08.04.2021 - 17:46 Uhr
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Fußball: Ein Verein erwägt Klage gegen Quotientenregel

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Die Quotientenregel im bayerischen Amateurfußball stößt bei nicht allen Vereinen auf Zustimmung. Klar, dass die Verlierer dieser Lösung andere Wege suchen. Wie der Tabellenletzte der Bayernliga Süd, der TSV Nördlingen.

Wenn die Fußballsaison abgebrochen wird, soll der Tabellenstand nach der so genannten Quotientenregel hergenommen werden.
von Reiner Fröhlich Kontakt Profil

Die Quotientenregel des Bayerischen Fußballverbandes beschäftigt einige wenige Vereine: Diejenigen, die davon direkt betroffen sind und sich dadurch im Nachteil glauben. Wie der Bezirksligist FV Vilseck, der aufgrund der Regel bei Abbruch der Saison 2019/20 absteigen müsste. Und wie der TSV Nördlingen, der ebenfalls eine Liga tiefer eingruppiert werden würde – von der Bayernliga Süd in die Landesliga.

Der Verein aus Nordschwaben, aktuell Tabellenletzter, will den Abstieg am Grünen Tisch aber so nicht hinnehmen und hat einen Antrag beim BFV eingereicht. Inhalt: Die Quotientenregelung soll ausgesetzt werden, und es soll 2019/20 in der Bayernliga Süd keinen sportlichen Absteiger geben. „Der Verband hat natürlich seine Juristen eingeschaltet, wohl wissend, was es mit dieser Regelung auf sich hat. Gleichwohl widerspricht diese dem Bestandsschutz in unserer Rechtsstaatlichkeit“, erklärt Andreas Schröter.

Vertrauen massiv enttäuscht

Der Sportliche Direktor des TSV Nördlingen führt weiter aus, dass durch den Paragrafen 93, der den Quotienten beinhaltet, das „Vertrauen in diese Rechtssicherheit rückwirkend massiv enttäuscht“ wurde. „Wenn ich eine Runde eingehe, akzeptiere ich die Spielordnung, dann akzeptiere ich die Auf- und Abstiegsregelungen, die im Vorfeld getroffen wurden. Für alles müssen wir irgendwo zustimmen, aber im Vorgriff einer Saison.“

Jetzt sei es so, dass die laufende Runde mit einem neuen Paragrafen besetzt wurde, wodurch der Bestandsschutz nicht mehr gegeben sei. Er komme, so Schröter, aus dem Beamtenrecht, arbeite bei der Polizei und sei in der Juristerei durchaus bewandert. „Da habe ich mich schon gefragt, warum man beim BFV keine Übergangsregelung für diese Pandemie geschaffen hat. Für die Vereine, die wie wir betroffen sind, und auch für die, die auf Platz zwei stehen. Diese Übergangsregelung fehlt mir, das ist ein ganz massiver Punkt. Wenn man Rechtsexperten befragt, sehen die hier schon einen Ansatzpunkt.“

Sportlich nicht mehr lösbar

Eine weitere Sache, die dem TSV Nördlingen sauer aufstößt, sei die Aussage des Bayerischen Fußballverbandes, der bei der Verlängerung der Saison vergangenes Jahr immer betont habe, die Runde „sportlich“ zu lösen. „Das wird vermutlich nicht mehr möglich sein, und das beißt sich dann,“ erläutert Andreas Schröter. Er verweist auf das Nachbar-Bundesland, in dem die Saison abgebrochen wurde, und in dem es keine Absteiger gibt: „Wir kennen die Situation in Baden-Württemberg durch die räumliche Nähe. Da herrscht angenehme Stimmung, da gab es keine Klagewellen.“

Beim Bayerischen Fußballverband wollte man zum Antrag des TSV Nördlingen noch keine Stellung beziehen. „Der Antrag liegt jetzt der BFV-Rechtsabteilung zur Prüfung vor“, hieß es aus München. Man könne sich nicht zum derzeit schwebenden Verfahren aktuell weiter äußern. „Da erwarte ich eine Ablehnung, was sonst. Wie sollen sie anders entscheiden, wenn sie nach ihren Statuten vorgehen?“, so Schröter.

Der Tabellenletzte der Bayernliga Süd befindet sich noch in der „juristischen Prüfung“ (Schröter), ob er eine Klage gegen die Quotientenregel des Paragrafen 93 einreichen werde. Der Verein habe einem Amtsrichter a.D. das Ganze zur Durchsicht vorgelegt, ob überhaupt eine Chance auf eine Klage bestehe.

Ist der Paragraf 93 rechtssicher?

Das ist die entscheidende Frage, die vermutlich nicht nur der TSV Nördlingen gerne beantwortet hätte. Wie rechtssicher ist der Paragraf 93? Die Anpassungen wurden während der Saison vorgenommen, ohne dass ein außerordentlicher Verbandstag darüber abgestimmt hat.

Die Regelung wurde in erster Linie für die neue Saison 2021/22 eingefügt. „Mit der einstimmig beschlossenen Ergänzung der Spielordnung trägt der BFV-Vorstand der bis dato so nicht gekannten Situation Rechnung und verabschiedet eine rechtssichere Regelung für die Zeit ab dem 1. Juli 2021“, vermeldete der BFV am 21. August 2020 auf seiner Homepage. Mit dem Zusatz, falls der Spielbetrieb 2019/20 nicht beendet werden könne, gelte die Regelung zur notwendigen Abwicklung auch für das Spieljahr 2019/2

Bei Saisonabbruch im Fußball: Quotientenregelung und keine Relegation

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Hintergrund:

Die Quotientenregel im Fußball

Der endgültige Tabellenstand wird über den Quotienten aus erzielten Gewinnpunkten und ausgetragenen Spielen ermittelt. Ein Beispiel: 40 erzielte Punkte aus 20 Spielen ergeben dann den Quotienten 2,00.

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