10.10.2019 - 16:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wende im Prozess: Polizist gesteht Racheakt

Wende im Prozess gegen einen 29-jährigen Polizisten: Er gesteht nun doch, seiner Ex-Freundin aus Rache Drogen untergeschoben zu haben. Auch seine neue Freundin lenkt sein: Die Polizeischülerin widerruft das Alibi, das sie ihm gegeben hat.

Es geht um zwei Tütchen mit insgesamt sieben Gramm Marihuana (viel weniger als auf diesem Symbolbild). Gefunden wurden die Drogen am Auto einer 23-Jährigen.
von Christine Ascherl Kontakt Profil

"Voll ist voll." Die Justizwachtmeister müssen sich am Mittwoch im Amtsgericht als Türsteher betätigen. Der Sitzungssaal des Schöffengerichts ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die fälschlich beschuldigte Ex-Freundin ist da, begleitet von einem großen Freundeskreis. Ebenso etliche Polizisten, manche schon pensioniert, dazu einige Beamte aus dem Präsidium. Der Vater der Polizeischülerin hört zu, ebenso ihr Ausbilder aus Sulzbach-Rosenberg. Dieser ist froh, dass die Auszubildende reinen Tisch macht.

Die Wende ist zwei Wochen Untersuchungshaft zu verdanken. Am letzten Verhandlungstag, 23. September, hatte Richter Hubert Windisch den ehemaligen Polizisten der Verkehrspolizei und die Polizeioberwachtmeisterin im Gerichtssaal festnehmen lassen. Grund: der Verdacht der uneidlichen Falschaussage. Der Angeklagte bestritt eine Beteiligung an der nächtlichen Aktion im Oktober 2018, als ein Kumpel (23) der Ex-Freundin ein Päckchen mit Haschisch ans Autokennzeichen geklebt hatte. Und die neue Freundin des Angeklagten beharrte darauf, dass man den besagten Abend gemeinsam "beim Griechen" verbrachte. Beide wurden in Justizvollzugsanstalten gebracht. Am 2. Oktober legte er beim Haftprüfungstermin ein Geständnis ab. Fünf Tage später widerrief auch sie.

"Alles Taktik"

Die junge Frau war am 23. September völlig überraschend als Entlastungszeugin präsentiert worden. Alles "Taktik", erklärt der Angeklagte jetzt. "Meine Anwälte hatten von Anfang an vor, dass unsere Trümpfe zum Schluss ausgespielt werden." Die Münchener Verteidiger Dr. Florian Zenger und Alexander Betz glänzen am Mittwoch durch Abwesenheit und lassen sich vom örtlichen Strafverteidiger Rouven Colbatz vertreten.

Richter Windisch kreidet dem Angeklagten an, dass er seine Freundin derart ins Messer laufen ließ: "Es muss ihnen doch klar gewesen sein, dass die Falschaussage das berufliche Ende für sie bedeuten könnte." Die 22-Jährige erklärt im Zeugenstand, dass sie der Angeklagte im Vorfeld auf ihre Aussage vorbereitet habe. "Vor der Verhandlung ging er mit mir alle Antworten auf mögliche Fragen durch."

Die 22-Jährige aus Franken kannte den Kollegen "aus dem Internet". Im Oktober 2018 hatte sie ihn das erste Mal persönlich getroffen. Nur fand dieses erste Rendezvous in Weiden eben nicht am Abend der Tat, sondern eine Woche später statt. Dies habe sie jetzt nachrecherchiert. Im Vorfeld der Verhandlung habe der Angeklagte sie gezielt zum falschen Datum hingeführt. "Irgendwie hatte ich die Hoffnung, dass das wahr sein könnte. Ich wollte ihm glauben." Die junge Frau ist wieder auf freiem Fuß.

Nicht so der Angeklagte. Am Mittwoch wird er mit Handfesseln vorgeführt, die auf Antrag von Anwalt Colbatz abgenommen werden. Er wird auch in Haft bleiben. Das Geständnis geht der Staatsanwältin nicht weit genug. Der 28-jährige Polizist sagt, er habe "Schmiere gestanden", als der Kumpel die Drogen ans Auto klebte. Aber weder das Geld für das Marihuana, noch die Idee für den "Denkzettel" seien von ihm gekommen. Dies widerspricht sich mit der Aussage des 23-jährigen Komplizen, der sagt er habe die Drogen im Auftrag des Angeklagten in Tschechien besorgt und dafür 100 Euro bekommen.

Urteil am 24. Oktober

Auch die Entschuldigungen an die beiden Frauen fallen etwas halbherzig auf. "Ich wollte mich entschuldigen", sagt der Angeklagten zur neuen Freundin, "dass meine Anwälte sagten, du sollst da aussagen." Zur "Ex" meint er: "Mir tut das leid, dass ich das getan habe." Und korrigiert dann noch: "dass ich dabei war." Staatsanwältin Franziska Hofmann entgeht das nicht. Sie sperrt sich gegen eine Haftentlassung. "Auch jetzt stellt er sich wieder als Opfer dar." Es seien so viele Personen in das Verfahren verwoben. Sie sieht Verdunklungsgefahr. "Ich weiß nicht, wen er sich als nächstes als Zeugen aussucht."

Fortsetzung ist am 24. Oktober, 13.30 Uhr, mit Plädoyers und Urteil.

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