15.11.2020 - 12:49 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Auf idyllischen Wegen durch die Natur

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Der Naturpark, der Fichtelgebirgsverein und die Tourismuszentrale wollen das Fichtelgebirge zur "Qualitätsregion Wandern" machen. Demnächst wird es auch Trekkingplätze im Wald geben.

Einheimische und Auswärtige sollen sich auf einen hohen Standard der Wanderwege verlassen können.
von Autor FPHProfil

Möglichst viele Wurzeln und Steine. Und am besten richtig schmal. So sieht der ideale Wanderweg aus. „Wer auf ihm läuft, kann die Natur spüren und erleben“, sagt Christian Kreipe. Er muss es wissen, ist er doch der Hauptwegewart des Fichtelgebirgsvereins und zuständig für ein zusammen 3600 Kilometer langes Wegenetz. Dieses kommt jetzt auf den Prüfstand. „Wir wollen für das Fichtelgebirge und den Steinwald das Siegel 'Qualitätsregion Wandern'. Dafür müssen wir viele Kriterien erfüllen." Für Einheimische und Gäste bedeutet dies, dass sich in den kommenden Jahren draußen in der Natur einiges ändern wird. Nachfolgend die wichtigsten Fragen und Antworten zum Siegel „Qualitätsregion Wandern“.

Warum brauchen das Fichtelgebirge und der Steinwald ein Qualitätssiegel?

Damit sich jeder Einheimische oder Auswärtige auf einen hohen Standard der Wanderwege und des „Gesamtpaketes Fichtelgebirge“ verlassen kann. Daher geht die Initiative nicht nur vom Fichtelgebirgsverein aus. Auch der Naturpark Fichtelgebirge und die Tourismuszentrale arbeiten daran.

Wir haben in den vergangenen drei Jahren bereits 40.000 neue Markierungszeichen im Fichtelgebirge angebracht.

Christian Kreipe

Was dürfen die Wanderer erwarten?

„Wir stellen derzeit unser gesamtes Wegenetz auf den Prüfstand. Dabei geht es um die Wegebeschaffenheit ebenso wie um die Markierung“, erläutert Kreipe. So soll ein Wanderweg – wie eingangs beschrieben – möglichst naturbelassen und schmal sein. „Am besten ist es, wenn die Wanderer hintereinander gehen müssen.“ Kreipe hat als langjähriger Geschäftsführer des Naturparks Fichtelgebirge unzählige Wanderwege angelegt. „Die meisten glauben, es sind reine Naturpfade – und das ist gut so.“ Letztlich sind aber auch Kreipes Wege von Menschenhand gestaltet, allerdings so, dass es niemand merkt. Wichtig ist vor allem eine einheitliche und stringente Beschilderung. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren bereits 40.000 neue Markierungszeichen im Fichtelgebirge angebracht“, sagt Kreipe. Für Ferdinand Reb, den Leiter der Tourismuszentrale Fichtelgebirge, ist es wichtig, dass der Gast mit dem Bus zum Wanderparkplatz fahren und sich von hier aus ohne Wanderkarte in der Natur orientieren kann. Der Deutsche Wanderverband vergibt das Qualitätssiegel nur, wenn der Wanderweg zu mindestens 80 Prozent naturnah ist. Sogenannte Verbundflächen, die gepflastert, asphaltiert oder grob geschottert sind, geben Punktabzüge.

Wie markiert der Fichtelgebirgsverein die Wege?

Mit einheitlichen Schildern und Zeichen im gesamten Gebiet. „Wir markieren auf Sicht, damit sich niemand verlaufen kann. Mit sogenannten Lockzeichen lotsen wir den Wanderer auch über Kreuzungen. Ganz wichtig: Nach 50 Metern muss ein Bestätigungszeichen folgen. Dann weiß jeder, dass er sich auf dem richtigen Weg befindet“, sagt Kreipe und verweist auf regelrechte wissenschaftliche Abhandlungen zu der Thematik. „Markieren ist fast wie eine Sprache.“

Dürfen sich die Wanderer auf 3600 Kilometer Qualitätswanderwege freuen?

Leider Nein. Das Ziel der Verantwortlichen der drei Institutionen ist es, das Wegenetz zu straffen, also zu kürzen. Letztlich soll es 30 Qualitätswandertouren geben, die alle Kriterien erfüllen – und dazu gehört auch das geöffnete Wirtshaus am Anfang oder Ende des Weges. Zwei Touren, die alle Anforderungen schon jetzt erfüllen, sind der Fränkische Gebirgswanderweg und der Winterwanderweg rund um den Ochsenkopf. Laut Kreipe hatten schon viele Verantwortliche den Wunsch, das Wegenetz auszudünnen, gelungen ist es bisher nie.

Wie lange dauert das Projekt „Qualitätsregion Wandern“?

Die Beteiligten erhoffen, dass das Fichtelgebirge 2022 das Siegel erhält. Bis dahin gibt es noch jede Menge Arbeit. „Wir wollen die Bürger und alle Nutzergruppen mit einbinden“, sagt Jörg Hacker, Geschäftsführer des Naturparks Fichtelgebirge.

Wie sieht die Bürgerbeteiligung aus?

Diese steht im kommenden Jahr im Mittelpunkt. Sollten coronabedingt keine Workshops möglich sein, binden der FGV, der Naturpark und die Tourismuszentrale die Bürger auf digitalem Weg ein. „Wir wollen die Bedürfnisse der Nutzer unserer Natur besser kennenlernen“, sagt Hacker. Die der Wanderer seien durch den FGV zwar weitgehend bekannt, aber bei den Mountainbikern – der zweiten großen Gruppe, die in den Wäldern unterwegs ist – gebe es keine übergreifenden Vereinsstrukturen. „Dennoch müssen wir uns Ansprechpartner suchen, die uns schildern, was für die Biker wichtig ist.“ Zusätzlich startet die Universität Bayreuth eine Fragebogen-Aktion, unter anderem auf den Wegen und den Bike-Trails.

Wird es auch Trekking-Plätze geben?

Ja. Noch sind im gesamten Fichtelgebirge keine Trekking-Plätze vorhanden, in nächster Zeit sollen mehrere entstehen. Im Gegensatz zu richtigen Campingplätzen sind Trekkingplätze freie Flächen inmitten der Natur, die Platz für drei bis vier Zelte bieten, ein Toilettenhäuschen vorhalten und auf denen die Gäste Feuer schüren können, wenn es nicht wegen Waldbrandgefahr untersagt ist. Laut Christian Kreipe gibt es im Fichtelgebirge und Steinwald viele wilde Feuerstellen. „Bisher hatten wir riesiges Glück, dass es zu keinem größeren Brand gekommen ist. Im Wald gibt es Regeln, und die müssen die Menschen einhalten.“ In anderen Regionen sind Trekking-Plätze vor allem bei sogenannten Bike-Packern beliebt. Dies ist eine relativ junge Radfahrer-Szene. Die Abenteurer nehmen auf ihrem Mountain- oder Gravelbike Zelt, Kochutensilien und Lebensmittel mit, um ein, zwei Tage in freier Natur zu verbringen.

Was soll mit dem Qualitätssiegel noch besser werden?

Den Entscheidern im FGV, im Naturpark und in der Tourismuszentrale geht es um die Lenkung der Besuchergruppen. „Wir müssen auch die Zeiten steuern, an denen die Menschen unterwegs sind, damit nicht alle zur selben Zeit am selben Ort sind. Auch gilt es, die Wege der Mountainbiker und Wanderer zu entflechten“, sagt Reb.

Der Fränkische Gebirgsweg ist als Qualitätswanderweg zertifiziert

Wunsiedel
Die Region bietet herrliche Wanderwege.
Der Deutsche Wanderverband vergibt das begehrte Qualitätssiegel nur, wenn der Wanderweg zu mindestens 80 Prozent naturnah ist.

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