14.03.2021 - 10:02 Uhr
WindischeschenbachOberpfalz

14 Kommunbrauer im Kreis Neustadt wollen wieder Zoigl ausschenken

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Die Zoiglkalender für 2021 liegen auch im März noch in der Hofeinfahrt eines Wirts in den Kartons, in denen sie die Druckerei nach Windischeschenbach angeliefert hat. Immerhin: Die Kamine der Kommunbrauhäuser beginnen wieder zu qualmen.

Auf den Tischen beim „Gloser“ in Windischeschenbach stapelt Hermine Popp die Zoigl-Kalender. Im Ecke stehen die Dosen für den Außer-Haus-Verkauf. Nun hoffen die Wirte, dass die Inzidenzzahlen mit dem kommenden Frühjahr sinken und sie wieder Gäste in ihren Stuben bewirten können.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Nur noch selten rauchte es während des Lockdowns aus dem Schlot der Kommunbrauhäuser in Windischeschenbach und Neuhaus. Gerüchte über Schließungen von Zoiglstuben auch über die Zwangspause hinaus machen die Runde. Doch zumindest alle 14 Wirte aus dem Landkreis Neustadt, die sich unter dem Dach "Echter Zoigl vom Kommunbrauer" zusammengeschlossen haben, wollen wieder aufsperren und Gäste bewirten.

"Gloser"-Wirt Martin Popp hat kartonweise die kleinen grünen Kalender mit den Schankterminen bei sich stehen. Seit dem Lockdown haben sich auch die Wirte untereinander nicht mehr getroffen. Er plädiert dafür, bald wieder gemeinsam für den Zoigl zu werben, um nicht auf den Stand von vor 15 Jahren zurückzufallen. Neben dem Lockdown sieht der Zoiglwirt Probleme für die Stadt, sich und seine Kollegen, weil Übernachtungsmöglichkeiten im ehemaligen Jugendhaus Stützelvilla und durch den Abriss des Oberpfälzer Hofes weggefallen sind. "Bis private Ferienwohnungen oder anderweitiger Ersatz kommen, dauert es noch." Popp geht davon aus, eventuell nach Ostern, Mitte April, spätestens aber am 1. Mai wieder Gäste zu bewirten. "Da kann man draußen sitzen und die Infektionszahlen sind durch die Impfungen dann hoffentlich schon heruntergegangen." Bis dahin gibt es Zoigl in 5-Liter-Dosen zum Abholen.

"Wir hätten schon geplant, aufzumachen, wenn wir es wieder dürfen", sagt Sandra Weiß. Ab Mitte April hofft die "Schlosshof"-Wirtin aus Windischeschenbach, die vereinbarten Schanktermine einzuhalten, wie sie in den Zoiglkalendern stehen. Sollte das nicht klappen, plant sie einen Straßenverkauf von Zoigl, Brotzeiten und anderem Essen, denn das Bier ist frisch gebraut.

"Wir als kleinste Zoiglstube warten erst einmal ab, wie es sich entwickelt", betont Anton Heinl, Wirt vom "Roud'n". "Wir werden wohl die letzten sein, die wieder aufmachen und müssten dafür das alte Konzept haben." So lange sie rüstig sind, wollen auch Anni und Rudi Loistl um den Zoigl kümmern. "Wir werden nicht die ersten sein, die aufmachen und müssen erst noch brauen." Das bezieht der mittlerweile vierfache Opa sowohl auf die Dämmerschoppen und das wöchentlich Mittagessen in der Windischeschenbacher Stube wie auch auf seinen Pfarrhof in Altenstadt.

"Wenn Söder am Samstag das Go gibt, können wir schlecht gleich in der Woche darauf loslegen", meint "Käck'n"-Wirtin Renate Schönberger aus Neuhaus. Eine Voraussetzung, um den Ausschank zu beginnen, ist, dass die Schwiegeltern und Seniorwirte Ernst und Rosemarie Schönberger geimpft sind. "Angemeldet sind sie."

Warten auf grünes Licht

"Die Vorstellung, in drei Tagen könnt Ihr aufmachen‘, klappt nicht", weiß auch Reinhard "Kitty" Fütterer vom Schafferhof. Aber: "Wir stehen in den Startlöchern und warten auf grünes Licht – nicht nur wir, sondern vor allem die Gäste würden sich freuen." Wetterbedingt könnten sich die Schanktage von denen, die im Zoiglkalender abgedruckt sind, unterscheiden. Sehr gut komme seit vier, fünf Wochen der Bierverkauf zum Mitnehmen an. "Den werden wir mit Fässern in Zukunft fortführen." Einen erfolgreichen Außer-Haus-Verkauf hat auch Schönberger für Bier und die mit Ehemann Matthias selbst hergestellten Wurstspezialitäten organisiert.

"Ab nächster Woche verkaufe ich alle 14 Tage warme und kalte Brotzeiten und Bier zum Mitnehmen", kündigt Robert Sperber an. Das läuft unabhängig von den Zoiglterminen, plant der Wirt vom "Binner" in Windischeschenbach. "Wenn ich den Gästen einen negativen Coronatest abverlange und einen Besuchstermin vereinbaren muss, dann kannst Du das vergessen", hält Sperber solche Regeln für nicht umsetzbar. "Ich bräuchte zwei zusätzliche Leute, einen zum Telefonieren und einen zum Kontrollieren."

Gäste nur nach einem Coronatest zu bewirten, hält auch Lisa Grießl für unrealistisch. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute erst für den Test zahlen, um danach ins Wirtshaus zu gehen." Die Wirtin vom "Ströhern" in Eslarn hatte zur Kirchweih im Oktober zum letzten Mal geöffnet. "Es wird sich viel draußen abspielen", blickt sie jetzt nach vorne. Das knapp 10-köpfige Team sei ganz heiß darauf, wieder zu arbeiten. "Bier haben wir immer, wir könnten morgen aufmachen." Alten Zoigl hat ihr Mann Albert ebenso wie Sperber zu Schnaps destilliert.

"Vor dem Frühling, wenn es warm wird für die Plätze draußen, werde ich nicht aufmachen", kündigt Jürgen Köllner vom "Fiedlschneider" in Windischeschenbach an. Sein Kollege Sebastian Curcu, der den "Posterer" gepachtet hat, will wieder loslegen. "Mit einer Woche Vorlauf wäre das möglich." Den "Wagerer" in Parkstein betreibt er seit dem Jahreswechsel nicht mehr.

Öffnung an Ostern ist noch zu früh

Trotz Fass- und Flaschenverkaufs musste Jürgen Punzmann wegen der langen Schließzeit Zoigl wegschütten. Jetzt ist der "Teicher"-Keller in Neuhaus wieder voll. "Ich habe erst gebraut und würde sofort aufmachen." Minimum seien aber 14 Tage Vorlauf. "Und dann muss man nach dem Wetter schauen."

Ähnlich sieht es beim "Lingl" gleich nebenan aus. Der nächste Schanktermin im Kalender wäre Ostern. "Das ist definitiv zu früh." Klaus Bauer hofft auf den Mai. Zum Muttertag wolle er es wagen zu öffnen, wenn sich die Lage entspanne und er dürfe. "So ist der Plan. Die ewige Ruhe, die du momentan hast, magst du irgendwann nicht mehr."

Am anderen Ende des Neuhauser Marktplatzes lugt Manfred ebenfalls auf seinen übernächsten Zoigltermin am 16. April. Bis dahin werden die Leute sein Bier weiterhin zum Abholen bekommen. Zwischen den beiden liegt der "Bahler". Wirt Thomas Witt spricht von einem zaghaften Außer-Haus-Verkauf. Dennoch hat er sich in der vergangenen Woche mit Schafferhof-Chef Fütterer einen Sud geteilt. "Wenn es möglich wird, sperre ich wieder auf." An die Vorschriften im vergangenen Jahr hätten sich die Gäste gehalten. "Jeder hat sich bemüht." Und so sieht er auch künftigen Corona-Auflagen gelassen entgegen.

"Jetzt wird geimpft", blickt Fütterer optimistisch in die Zukunft. "Ich bin gespannt, wie sich das langfristig auf die Kultur auswirkt." Er verspricht, dass es am Schafferhof wieder Konzerte geben werde, wenn auch nicht mehr so narrisch, wie es gewesen sei. "Bisher haben wir alles verschoben." Fütterer spricht aber auch davon, die Zeit eingeschränkter Aktivitäten genossen zu haben. "Es war seit 20 Jahren die schönste Zeit, weil man wieder etwas zurückkommt aufs Wesentliche", bekennt der Zoiglwirt, Kulturveranstalter und Schornsteinfeger.

Wiederbelebung einer (fast) verschwundenen Zoiglstube

Windischeschenbach
Hintergrund:

Ausgezeichnete Oberpfälzer Zoiglkultur

  • 2011 Auszeichnung als "Unser Original" beim 1. Spezialitätenwettbewerb der Metropolregion Nürnberg.
  • 2018 Goldene Bieridee des Bayerischen Brauerbundes für Museum Biererlebnis Kommunbrauhaus Eslarn.
  • 2018 Aufnahme erst in das Bayerische Landesverzeichnis und dann in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.
  • 2019 Heimatpreis Bayern für Oberpfälzer Zoiglkultur.

 

 

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