19.05.2019 - 16:29 Uhr
MünchenSport

Ganz große Gefühle

Selbst Rosamunde Pilcher hätte das Meisterfinale der Bayern nicht kitschiger inszenieren können. Mit einem 5:1-Sieg über Frankfurt tütet der Rekordmeister Titel Nummer 29 ein. Und beschert seiner scheidenden Flügelzange so einen Abschied nach Maß.

Pure Freude mit dem Altmeister: Die Mitspieler feierten den überwältigten Franck Ribéry (Zweiter von rechts) nach dessen traumhaftem Lupfer zum 4:1 im Meisterfinale.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Nach Spielschluss ergoss sich nicht nur das Bier über alle Häupter der frischgekürten Meister, auch Tränen flossen in Strömen. Franck Ribéry stockte bei seiner Ansprache vor der Südkurve mehrfach die Stimme. Als er von seinen Gefühlen übermannt wurde, musste Ehefrau Wahiba hinzueilen und Trost spenden. "Meine ganze Familie aus Frankreich ist heute gekommen. Das ist ein spezieller Moment. Auch schwer, aber was zählt, ist, dass wir Meister sind", sagte der Franzose.

Zunächst auf der Bank

Schon vor dem Anpfiff war der 36-Jährige sichtlich angefasst, als ein Zusammenschnitt seiner besten Szenen im Bayern-Trikot über die Stadion-Leinwände lief. Er wollte in seinem letzten Heimspiel in der ausverkauften Allianz-Arena unbedingt von Anfang an auflaufen. Doch Trainer Niko Kovac konnte keine Rücksicht auf Emotionen nehmen und bot mit Serge Gnabry und Kingsley Coman stattdessen die Nachfolger des ewigen Flügelduos "Rib&Rob" auf. Dessen zweiter Part, Arjen Robben, wirkte gefühlsmäßig zwar weitaus gefasster, doch letztendlich hielt der Spielverlauf für beide ein Happy End parat, wie es im Handbuch für angehende Schnulzen-Schreiber aufgeführt sein dürfte.

Kovac brachte die scheidenden Altmeister früh in der zweiten Hälfte, und sowohl Ribéry (73.) als auch Robben (78.) trugen sich noch in die Torschützenliste ein. Mit den beiden finalen Treffern packten sie den Deckel auf den 5:1-Sieg gegen gnadenlos unterlegene Frankfurter.

Kingsley Coman (4.), David Alaba (53.) und Renato Sanches (58.) hatten jegliche Spannung nach dem zwischenzeitliche Ausgleich von Sebastien Haller (50.) im Keim erstickt. "Viele Emotionen gehen da durch den ganzen Körper. Das kann man mit Worten nicht beschreiben. Das muss man einfach erleben", ärgerte sich Robben nicht, dass er bei 99 Treffern in der Bundesliga verharren wird. "100 Tore wären natürlich schön. Alles egal."

Fast paradox mutete es an, dass selbst im Gefühl des großen Triumphs die Diskussionen um die Zukunft von Trainer Kovac nicht abflauen wollten. Während sich Präsident Uli Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic "nicht an der Diskussion beteiligen" wollten, und abermals ein klares Bekenntnis zum Meistertrainer verweigerten, ging Kovac selbst in die Offensive: "Ich bin überzeugt davon, dass es weitergeht. Und das sind Informationen aus erster Hand." Klar pro Kovac positionierte sich der Anhang des nun 29-fachen Deutschen Meisters. Gleich mehrfach während der Partie skandierten sie den Namen des Trainers.

Heidi Klum wollte in der Bayern-Kabine mitfeiern

München

Applaus für die Fans

Diese Bekundungen sollten als Botschaft in Richtung der zaudernden Führungsriege verstanden werden. "Natürlich beruhigt es einen. Ich bin ein Mensch und das geht einem nahe", freute sich Kovac über den Zuspruch von den Rängen, der ihn sichtlich rührte. Noch während das Spiel lief, dankte Kovac den Fans mit Applaus und erhobenem Daumen in Richtung Südkurve. Nach Franz Beckenbauer ist der gebürtige Berliner erst der zweite Trainer, der schon als Spieler mit den Bayern Meister war. Und am Samstag haben die Bayern beim Pokalfinale in Berlin gegen Leipzig noch die Chance zum Double. Dann wären die ganz großen Gefühle erneut vorprogrammiert.

Ein Kommentar zum Meistertitel des FC Bayern

München
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.