14.02.2021 - 13:17 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Äquator für Verpackung: BHS Corrugated stellt Logistik-Pläne für Weiherhammer vor

BHS Corrugated und Maschinenbau gehören zusammen wie Kaffee und Kuchen. Aber BHS und Logistik? Bestimmt genauso gut, sagen die Inhaber Christian und Lars Engel. In Weiherhammer haben sie viel vor.

Die gerodete Fläche gegenüber von Pilkington direkt an den Gleisen war überraschend wieder freigeworden für einen Investor. Die BHS Corrugated hat zugeschlagen.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Wohl der Gemeinde, die einen Investor für 18 Hektar Gewerbeflächen verliert und acht Wochen später einen neuen präsentieren kann. Einen, der sogar noch mehr Gewerbesteuer und Arbeitsplätze im Schlepptau haben dürfte. Und einen, der mit dem Standort Weiherhammer verwurzelt ist.

Diese BHS Corrugated plant also einen Logistikpark im Industriegebiet "Weberschlag", wo überraschend Flächen frei wurden, weil die Ansiedlung der Flachglas Wernberg gescheitert ist (wir berichteten). Im März soll der Bauantrag dem Gemeinderat Weiherhammer vorliegen, im Spätherbst sollen dann die Bagger anrollen. Anfang 2023 ist die Inbetriebnahme vorgesehen. So umreißt Christian Engel den Zeitplan. Er ist der ältere der beiden Brüder, denen das Unternehmen gehört.

Hinter ihrer geplanten 40-Millionen-Euro-Investition stecken zwei Gründe. Zunächst Platzknappheit am Hauptsitz, der durch Beckenweiher und Haidenaab begrenzt ist. Daher habe die Geschäftsführung zunächst damit geliebäugelt, im 60 Kilometer entfernten Tachov zu erweitern, wo bereits ein BHS-Werk steht. Doch der Rückzug der Flachglas habe die Option in der Heimat ergeben. Nun sollen sogar Teile aus Tschechien nach Weiherhammer zurückverlagert werden.

Sieben neue Geschäftsfelder

Das zweite Motiv ist eher strategisch. Die BHS ist weltweit tätig und garantiert ihren Kunden, dass 50000 Ersatzteile jederzeit vorrätig sind und schnell geliefert werden können. Bei weiterem Wachstum ist auch dafür mehr Platz und Automatisierung gefragt. "Als wir die Logistik hausintern neu geplant haben, sind uns neben der klassischen Versandteile-Logistik Ideen gekommen, die wir auch anderen anbieten können. Dabei haben wir sieben Geschäftsmöglichkeiten identifiziert."

Eine davon ist die Seeverpackung. Damit würde Weiherhammer Hafenstädten wie Genua, Bremerhaven oder Rotterdam Konkurrenz machen, erklärt Christian Engel augenzwinkernd. Hintergrund: Frachtgut, das per Container verschifft wird, muss vorverpackt werden. Dies wird normalerweise gerne in der Nähe von Häfen erledigt. Doch das könne die BHS auch. "Wir wollen einen Teil von dem, was von Süd nach Nord geht, am Weiherhammerer Äquator abfangen. Dann stellen wir es vorverpackt auf die Schiene und schicken es nach Hamburg oder andere Häfen."

Andere Stichpunkte des neuen Konzepts heißen globale Transportlogistik, Logistikberatung, optimiertes Materialflussmanagement oder standardisierte Vormontagen. "Wir nehmen ja gern den Mund ein bisschen voll", schmunzelt der große Engel-Bruder. Doch Ziel sei nichts weniger als die Verdoppelung der Aktivitäten.

Lars Engel erkennt ein Wachstumspotenzial im Umfang von 200 bis 300 Millionen Euro. 2019 schrieb die BHS mit 430 Millionen Euro Rekordumsatz. Im Covidjahr 2020 kitzelte sie sogar noch ein Plus von 0,5 Prozent raus, obwohl die Wellpappeindustrie als konjunkturanfällig gilt und das Bruttoinlandsprodukt im selben Zeitraum um über 5 Prozent nach untern rauschte. Doch vor allem vom Boom beim Online-Handel, der zum Großteil in Wellpappeschachteln abgewickelt wird, profitiert der Weltmarktführer für solche Spezialmaschinen.

Damit allein ließe sich aber die Expansion nicht vorantreiben. Neue Produkte sollen her. Dazu gehört eine digitale Druckmaschine, die in die Wellpappenmaschine integriert wird, erklärt Lars Engel. Sie ist mit 60 Metern Länge etwa halb so groß wie die klassische Riffelwalzenanlage. Zur Montage soll ebenfalls im Logistikpark Platz geschaffen werden.

Partner aus der Region

Für den Bau der BHS-Logistik sei im Übrigen ein Unternehmen aus der Region, aber nicht Witron im Gespräch. Die Spezialität der Parksteiner sei eher die hochdynamische Kommissionierung, im "Weberschlag" sei jedoch etwas anderes gefragt. Das eröffnet Raum für Spekulationen in Richtung Sitlog aus Altenstadt/WN oder IGZ in Falkenberg. Architektonisch darf man ebenfalls mit einem Ausrufezeichen rechnen: "Sie können darauf wetten, dass wir schöne Gebäude bauen", versichert Christian Engel.

Apropos: Mit dem Logistikpark und der Pandemie sind Pläne für ein zweites Lifecycle-Gebäude am Beckenweiher gestorben. Die markante Immobilie mit der Wellenfassade diente erst vor Kurzem als Kulisse für einen Werbespot der Mercedes-Luxusmarke Maybach.

Robotik stark im Kommen

Die Wellpappenspezialisten haben schon bald die Vorzüge des mobilen Arbeitens entdeckt. Es braucht weniger Platz, spart Geld, Zeit auf Reisen und ist laut Christian Engel ein "Produktivitätstreiber". Ähnliches gelte für die Mitarbeiter-Rekrutierung. "Wir haben bislang einen Einzugsbereich von 40,50 Kilometern. Das ändert sich jetzt auf 10000 Kilometer", kündigt Christian Engel an. "Wir haben zum Beispiel eine hohe Position in Sachen Softwareleitung ausgeschrieben. Der kann mal arbeiten, wo er will, in Shanghai oder Tunis. Das funktioniert auch mit Personalverantwortung." Gerade im Fertigungsbereich sei aber der Mensch vor Ort weiter unverzichtbar, auch wenn der Logistikpark ein hohes Maß an Robotik bekomme. Auf diesem Gebiet tut sich in Weiherhammer bereits etwas. Mit einem Technologiepartner in Regensburg haben die Engels die Sparte BHS Intralogistik gegründet. Sie hat unter anderem autonome Gabelstapler entwickelt, die außerhalb der Wellpappenbranche verkauft, aber wahrscheinlich im Logistikpark entwickelt werden sollen.

Gut möglich sei ferner, dass die Maschinenbauer gar nicht alle 18 Hektar brauchen, die sie gekauft haben. Daher sei daran gedacht, sie an andere Firmen aus Weiherhammer weiterzuverkaufen oder sie weiterzuentwickeln. Dabei spiele auch die ökologische Komponente eine Rolle, etwa mit Sonnenstrom zum Eigenverbrauch. Gleichwohl würde das Gelände zwar kein gewöhnliches, aber ein "eher industrielles Antlitz" bekommen.

Mehr zum geplanten BHS-Logistikpark

Weiherhammer
Hintergrund:

Die BHS Corrugated

  • 1717 Gründung des Hüttenwerks Weiherhammer als Teil der Bayerischen Berg-, Hütten- und Salzwerke AG (BHS).
  • 1969 gehen bereits 80 Prozent der Produktion der daraus entstandenen Maschinenfabrik in die Wellpappenindustrie.
  • 1991 verkauft der Freistaat Bayern sämtliche BHS-Anteile.
  • 1993 erwerben Paul Engel und Edmund Bradatsch den ausgegliederten Wellpappenbetrieb mit 330 Mitarbeitern. Einige Jahre später steigen die Engel-Söhne Christian und Lars ein.
  • Heute: 2500 Mitarbeiter in über 20 Ländern, davon 1000 in Weiherhammer. Nach eigenen Angaben wird rund ein Drittel der weltweiten Wellpappeproduktion auf Anlagen von BHS Corrugated erzeugt. (phs)

"Sie können darauf wetten, dass wir schöne Gebäude bauen."

Christian Engel

Christian Engel

Die geplatzte Ansiedlung der Flachglas Wernberg in Weiherhammer

Weiherhammer

 

 

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