26.07.2020 - 14:27 Uhr
WunsiedelOberpfalz

Landkreis Fichtelgebirge als großes Ziel

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Landrat Peter Berek wirbt für einen neuen Namen, da dieser die Region noch bekannter machen würde. Eine Gebietsreform strebt er nicht an.

Vielleicht heißt der heutige Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge eines Tages Landkreis Fichtelgebirge.
von Autor FPHProfil

Noch existiert das Fichtelgebirge nur in Form der Abkürzung „i. F.“ auf den Straßenschildern. Wenn es nach Landrat Peter Berek geht, sollte aus dem Landkreis Wunsiedel i. F. der Landkreis Fichtelgebirge werden. „Dann würden wir als Landkreis unseren Markenkern gleich im Namen tragen, das hätte eine unschätzbare Außenwirkung“, sagt Berek im Gespräch mit der Frankenpost. Da ihm dies am Herzen liegt, will der Landrat noch in den nächsten Monaten eine Namensänderung zur Diskussion stellen. „Klar müssen wir da die Bürger ins Boot holen.“ So sei eine Umfrage zum Beispiel auf digitalem Wege denkbar. Die Plattform dafür gebe es bereits. Man könne zum Beispiel jene des Projektes „Freiraum Fichtelgebirge“ nehmen, auf der in den vergangenen Monaten die Bürger ihre Anliegen zu den unterschiedlichsten Themen vorbringen konnten.

Mir sind die kleinen Kommunen mit ihrer Nähe zu den Bürgern und ihrer Kreativität wichtig.

Landrat Peter Berek

Bis es einen Landkreis Fichtelgebirge geben könnte, wird noch einiges Wasser die Eger hinunterfließen. So braucht es außer dem Bürgerwillen auch das Einverständnis des Kreistags. Zudem müssen das Innenministerium und der Landtag grünes Licht geben.

Im Tourismus punkten

Dennoch hält es Berek für sinnvoll, sich möglichst bald mit der Thematik zu befassen. „Das Fichtelgebirge ist unser Herz, das müssen wir verdeutlichen.“ Viel zu lange habe die Region ihren eigentlichen Namen nicht ausreichend vermarktet. Wenn es um den Wirtschaftsraum geht, nimmt zwar auch Berek nach wie vor das Wort Hochfranken in den Mund, doch viel lieber spricht er vom Fichtelgebirge. „Darunter kann man sich etwas vorstellen, das ist ein bekannter Name.“ Vor allem auf dem Feld der Touristik – eine der wichtigen Branchen in der Region – könnte ein Landkreis Fichtelgebirge ungemein punkten. „Da weiß dann jeder, wo sich die betreffenden Orte befinden.“

Vor wenigen Monaten gab es eine Auszeichnung für regionale Spitzenprodukte aus dem Landkreis Wunsiedel

Wunsiedel

Dass das Fichtelgebirge größer als der bestehende Landkreis Wunsiedel ist, muss laut Berek kein Hindernis sein. „Natürlich gehören auch das Hohe Fichtelgebirge, der Raum nördlich des Kornbergs und Teile des Landkreises Tirschenreuth dazu.“ Eine große Gebietsreform, wie sie der Gründervater der Vereinigung „Große Landstadt Fichtelgebirge“ und einer von Bereks Landrats-Gegenkandidaten, der Wunsiedler Matthias Popp, anstrebte, hält Berek für nicht richtig. „Was wir brauchen, ist vielmehr eine Reform im Denken. Mir sind die kleinen Kommunen mit ihrer Nähe zu den Bürgern und ihrer Kreativität wichtig.“ Und Gebietsansprüche an seine Landrats-Nachbarn Roland Grillmeier (Tirschenreuth), Oliver Bär (Hof) und Florian Wiedemann (Bayreuth) hat Berek schon gleich gar nicht. „Ich habe zu allen drei Landräten einen guten Draht. Wir treffen und unterstützen uns gegenseitig.“ Lediglich wünscht er sich, dass die Region noch enger verzahnt werde, „aber das ist eine mittlerweile selbstverständliche Daueraufgabe“.

Nur mit den Bürgern

Die Diskussion um einen Landkreis Fichtelgebirge, den sich übrigens auch der frühere Landrat Karl Döhler hätte vorstellen können, stößt Berek nun offensiv an. Wie er sagte, ist das eine Thematik, der er sich noch in diesem Jahr widmen will. Entscheidend sei für ihn allerdings der Wunsch der Bürger. „Die Einwohner müssen dahinterstehen, sie sind diejenigen, um die es geht.“ Gut möglich, dass er einst in die Geschichte als ein Landrat eingehen wird, der im Landkreis Wunsiedel i. F. sein Amt begonnen hat und dieses im Landkreis Fichtelgebirge beendet.

Auch der Vorsitzende der SPD Fichtelgebirge, Jörg Nürnberger, begrüßt laut einer Pressemitteilung „den zweiten Anlauf, einen Landkreis Fichtelgebirge zu schaffen und endlich den umständlichen Namen Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge zu ändern“. Dies sei für die regionale Identität und die Außendarstellung eine wesentliche Verbesserung.

Die Angelegenheit hat laut Nürnberger einige interessante historische Aspekte. „Bei der Landkreisreform 1972, als unser Landkreis in seiner heutigen Ausformung geschaffen wurde unter der Einbeziehung der bis dorthin kreisfreien Städte Marktredwitz und Selb und des südlichen Landkreises Rehau, wollten der SPD-Kreisverband und eine große Mehrheit im Landkreis den Namen „Landkreis Fichtelgebirge.“ Die CSU-Staatsregierung habe allerdings den Antrag abgelehnt, weil die Nachbarlandkreise, insbesondere Bayreuth, nicht einverstanden waren.

Eine kleine Spitze in Richtung CSU kann sich Nürnberger in seinem Schreiben nicht verkneifen. „Als SPD-Kreisverband Fichtelgebirge sind wir, was den Namen betrifft, im Gegensatz zum ,CSU-Kreisverband Wunsiedel’ bereits seit Jahren auf der Höhe der Zeit. Wenn sich die SPD und der Landrat mit ihren Vorstellungen durchsetzen würden, dann bräuchte zumindest schon mal die SPD ihren Namen gar nicht ändern.“

Die Umbenennung des Landkreises wird nach Ansicht von Jörg Nürnberger allerdings als Alleingang des Landrats nicht funktionieren, sondern nur dann, wenn eine breite gesellschaftliche Akzeptanz erzielt wird und auch die Nachbarn ihren Widerstand aufgeben. Der Landkreis liege zwar ganz im Fichtelgebirge, umfasse aber eben doch nicht das ganze Fichtelgebirge, so Nürnberger.

Hintergrund:

Mehrere Hürden

Die Änderung des Namens eines Landkreises ist nicht ganz einfach. Wie die Pressesprecherin des Bayerischen Innenministeriums, Sandra Schließlberger, sagt, wird der Name eines Landkreises durch eine Rechtsverordnung der Staatsregierung, die der Zustimmung des Landtags bedarf, bestimmt. „Auch der Kreistag ist anzuhören. Die Namen der Landkreise sind mit der Verordnung zur Bestimmung der Namen der Landkreise am 10. April 1973 festgelegt worden.“ Eine Namensänderung könne ebenfalls nur durch eine Änderungsverordnung der Staatsregierung, die der Zustimmung des Landtags bedarf, geändert werden, teilt Sandra Schließlberger mit. Den Antrag auf eine Namensänderung kann nur der Landkreis selbst stellen. „Der muss allerdings gut begründet sein. Eine Namensänderung käme nur in Betracht, wenn es dafür ein öffentliches Bedürfnis gibt.“

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