18.05.2020 - 18:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden: Pilzexperte entdeckt frühe Delikatesse

Mai ist nicht die klassische Zeit für Sammler von Speisepilzen. Doch auch begehrte Röhrlinge können so früh wachsen. Der Experte Norbert Griesbacher freut sich über einen Überraschungsfund.

Der rote Stiel schreckt manchen Pilzsammler ab. Für viele andere ist der Flockenstielige Hexenröhrling (Neoboletus erythropus) ein Leckerbissen.
von Stefan Zaruba Kontakt Profil

Norbert Griesbacher findet eigentlich immer Pilze. Auch essbare, die sonst nicht jeder sammeln würde, hat er außerhalb der klassischen Saison auf dem Teller. Über unerwartete Röhrlingsfunde freut sich der Weidener Pilzexperte aber immer. So auch, als er auf seinem Hausberg bei Weiden "nach den ersten ,echten' Schwammerln" suchte. Warum "echt"? "Für viele Schwammerlsucher haben ,echte' Schwammerln ein ,Futter' oder einen ,Schwamm', also keine Blätter oder Lamellen", erklärt er. Und in dieser Hinsicht gelang ihm ein früher Überraschungsfund.

An einem lichten Hang in einem Mischwald mit Buchen, Kiefern und Fichten fand er zwei Flockenstielige Hexenröhrlinge. Der "Flocki" gelte für manche Insider als ein besserer Speisepilz als der Steinpilz und sei meist - im Gegensatz zu Steinpilzen - kaum wurmig. "Er kommt im Nadel- oder Laubwald auf sauren, sandigen Böden vor, an warmen Hängen oft schon im Mai", erläutert der Fachautor. "Der festfleischige Pilz hat rostbraune bis rostrote Röhrenmündungen, und der dickfleischige Stiel ist mit rötlichen Flöckchen besetzt." Ein auffälliges Erkennungsmerkmal sei das rasche Blauanlaufen des gelben Fleisches. "Die Verfärbung geht beim Erhitzen zurück, und das Pilzgericht wird appetitlich gelb."

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Die Vorbehalte gegenüber dem Pilz mit seinem gruseligen Namen kennt der Mykologe: "Manche Schwammerlsucher halten ihn wegen seiner roten Röhrenmündungen gelegentlich für den giftigen Satanspilz, aber der hat in der Regel einen weißlichen bis hellgrauen Hut - ähnlich einem Totenschädel. Der Stiel hat keine Flöckchen, sondern ein feines Netz auf teils gelbem, teils rotem Grund. Reife, ältere Fruchtkörper weisen einen durchdringenden Aasgeruch auf." Zudem beruhigt Griesbacher: "Ich habe den Satanspilz in unserer Umgebung bisher noch nicht gefunden." Der sehr seltene Satanspilz wachse an sonnenexponierten Hängen in warmen Laubwäldern und bevorzugt auf Kalkböden wie im Fränkischen Jura. Eine vor langer Zeit ausgesetzte Prämie gilt noch: "Wer mir aus unserer Umgebung einen Satanspilz bringt, erhält zehn Euro."

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