08.04.2020 - 17:31 Uhr
MünchenOberpfalz

Zurück in die Schule, aber nur unter Bedingungen

Die Schüler sollen in der Coronakrise nicht hinten runter fallen. Aber die Schulen sollen auch kein Experimentierfeld werden, warnen Lehrer.

Abiturientin Sophie Halley lernt zwischen ihren Schulsachen auf ihrem Bett.
von Jürgen UmlauftProfil

Nach den Andeutungen von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vom Dienstag, dass der Schulunterricht wohl nicht wie bisher geplant nach den Osterferien wieder aufgenommen wird, fordern Lehrerverbände über das weitere Vorgehen rasch Klarheit. Die aber wird es vermutlich erst nach den Osterfeiertagen geben, wenn sich auch die Kultusminister der Länder auf ein einheitliches Vorgehen verständigt haben. Schulminister Michael Piazolo (Freie Wähler) bereitet sich nach eigenen Angaben auf alle Eventualitäten vor. "Wir spielen zurzeit alle möglichen Szenarien durch", erklärte er. Für konkrete Details sei es noch zu früh.

Die Direktoren an den Gymnasien und beruflichen Oberschulen plädieren dafür, den Unterricht zunächst mit den Abschlussklassen aufzunehmen, damit sich die Jugendlichen weiter auf ihre Abschlussprüfungen vorbereiten können. Das sei unter "verschärften Hygienemaßnahmen" machbar, meinte der Chef der Direktorenvereinigung, Walter Baier. Söder hatte am Dienstag dagegen erklärt, die Vorbereitung müsse "nicht in Form von Unterricht" erfolgen. Ungeachtet dessen regte Baier an, in einer zweiten Stufe die Elftklässler folgen zu lassen, die nächstes Jahr Abitur schreiben. Für die übrigen Jahrgangsstufen sind Modelle mit mehr Nachmittags- oder mit Samstagsunterricht im Gespräch, aber auch eine Wiederholungsphase zu Beginn des kommenden Schuljahrs, um verpassten Stoff nachzuholen.

Nach Einschätzung des Vorsitzenden des die Gymnasiallehrer vertretenden Philologenverbandes, Michael Schwägerl, braucht das stufenweise Anlaufen des Schulbetriebs genügend Planungszeit. Im Mittelpunkt müsse dabei immer die gesundheitliche Sicherheit von Schülern und Lehrpersonal stehen. Sorgfältiger Vorbereitung bedürften zum Beispiel die hygienischen Voraussetzungen, die Organisation genügend großer Räume für die Beschulung und ein die Ansteckungsgefahr ausschließender Schülertransport. Möglich sind aus Schwägerls Sicht spezielle Stundenpläne, halbierte Kursgrößen und eine Entzerrung der Raumbelegung.

Schwägerl warnte davor, das schrittweise Hochfahren des gesellschaftlichen Lebens auf die Schulen zu beschränken. "Lehrkräfte und Abiturienten dürfen nicht zum Experimentierfeld der Virologie werden", mahnte er. Ähnlich sieht das die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes, Simone Fleischmann. "Oberste Priorität muss die Gesundheit aller haben", betonte sie. Ohne eine eindeutige, umfassende und nachhaltige Klärung aller Fragen rund um die Schutzmaßnahmen auch für Risikogruppen dürfe es keine Schulöffnung geben.

Der Vorsitzende des Realschullehrerverbandes, Jürgen Böhm, lehnte einen festen Exit-Zeitpunkt für die Schulschließungen ab. Die Politik dürfe nicht zu Entscheidungen gedrängt werden, deren Konsequenzen mit Blick auf die Gesundheit derzeit nicht absehbar seien. Man müsse die weitere Entwicklung abwarten und dann "kurzfristig und sensibel handeln". Ziel müsse ein womöglich stufenweiser "Übergang in geordnete Verhältnisse sein. Die Katholische Erziehergemeinschaft (KEG) forderte wegen des absehbar längeren Unterrichtsausfalls "praktikable Ideen und Lösungen" für das Homeschooling. Hier sei das Kultusministerium gefordert, moderne, praxistaugliche und leistungsfähige Online-Plattformen zur Verfügung zu stellen und die Lehrkräfte zu schulen.

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