09.12.2020 - 11:19 Uhr
WiesauOberpfalz

Staunen über alte Handwerkstechniken

Das grenzüberschreitende Miteinander ist am Beruflichen Schulzentrum Wiesau (BSZ) längst selbstverständlich. Neu jedoch ist die Zusammenarbeit mit dem Geschichtspark Bärnau.

Die Schaubaustelle im BSZ rückte die Arbeit mit Holz, wie sie vor vielen Jahren praktiziert wurde, in den Blick. Im Bild (von links) Armin Troppmann, Fachoberlehrer Markus Schultes, Ilona Hunsperger, Fachlehrer Thomas Gradl, Martin Koudele, Adam Jopek, Schulleiter Thomas Metzler und die Schüler der Schreinerklasse.
von Werner RoblProfil

Seit dem Frühjahr 2020 arbeitet Ilona Hunsperger für den Geschichtspark Bärnau-Tachov. Durch die Freundschaft mit der Familie von Markus Schultes (Fachoberlehrer am Beruflichen Schulzentrum Wiesau) entstand eine grenzüberschreitende Idee, die nun konkrete Formen annahm. Auslöser war eine Wanderung im Nachbarland Tschechien, bei der man sich – so Markus Schultes - zufällig traf.

Die Ausflügler kamen dabei auch auf das BSZ und den Bärnauer Geschichtspark zu sprechen. Hunsperger äußerte dabei den Gedanken, die Handwerker des Museumsdorfes ins Berufliche Schulzentrum einzuladen, um sich und deren Handwerk einmal näher vorzustellen. Ins Auge fasste man eine Schaubaustelle, um damit den Blick aufs Handwerk in früheren Zeiten zu werfen. Fachoberlehrer Markus Schultes zeigte sich davon begeistert. Umgehend informierte er Schulleiter Thomas Metzler, der – von der Idee ebenfalls beeindruckt - grünes Licht gab.

„Erinnerungskultur“

Das aktuelle Aufeinandertreffen des interkulturellen Teams wurde zu einem historischen Rückblick, um sich dabei vor Ort mit alten Holztechniken vertraut zu machen. Über die Details informierte Ilona Hunsperger: Das Angebot sei Teil der Jubiläumsveranstaltung „Erinnerungskultur“ des Vereins „Via Carolina – Goldene Straße“. Wie Hunsperger an anderer Stelle betonte, möchte der Verein in diesem Jahr an das 30. Jubiläum der Grenzöffnung erinnern. Darüber hinaus blicke man auch auf zehn Jahre gelebte deutsch-tschechische Zusammenarbeit zurück, ergänzte Hunsperger.

Würdigung der Arbeit

„Es handelt sich dabei um das erste Projekt dieser Art“, informierte die ehemalige Schülerin an der Fachschule für Hotel- und Tourismusmanagement, Ilona Hunsperger, danach im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. „Wir möchten das, was wir in Bärnau machen, als Message auch an die Schüler und Lehrer weitervermitteln." Den Zuschauern wurde darüber hinaus auch die Bedeutung geöffneter Grenzen und die Wiedervereinigung einer Region nahe gebracht. Das Heranführen an das Thema der grenzübergreifenden Zusammenarbeit sei essenziell für eine nachhaltige Erinnerungskultur, schreibt der verantwortliche Verein „Via Carolina – Goldene Straße“ in einer Pressemitteilung. Ziel sei es auch, den Blick der Öffentlichkeit auf die grenzüberschreitende Vereinsarbeit zu lenken. Ferner teilt der Verein mit: Für die Vereinsmitglieder sei das sichtbare Begehen des Doppeljubiläums eine Würdigung ihrer Arbeit und ihrer Mühen. Damit wolle man auch einen Grundstein für die zukünftige Vereinsarbeit legen, heißt es in der Verlautbarung.

„Alles ist sehr spannend“, warf auch Schulleiter Thomas Metzler einen Blick auf die Vorführungen, für die man, um viel zeigen zu können, einen ganzen Vormittag eingeplant hatte. Von den Fachleuten gezeigt und erklärt wurden unter anderem die Verwendung von Holzverdünnungen, das Behauen von Balken und das Mörtelmischen mit Branntkalk. Fachlich betreut wurde der Unterricht von den Handwerksmeistern Armin Troppmann und Martin Koudele sowie vom Schmied und Zimmerer Adam Jopek. Die Arbeit des handwerklich versierten Teams beobachtete auch Thomas Gradl, Fachlehrer an der Berufsfachschule.

Weitere Projekte

„Wir werden die Kooperation weiter vertiefen“, kommentierte Schulleiter Thomas Metzler den Auftakt einer ganzen Reihe von Projekten, die man im kommenden Jahr am BSZ anbieten möchte, um - begleitet vom Geschichtspark - auch andere Facheinrichtungen einzubinden. Aktuell im Gespräch sei laut Metzler die Fachschule für Hotel- und Tourismusmanagement, für die man noch ein inhaltlich geeignetes Projekt ausarbeiten werde.

Gut vorstellen könne man sich laut Ilona Hunsperger auch weitere Aktionen außerhalb der Berufsfachschule. Als geeignetes Areal führte sie den Geschichtspark Bärnau an, um mit den dort arbeitenden Handwerkern und den Schreinern am BSZ zum Beispiel ein Fachwerkhaus zu errichten. „Man sollte das im Auge behalten, um den Geschichtspark Bärnau zu ergänzen", wagte Hunsperger einen Ausblick in die nahe Zukunft.

Die Holz-Werkstätten des Beruflichen Schulzentrums Wiesau sind gut ausgestattet

Wiesau
In der Schreinerwerkstatt wird ein Holzbalken bearbeitet. Gezeigt wird die Technik, wie sie vor vielen Jahren Praxis war.

Der Geschichtspark Bärnau lockt mit spannenden Veranstaltungen

Bärnau
Nach dem Behauen wird der Balken abtransportiert.
Der erste Balken ist fertig.
Hintergrund:

Unterstützung durch den Freistaat Bayern

  • Förderung: Gefördert werden die derzeit laufenden Projekte des Vereins „Via Carolina – Goldene Straße e.V.“ vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat. Der Freistaat Bayern hat dafür ein Gesamtbudget in Höhe von rund 30.000 Euro zur Verfügung gestellt.
  • Aktionen: Als konkrete Maßnahmen nennt der Verein „Via Carolina – Goldene Straße“ Sondervorführungen, Vorträge, Ausstellungen und vieles mehr, wie zum Beispiel eine symbolische Baumübergabe an die Bärnauer Nachbarstadt Tachov (Tachau) in Tschechien. Geplant sei die Übergabe aber erst im nächsten Jahr, informierte Ilona Hunsperger auf Anfrage.

 

 

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