10.04.2020 - 06:59 Uhr
WinklarnOberpfalz

Ostern im Zeichen von Corona: Jerusalem ist ganz still geworden

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Für Christen ist Ostern in Jerusalem ein besonderes Fest. Seit mehr als einem Jahrzehnt lebt der Oberpfälzer Benediktiner Matthias Karl im Heiligen Land. Diesmal ist nicht nur für ihn alles anders.

Pater Matthias Karl stammt aus Schneeberg bei Winklarn (Kreis Schwandorf) und ist seit zwei Jahren Prior der Benediktiner-Abtei Dormitio in Jerusalem. Zuvor lebte und arbeitete er in Tabgha am See Genezareth. Bild: Dormitio
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Pater Matthias Karl kennt Kümmersbruck (Kreis Amberg-Sulzbach) und Mitterteich (Kreis Tirschenreuth) aus einer Zeit als Diakon und Kaplan. Wegen der Ausbreitung des Coronavirus blickt der Prior der Benediktiner-Abtei Dormitio in Jerusalem mit Sorge aus der Ferne auf seine Heimat. Im Interview vermittelt der Oberpfälzer dennoch Trost und Hoffnung.

ONETZ: Pater Matthias, wie geht es Ihnen und Ihren Mitbrüdern in der Abtei in diesen Tagen der Coronakrise?

Pater Matthias Karl: Jerusalem ist ganz still geworden. In unserer Abtei und auf dem ganzen Zionsberg bewegen sich derzeit nur die wenigen Menschen die hier fest leben. Fast der ganze Tag spielt sich im Haus ab. Wir Benediktiner in der Abtei Dormitio, hier in Jerusalem und auch unsere Mönche in Tabgha, am See Genezareth, sind wohl auf und Gott sei Dank gesund.

ONETZ: Hier in Bayern können die Gläubigen nicht in die Gottesdienst gehen. Diese werden per Video verbreitet. Muss auch bei Ihnen die Seelsorge zurückstehen? Suchen Sie andere Wege?

Pater Matthias Karl: Auch in Jerusalem und in ganz Israel gilt Versammlungsverbot. Angesichts der möglichen Ansteckungsgefahr eine akzeptable und dringend zu beachtende Maßnahme. Das beeinträchtigt in besonderer Weise auch die Gewohnheiten aller Gläubigen, der Juden, Christen und Muslime. Eigentlich würden wir gerne in großer Gemeinschaft Ostern, Pessach und Ramadan feiern. Dieses Jahr ist das nicht möglich. Das gemeinsame Gebet ist nur in den eigenen Hausgemeinschaften möglich. Auch hier in Israel werden unterstützend Gottesdienste live im Internet übertragen. Und viel Seelsorge geschieht natürlich in diesen Tagen vor allem mit Hilfe des Telefons, per Skype und WhatsApp-Kommunikation. Es ist schön zu beobachten, dass sich sehr viele bemühen, und vor allem gute, wirklich aufbauende Worte und bestärkende Videos weiterleiten.

ONETZ: Die Pilger die sonst zu Ostern Jerusalem und Bethlehem fluten müssen wegbleiben. Was ist das für eine Stimmung?

Pater Matthias Karl: Ja, das ist traurig. Das Heilige Land ist ein Land zu dem ganz wesentlich die Pilger aller Religionen gehören. Ostern ohne die christlichen Pilger ist schon bedrückend. Ein ganz besonders schönes und fröhliches Ereignis ist die große Palmsonntagsprozession von Betfage her kommend über den Ölberg hinein in die Heilige Stadt Jerusalem. Dieses Jahr: Ausgefallen! Die Vernunft sagt uns natürlich: Richtig! Aber das Herz der einheimischen Christen ist traurig, denn sehr gerne hätte man auch dieses Jahr die Freude über den Herrn mit der ganzen Welt geteilt. In der Zukunft wird es wieder möglich sein. Dieses Jahr brauchen wir Geduld.

ONETZ: Können Sie noch in die Grabeskirche gehen?

Pater Matthias Karl: Leider musste auch die Grabeskirche für die Öffentlichkeit geschlossen werden. Bekanntlich leben ja kleine religiöse Gemeinschaften in bzw. an der Grabeskirche (Franziskaner, Armenier, Griechen, Kopten, Syrer und Äthiopier) und diese werden alle gottesdienstlichen Feiern begehen. Doch ich und alle anderen Gläubigen in der Stadt müssen zu Hause bleiben.

ONETZ: Wie werden Sie im Kloster Ostern feiern?

Pater Matthias Karl: Nun, ich habe ja das große Glück, dass ich hier in der Abtei in einer Mönchsgemeinschaft lebe. Und uns ist als Hausgemeinschaft die Feier der Gottesdienste erlaubt. Leider darf niemand von außen hinzukommen. Daher werden wir alle Gottesdienste zumindest in gedanklicher Verbundenheit mit den Gläubigen unserer deutschsprachigen Gemeinde und all jener feiern, die zum diesjährigen Osterfest nach Jerusalem kommen wollten. Schon die letzten Tage haben gezeigt, dass die Gebetsgemeinschaft sogar über weite Entfernungen hinweg ein bestärkendes Erlebnis sein kann.

Neues Amt als Prior

ONETZ: Christliche Familien im Heiligen Land sind häufig zu großen Teilen vom Tourismus abhängig. Wie ergeht es diesen? Brauchen sie Hilfen?

Pater Matthias Karl: Sehr viele Christen arbeiten für die Pilger und Touristen an den Heiligen Stätten und natürlich auch in Hotels, Restaurants, Souvenirläden, als Busfahrer und Tourguides. Sie sind fast alle arbeitslos und größtenteils ohne soziale Absicherung, also wirklich in existenziellen Nöten. Hilfe, viel Unterstützung wird notwendig werden. Das wird eine enorme Herausforderung für die Kirche werden. Wir hoffen sehr auf die Großzügigkeit und Solidarität vieler Menschen, die wirtschaftlich einigermaßen gut durch diese Zeit kommen und uns mit Spenden unter die Arme greifen und uns in der Sozialarbeit unterstützen. Mehr denn je sind wir jetzt auf Spendenbereitschaft und Wohltätigkeit angewiesen.

ONETZ: Ihre Familie und ihre Freunde leben in der Oberpfalz. Auch hier breitet sich das Coronavirus aus. Wächst die Sorge um sie mit der Entfernung?

Pater Matthias Karl: Mit Erschrecken verfolge ich in den Medien die Berichterstattung aus meiner Heimat. In Kümmersbruck war ich als Diakon und in Mitterteich waren meine ersten beiden Kaplansjahre. Ich hoffe sehr, dass sich die Situation bald zum positiven hin wendet und die betroffenen Menschen weiterhin ausreichend Kraft und die notwendige Geduld haben. Ich bewundere alle Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger, die in dieser ernsthaft schwierigen Lage den Infizierten helfen, alle, die weiterhin ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen und alle, die freiwillig mit anpacken, wo Hilfe gebraucht wird.

">7 Fragen an… Prior Pater Matthias Karl OSB

ONETZ: Was wünschen Sie den Oberpfälzern aus Jerusalemer Sicht?

Pater Matthias Karl: Wir werden diese herausfordernde Zeit überstehen! Für alles, was heute getan werden muss, wünsche ich die nötige Kraft. Mit Blick auf alles, was wir lassen müssen, wünsche ich Geduld. Vor allem aber wünsche ich allen Gesundheit und im Falle einer Erkrankung medizinische Hilfe. Möge uns allen der Glaube helfen, dass Gott sich um jede und jeden von uns sorgt. Gott der Herr schenke uns allen Zuversicht und seinen reichen Segen.

Tabgha erstrahlt in neuem Glanz

Hintergrund:

Die Hilfsprojekte der Dormitio-Abtei

Die Christen im Heiligen Land werden wegen der Coronakrise Hilfe und Unterstützung brauchen, sagt Pater Matthias Karl. Das werde eine enorme Herausforderung für die Kirche. Pater Karl stammt aus Schneeberg bei Winklarn (Kreis Schwandorf). Er wurde 1996 für das Bistum Regensburg zum Priester geweiht und legte 2009 seine Profess in der Dormitio-Abtei ab. Seit 2018 ist er Prior der Benediktiner auf dem Zionsberg am Rande der Altstadt von Jerusalem.

Zuvor war der Oberpfälzer Pilgerseelsorger in Tabgha am See Genezareth. In der Begegnungsstätte Beit Noah, die Tabgha angliedert ist, ermöglichen die Benediktiner israelischen und arabischen Behinderten, sowie Kindern und Jugendlichen, Urlaub zu machen.

Da die Mönche meist nur einen symbolischen Beitrag nehmen, um die Gastgruppen zu unterstützen, sind sie auf Spenden angewiesen. „Wir hoffen sehr auf die Großzügigkeit und Solidarität vieler Menschen, die wirtschaftlich einigermaßen gut durch diese Zeit kommen und uns mit Spenden unter die Arme greifen und uns in der Sozialarbeit unterstützen“ sagt Pater Matthias: „Mehr denn je sind wir jetzt auf Spendenbereitschaft und Wohltätigkeit angewiesen.“ (paa)

Spendenkonto:

Abtei Dormitio Jerusalem e.V.

LIGA Bank eG

Bankleitzahl: 75090300

Konto: 2180278

IBAN: DE98 7509 0300 0002 1802 78

BIC: GENODEF1M05

Erste Verwendungszweckzeile: Kennwort „Sozialhilfe“ sowie für eine Spendenquittung in die weiteren Zeilen: Straße, Hausnummer, Postleitzahl und Ort

Der Blick aus dem Garten zur Kirche zeigt, die Abtei ist ein kleines Paradies in Jerusalem.

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