besorgt an die Polizei wandten. "Aber auch unbegleitete minderjährige Asylbewerber, die vielfach wiederholt die unterkunftsinternen Ausgangsregelungen nicht beachteten, insbesondere indem sie zu den vorgegebenen Zeiten noch nicht in ihre Zimmer zurückgekehrt waren, werden von diesen Vermissungen erfasst", teilt Polizeihauptkommissar Walter Schäffler von der Polizei in Eschenbach weiter mit. Schäffler verweist auf einige Fälle, die aufwendigere Suchaktionen nach sich zogen und glücklicherweise allesamt zu einem guten Ende fanden:

  • An einem Freitagmittag im Juli 2015 war ein 80-jähriger Mann aus einem Altenheim verschwunden. Der an Demenz leidende Herr konnte trotz intensiver, großräumiger Suche durch Polizei und Feuerwehr sowie einen Polizeihund zunächst nicht gefunden werden. Erst am folgenden Tag gegen Mitternacht wurde er nach Einsatz der Rettungshundestaffel des BRK in einem Waldstück nahe Grafenwöhr entdeckt.
  • Im Juli 2017 wurde ein 52-Jähriger aus dem Bereich Eschenbach als vermisst gemeldet. Es gab Hinweise auf die mögliche Absicht einer Selbsttötung. Mit Hilfe von zahlreichen Feuerwehrleuten, Polizeihundeführern und der -hubschrauberstaffel fand sich der Mann rund einen Tag später leicht verletzt und unterkühlt in einem Waldstück. Er war gestürzt und konnte nicht mehr selbst aufstehen.
  • Im März 2018 erschien eine 22-jährige psychisch angeschlagene junge Frau nicht an ihrem Arbeitsplatz. Die Tatsache, dass sie diverse Gegenstände an Bekannte verschenkt hatte, ließ ebenfalls auf eine Suizidabsicht schließen. Die Polizei hielt den Einsatz von Suchhunden für erfolgversprechend. Sie hatte sich in einem Gebäude versteckt, in dem sie letztlich auch aufgestöbert wurde.
  • Ein weiterer Fall betraf im Januar dieses Jahres eine 16-Jährige, die nicht in der Schule erschienen war. Ihr Aufenthalt ließ sich nicht feststellen. Auch mit einem Großaufgebot von Polizei, Feuerwehr, Hundestaffeln von Polizei und BRK sowie Hubschrauber blieb die Suche ohne Erfolg und musste spätnachts abgebrochen werden. Am frühen Morgen des nächsten Tages wurde die Jugendliche schließlich in einem Kellerabgang, in dem sie Schutz gesucht hatte, stark unterkühlt ausfindig gemacht.

Die aktuelle Suche in Weiden

Weiden in der Oberpfalz

Langwierige Vermisstensuche in Vohenstrauß

Vohenstrauß

Glückliches Ende in Neustadt

Neustadt an der Waldnaab
Vermisstensuche:

Hohe Aufklärungsquote bei verschwundenen Kindern

Drei Kriterien gibt es nach Auskunft des Bundeskriminalamtes (BKA) für die Polizei, um eine Vermisstensuche einzuleiten: Eine Person hat ihren gewohnten Lebenskreis verlassen, ihr Aufenthalt ist unbekannt und es kann Gefahr für Leib oder Leben angenommen werden. Täglich werden bundesweit etwa 200 bis 300 Fahndungen neu erfasst und auch wieder gelöscht. "Erfahrungsgemäß erledigen sich etwa 50 Prozent der Vermissten-Fälle innerhalb einer Woche", so das BKA. Binnen Monatsfrist steigt diese Zahl auf über 80 Prozent. "Der Anteil, der Personen, die länger als ein Jahr vermisst werden, bewegt sich bei nur 3 Prozent." Mehr als zwei Drittel der Vermissten sind männlich. Etwa die Hälfte der Fälle betreffen Kinder und Jugendliche, davon werden laut BKA 99 Prozent aufgeklärt. (ui)

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