26.08.2020 - 11:12 Uhr
WiesauOberpfalz

Mit der Wünschelrute auf Wassersuche

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Das Thema Wasser ist ein spannendes Kapitel in der Wiesauer Geschichte. Lange Jahre erhitzte es die Gemüter und beschäftigte den Gemeinderat. Für eine Lösung sorgte aber erst ein Pater aus Pleystein.

Bereits um 1900 wurde der Hochbehälter am Wiesauer Kreuzberg errichtet. Das Gebäude steht heute noch dort. Verändert hat sich lediglich das Umfeld.
von Werner RoblProfil

Ab circa dem Jahr 1900 versorgten zwei Fuchsmühler Quellen, die im Eigentum der Gemeinde Wiesau waren, zudem ein Hochbehälter am Kreuzberg den alten Ortskern, die Haupt- und Bahnhofstraße mit Wasser. Eine Leitung führte nach Schönfeld. Wiesau aber wuchs. Gewerbe und Industrie erlebten durch die Eisenbahn einen spürbaren Aufschwung. Die positive Entwicklung hatte aber einen Nachteil: Der kostbare Schatz Wasser wurde merklich knapper. Händeringend forschte man nach einer Lösung. Die Sicherstellung der Versorgung blieb für Wiesau ein jahrzehntelanges Problem, das erst in den 1960er Jahren gelöst werden konnte, berichtet ein Chronist.

Klagen der Bürger

Zurück zu den Jahren 1929 und 1930, als man den Kreuzberger Hochbehälter deutlich erweitert hatte. Bedauernd stellte man aber bald fest, dass die Wasserversorgung damit noch lange nicht zufriedenstellend gelöst war. Regelmäßig wurden die Leitungen abgesperrt, um zu sparen. Die Leute beklagten sich bei der Gemeindeverwaltung. „Wir mussten uns anderweitig behelfen. Befreundete Landwirte, die einen eigenen Brunnen hatten, halfen uns über die Runden. An Regentagen war es besser“, erzählte einmal eine Wiesauerin vom Kreuzberg und erinnerte an die Blecheimer, mit denen man mehrmals loszog, um das Wasser heim zu tragen.

Hier ein Bericht zum Bau der Michaelskirche in Wiesau

Wiesau

Währenddessen forschte man weiter. Man schaltete Wünschelrutengänger und selbst ernannte „Wasserexperten“ ein. Die Ergebnisse blieben überschaubar. Längst hatte man es aufgegeben, ausschließlich nach Quellvorkommen zu suchen. Jetzt ging man auch daran, im sogenannten „Buch“ bei Triebendorf einen Tiefbrunnen zu erschließen. Für sehr wahrscheinlich hielten die Verantwortlichen auch einen Fund im Basaltsteinbruch. 1943 aber stellte man fest, dass das erschlossene Brunnengebiet im „Buch“ beziehungsweise die verlegten Rohre versandet waren. Der "Bodenschatz" war nur noch ein Tropfen auf den heißen Stein. Die erschlossene Quelle im Steinbruch sorgte für weitere Probleme und trug kaum zur Entspannung bei. Hinzu kamen unvermeidliche Rohrbrüche. Die Kriegsjahre, in denen das Material knapp war, machten die Sache umso schwerer. Die Folge: Die Wassernot blieb.

Volltreffer

Für eine Überraschung sorgte 1963 ein Seelsorger. Pater Odilo stammte aus Pleystein. Der Geistliche forschte mit einer Wünschelrute und stellte Wasservorkommen zwischen Wiesau und Triebendorf fest. Darüber hinaus empfahl er Tiefbohrungen östlich der Bahnlinie, ebenso südwestlich von Wiesau. Genau festlegen aber wollte sich der Geistliche nicht. Eine Fachfirma rückte an. Die späteren Bohrtürme an der sogenannten „Leite“ und in der Waldabteilung „Pechofener Hölzl“ sorgten für Volltreffer. Außerdem machte man sich ans Werk, um in der "Leite" (nahe Schönfeld) eine Aufbereitungsanlage zu errichten, die im September 1967 ihren Betrieb aufnahm. Die Gemeinde Wiesau hatte zuletzt viel Geld und Zeit investiert. Der hohe Aufwand aber sollte sich lohnen. Die Wasserversorgung, die lange für Kopfzerbrechen in Wiesau gesorgt hatte, war gesichert. Dank galt Pater Odilo.

Hintergrund:

In einem Gutachten stellt das „königliche Wasserbureau“ bereits 1902 fest: „Die Ortschaft Wiesau leidet von jeher unter Wassermangel.“ Die Tatsache untermauert auch ein früherer Aktenvermerk aus dem Jahr 1618. Im historischen Schriftstück empfahl man, eine Leitung („lebendige quel“) zu bauen, um das damalige Dorf Wiesau mit Wasser zu versorgen; zuletzt deckten private Hausbrunnen den Bedarf.

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